Super Wario

17 01 2008

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Was bisher geschah…

Hier nun ein kleiner Zwischenbericht zu meiner Reise entlang der australischen Ostkueste.

In Cairns sind Anne und ich gut angekommen. Das Essen im Flugzeug hat geschmeckt, ich bin das erste Mal in einer Boeing 717 geflogen, die Flugbegleiter waren nett und aus dem Fenster konnte man die vorbeiziehende australische Praerie beobachten. Beim Landeanflug auf Cairns sind wir ueber die ganze Stadt geflogen und ich konnte mir so ein erstes Bild machen. Die Stadt liegt am Meer und ist eingebettet in einer bergigen, urwaldartigen Landschaft. Und wie das im Urwald so ist, erlebten wir beim Aussteigen aus dem Flugzeug einen klimatischen Schock: Die Luft war ganz im Gegensatz zu der in Alice Springs extrem humid. Mittlerweile sind wir in Airlie Beach und es ist hier immer noch feucht, schwuel, stickig und heiss. Man steigt aus der Dusche und ist sofort wieder nass. Angenehm ist etwas anderes, aber immerhin tut es unseren Nasenschleimhaeuten gut, nachdem diese im Outback fast versengt wurden.

Unser Hostel in Cairns war ein Volltreffer. Tropic Days hiess es und war sauber, abwechslungsreich und kunstvoll gestaltet und es gab fuer jeden sogar ein Handtuch zum benutzen! Ja, darueber freut man sich als Backpacker, so etwas gibt es sonst nicht alle Tage! Eine Nacht haben wir in Cairns verbracht und ich habe die Stadt als ganz nett befunden. Die Strassen sind breit, die Vegetation tropisch und die allgemeine Atmosphaere irgendwo zwischen heimeliger Kleinstadt und Touristenklitsche.

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Abends haben Anne und ich einen Reiseplan ausgearbeitet, den wir versuchen zu befolgen. Bislang hat es ganz gut geklappt. Unser Campervan hat uns noch nicht im Stich gelassen, obwohl er so wirkt, als ob er jeden Moment zusammenbrechen koennte. Wir haben ihn in Cairns gestern abgeholt und erstmal etwas distanziert begruesst. Wie von wickedcampers nicht anders zu erwarten, ist es nicht gerade ein Prototyp eines gepflegten Autos. Aber die anfaengliche Scheu hat sich schnell gelegt; mittlerweile sind wir ueber siebenhundert Kilometer gefahren und haben unseren Mazda B 2000 halbwegs heimelig eingerichtet. Wir fahren immer bei offenem Fenster, weil es sonst nicht anders auszuhalten ist bei der unglaublichen Schwuele, die hier herrscht. Man fuehlt sich wie in den Tropen und faengt schnell an an den Sitzen zu kleben. Wobei unser Schmuckstueck eines Autos dagegen eine Waffe hat: Einen integrierten Heissluftofen, der permanent heisse, trockene Luft in den Innenraum blaesst. Dieses ausgekluegelte System befindet sich vorne unter den Sitzen und ist gemeinhin unter der Bezeichnung Motor bekannt. Gekoppelt ist das etwas schwachbruestige und sonor rumorende Ding ist auch noch an eine Gangschaltung, die einen zwangslaeufig an einen Knethaken eines Mixers, der in einem klebrigen Teig steckt, erinnert. Vor allem das Auffinden des dritten Ganges ist reine Glueckssache und geraet manchmal zur Geduldsprobe.

Wir haben uns aber daran gewoehnt und sind froh, dass wir vier Raeder unter uns, ein Dach ueber uns und einen durchaus gemuetlichen Schlafplatz dazwischen haben.

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Unsere erste Fahrt fuehrte uns in den Supermarkt, um uns mit Proviant einzudecken. Danach machten wir uns direkt auf den Weg gen Sueden, um unseren ersten Stop in Mission Beach einzulegen. Der Name ist in diesem Ort Programm und es gab wirklich nicht viel mehr als einen ganz netten, wenn auch etwas vom Wetter der letzten Tage mitgenommenen Strand zu bewundern. Daher sind wir direkt weiter gefahren, um in Townsville auf einem Campingplatz zu naechtigen. Wildes Campen ist in Australien naemlich leider nicht erlaubt, was allerdings wiederum das Gute mit sich bringt, dass wir jeden Tag eine Dusche haben, die man hier wirklich braucht, weil man sonst Gefahr laufen wuerde, als eine grosse klebrige Masse zu enden.

Schon die erste Fahrt war ein Erlebnis. Zu unserer rechten Seite konnten wir die vom Regenwald bewachsenen Berge bestaunen, zu unserer Linken das Meer, seine Zufluesse und ueberflutete Wiesen. Mittendrin befanden sich Plantagen, auf denen Bananen, Mangos, Zuckerrohr oder Lychees angebaut werden. Diese regionalen Erzeugnisse werden oftmals auch in kleinen Staenden am Strassenrand verkauft, doch Anne und ich waren schon versorgt.

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Der Himmel ueber uns war wolkenverhangen und zeigte sich von seiner stuermischen Seite. Die Wolken hingen tief ueber den Bergen und fern am Horizont blitzte es ununterbrochen. Ein dramatisches Schauspiel bot sich unseren mueden Augen und irgendwann erreichten wir die Gewitterfront auch. Gluecklicherweise streiften wir sie nur leicht und die Regenguesse waren zwar heftig, aber nur von kurzer Dauer. Den Froeschen schien diese Wetterlage zu gefallen, denn sie beschlossen, sich dem Regen auf der Strasse auszusetzen. Ich sage an dieser Stelle am besten nur soviel dazu: Platsch und Matsch. Auch Schlangen kuscheln sich offensichtlich sehr gerne zwischen Teer und Reifen ein… Ganz zu schweigen von teilweise kartoffelgrossen Insekten, die ihre Ankunft auf der Stirnflaeche unseres Kilometerfressers gerne mal mit einem lauten Knall unterstrichen. 

Heute sind wir in Airlie Beach angekommen, mit einem Zwischenstopp in Bowen. Dort haben wir in einem Cafe gegessen, das uns von einem bayrischen Freund empfohlen wurde – mein Beefwrap war in der Tat lecker. Unterwegs lagen heute zur Abwechslung staendig Kaenguruhs am Strassenrand, die dort mit Sicherheit keine Nickerchen gehalten haben. Deswegen stehen hier auch ueberall Warnschilder, die den unbedarften Backpacker vor den Gefahren warnen, die mit der hiesigen Fauna einhergehen. Ob Kaenguruhs, Cassowaries oder profane Schafe, hier treibt sich ziemlich viel auf den Strassen herum. Und damit man nicht rast, stellt der Staat Queensland mehr als eindeutige Botschaften entlang der Highways auf, wie z.B. „Rest or R.I.P.“. Dies bedeutet frei uebersetzt ‚Raste oder ruhe in Frieden‘ – alles klar?!

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Zum Staerken seiner Reisekraefte hat man hier viele Moeglichkeiten. Ich habe festgestellt, dass hier in jedem halbwegs groesseren Oertchen die ganze Fastfood-Armada an vorderster Front steht. Ob McDonald’s, Hungry Jack’s, KFC oder Subway, mindestens drei dieser Ketten sind immer in jedem popeligen Ort zu finden.

So auch in Airlie Beach, wo Anne und ich unseren Supercamper schon auf einem Campingplatz abgestellt haben. Die Stadt an sich hat nicht viel zu bieten. Die Hauptstrasse ist mit Touristenlaeden vollgepappt und die Straende sind nichts besonderes. Der Grund, weshalb hier soviele Leute hinkommen, ist die guenstige Lage des Ortes als Ausgangspunkt fuer Touren zu den Whitsunday Islands. Diese vorgelagerten Inseln sollen wunderschoen und einen Besuch wirklich wert sein. Das hoffen Anne und ich auch sehr, denn morgen steht eben ein solcher Ausflug an. Einen Tag lang Bootfahren, sich an weissen Sandstraenden flaezen und wunderschoene Panoramen geniessen, klingt doch gut. Wir sind jedenfalls sehr gespannt und hoffen, dass es nicht regnen wird… Und falls doch, springen wir zum Schnorcheln ins Meer, da ist es auch nass. 

Feuchte Albtraueme sehen jedenfalls anders aus. 

Bleibt trocken!





Foehnwelle

15 01 2008
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Nun stecke ich mitten im semiariden Nichts und meine Tour ins gnadenlose Outback habe ich mittlerweile hinter mich gebracht.

Angefangen hat alles mit einem Flug von Sydney nach Alice Springs. Die Landschaft, die unter uns vorbeigezogen war, ist durchaus abwechslungsreich gewesen. Kurz hinter Sydney begann die Einoede, die von Spinifex und Eukalypten aufgelockert wurde, gefolgt von steinigem, rotem Sandmeer und ein paar Salzseen zwischendurch.

Als Anne und ich wohlgenaehrt dank ‘low-fat-food’ aus dem Flugzeug ausstiegen, stiessen wir erstmal gegen ein Hitzeschild der Natur, als ob wir gegen einen heissen Luftstrom eines Foehns laufen wuerden. Die Luft war trocken und brannte in den Lungen.

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Unser preisgekroentes Hostel in Alice Springs entpuppte sich als leicht gammliger Bretterverschlag, aber immerhin gab es eine Klimaanlage im Zimmer.

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Am ersten Tag der Tour wurden wir um sechs Uhr morgens abgeholt. 20 abenteuerhungrige, meistens junge Leute waren wir im Bus. Wir fuhren erstmal vier bis fuenf Stunden durchs Outback zum Flughafen von Yulara, um Person Nummer 21 abzuholen. Auf die Frage, wie lange die Fahrt dauern wuerde, antwortete unser Tourguide nur ‘je nach Wind’ – letzterer kann naemlich unerwartete Staerke und Heftigkeit erreichen. Unterwegs sahen wir am Strassenrand tatsaechlich eine Windhose, von der der Bus einmal durchgeruettelt wurde…

In Yulara angekommen, besichtigten wir zuerst das Aborigine-Center, um uns im Vorhinein ein bisschen Hintergrundwissen zu beschaffen. Danach stand tatsaechlich die Wanderung zum groessten Monolithen der Welt an. Schon unterwegs haben wir ihn von Weitem gesehen und ich war geplaettet vom Anblick eines der bekanntesten Naturgebilden der Welt. Wie aus dem Katalog lag dieser urzeitliche Stein eingebettet im Wuestensand vor uns. Der Tourguide fuehrte uns zu ein paar Stellen am Stein, die von den Aborigines als heilig angesehen werden und erklaerte uns die Bedeutung dieser Hoehlen, Einbuchtungen und Schlitzen.

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Der Uluru ist, wenn man ihn von Nahem und von allen Seiten betrachtet, viel zerkluefteter und unregelmaessiger in seiner Form, als man es nach dem Anblick von der weltbekannten, buchstaeblich einseitigen Ansicht erwartet. Es ist beeindruckend, welche Gestalten des Monolithen sich einem aus verschiedenen Blickwinkeln anbieten. Nach der kleinen Einfuehrung unseres Tourguides machten wir uns auf zur Wanderung um den Felsen herum. Es sind zehn Kilometer gewesen, die man in sengender Hitze zu bewaeltigen hatte. Die Sonne brannte gnadenlos auf mein neuerdings in Cowboymanier behuetetes Haupt und die Luft war zum Schneiden. Unser Guide ermahnte uns staendig, genuegend zu trinken, weil wir sonst ganz schnell eines Hitzetodes sterben koennten. Zu solch einer Dramatik ist es zum Glueck nicht gekommen, aber nachdem wir erzaehlt bekommen haben, dass letzte Woche eine japanische Touristin bei der Besteigung (die man uebrigens tunlichst unterlassen sollte!) des Ulurus aufgrund eines Herzinfarktes gestorben sei, hielten wir uns natuerlich an die Trinkvorgaben. Doch trotzdem waren am Ende der Tour einige Leute leicht gehydriert. Das zeigte uns allen, dass man der Natur in diesem Gebiet trotz aller Errungenschaften der Zivilisation doch sehr grossen Respekt zollen muss!

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Hungrig wie unsere Reisegruppe nach diesen Anstrengungen war, fuhren wir zum Sonnenuntergang zu einem Punkt, von dem aus wir die beruehmte Postkartenansicht des Ulurus bestaunen konnten, um dabei unser asiatisch angehauchtes Abendessen zu uns zu nehmen. Die Gaensehaut erzeugende Kulisse wird mich dieses Abendessen so schnell nicht vergessen lassen.

 Anders als erwartet, uebernachteten wir nach diesem Tag zwar in Outdoorschlafsaecken unter freiem Sternenhimmel, doch nicht in der Wildnis, sondern auf einem Campingplatz, was dem Reiz dieses Erlebnisses jedoch keinen Abbruch tat. Immerhin konnten wir die Sanitaeranlagen des Platzes nutzen und mussten den naechsten Tag nicht stinkend antreten.

Diesen starteten wir im Uebrigen an derselben Stelle, wie wir den davor beendet  hatten – mit dem Blick auf den Uluru. Die aufgehende Sonne hat den Monolithen in ein schattiges Gebilde verwandelt und es schien, als ob sich der grosse Stein bewegen wuerde.

Der zweite Tag stand im Zeichen der Olgas respektive Kata Tjuta, wie die Bergkette jetzt (wieder) genannt wird, zu der wir wieder ueber einen der einsamen Wuestenhighways fuhren. Unterwegs sahen wir am Strassenrand eine wilde Kamelkolonie. Kamele? In Australien? Richtig gelesen. Die wurden hier im neunzehnten Jahrhundert zu Eroberungszwecken des Outbacks eingefuehrt (Pferde hielten die Hitze nicht aus) und nach getaner Arbeit in die Wildnis gelassen. Da die Kamele hier von keinen natuerlichen Feinden gefaehrdet sind, konnten sie sich seitdem fleissig vermehren und das Outback fuer sich erorbern.

Kata Tjuta, das wir anschliessend erklommen haben, beeindruckte mich sogar noch mehr als der Uluru. Es hat wirklich Spass gemacht diese roten Gesteinsformationen zu erklimmen, sich durch Felsspalten zu zwaengen und hinter jeder Ecke auf eine unerwartet gruene Vegetation, die sich in weitlaeufigen Ebenen zwischen den Huegeln ausbreitete, zu stossen. Nach dieser ueberraschend spektakulaeren Expedition fuhren wir zur Kings Creek Station, wo wir die Nacht verbringen wuerden. Unterwegs sammelten wir im Busch am Strassenrand Feuerholz fuer das abendliche Lagerfeuer, das wir geplant hatten. Das Sammeln des Holzes kann sich unter Umstaenden als etwas gefaehrlich herausstellen, denn unter jedem Zweig koennen sich hier hochgiftige Schlangen, Spinnen und sonstige, womoeglich noch unbekannte Gefahren, befinden. Gut, ganz so dramatisch war die Aktion nicht, jedoch ziemlich dornig, stachelig und staubig.

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Etwas geraedert von der Hitze, war ich dann froh, in der Station in den Pool springen zu koennen. Welch erfrischende Wohltat mitten in der Wueste! Wasser sparen muss man in dem Gebiet, in dem wir uns bewegten, nicht wirklich. Unterirdische Wasserlaeufe versorgen die Menschen mit soviel Wasser, dass ich kein schlechtes Gewissen bei einem Sprung in den Pool haben musste. Dank dieser Wasserquellen, die sich hier aufgrund der Great Dividing Range unter der Erde befinden, ist dieses Gebiet uebrigens eines der wenigen in Australien, das keinen Wasserrestriktionen unterliegt!

Nach dem Abendessen, das aus Chili con carne aus dem Wok bestand, gab es sozusagen als Dessert „Rootail“ – Kaenguruhschwanz! In der Glut des Lagefeuers bereitete unser Tourguide diese australische Delikatesse zu, was eine recht stinkige Angelegenheit gewesen ist, als das Kaenguruhfell verbrannte. Es roch wie beim Huehnchenrupfen! Zum Glueck schmeckte das Fleisch des Schwanzes einfach nur nach zartem Kaenguruhfleisch, welches ich hier in Australien zu schaetzen gelernt habe. Es ist uebrigens eine der gesuendesten Fleischsorten, die es gibt (gesuender als Rind oder Schwein); fett- und cholesterinarm, dazu noch lecker – was will man mehr?

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Gesaettigt und gluecklich ueber den bisherigen Tourverlauf, entschlummerte ich in meinem „Swag“ (der auf einem Ameisenhaufen lag) unter freiem Sternenhimmel und freute mich auf den naechsten Tag, der uns zum Kings Canyon fuehren sollte.

Wie der Name es schon andeutet, erwartete uns ein bergiges Gebiet roten Felsgesteins, das sich im Laufe von Millionen Jahren zu einer spektakulaeren, mondartigen Landschaft auspraegte. Unsere Wanderung fuehrte uns am fruehen Morgen, als es noch kuehl war, zuerst auf den ‘Heart-Attack-Hill’. Dies ist eine steile, stufige Felswand, an der sich dem Namen nach schon manches menschliches Schicksal entschieden haben muss. Man moechte gar nicht wissen, wieviele an Bluthochdruck leidende Buerohengste dort schon ihr Gleichgewicht verloren haben. Es gab ueberall Warnschilder, die einen auf diese Moeglichkeit des fruehzeitigen Ablebens hingewiesen haben.

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Da unsere Reisegruppe allerdings aus jungen, vitalen Leuten bestand, kamen wir unbeschadet auf der Spitze an, um dann weiter auf dem Gebirgskamm entlangzuwandern. Die Ausblicke von diesen in Schichten zusammengepressten Gesteinsbloecken waren schier unendlich spektakulaer und nur vom weiten Horizont begrenzt. Ich wunderte mich etwas ueber das Bild, das sich mir bot, weil ich solch eine Landschaft nicht auf dem Planeten Erde erwartete, sondern eher auf dem Mars. Die sproede Schoenheit dieser kargen und gleichzeitig vielfaeltigen Landschaft liess diesen Ausflug zum Kings Canyon zu meinem persoenlichen Highlight werden. Erst recht, als wir an eine Stelle zwischen den Felsen gelangten, in der ein Mikroklima herrscht und die sich ‘Garden of Eden’ nennt. Ich blickte auf eine gruene, erfrischende Oase paradiesischen Ausmasses, die so unwirklich schien, dass ich erst dann daran glaubte, als ich meine Fuesse ins kuehlende Nass des vom Grundwasser gespeisten Wasserloches tauchte. Es war einfach nur zum Geniessen und ich grinste innerlich apathisch vor mich hin. Irgendwann wurde ich von meinen Mitreisenden aus meinem Tagtraum geweckt und nachdem ich mich so wunderbar erholt hatte, war ich auch wieder bereit, mich auf den Rueckweg durch diese gluehende, unwirtliche Landschaft zu begeben.

Als der Tag sich seinem Ende zuneigte und wir uns auf der Rueckfahrt nach Alice Springs befanden, kamen wir unterwegs an einer Kamelfarm vorbei; natuerlich mit dem Hintergrund, die Kamele mal aus der Naehe zu betrachten. Sie hatten ein weiches Fell und schienen mir sanftmuetig und stur, wie ein Esel mit Hoeckern. Das Angebot eines Kamelritts schlug ich natuerlich auch nicht aus und so sass ich dann sozusagen zum Abschluss der Tour das erste Mal in meinem Leben auf einem Kamel! Es war ein holpriger, spassiger Ritt, der leider viel schnell vorbei war; doch man soll ja klein anfangen.

p1020481.jpgWieder in Alice Springs angekommen, hatten Anne und ich das Glueck im Unglueck, dass unser mieses Hostel ueberbucht war und wir ohne einen Cent mehr zu bezahlen in einem vernuenftigen Motel ungebracht wurden. Die Dusche nach drei Tagen Outback war wirklich eine Wohltat. Uebrigens bin ich hier unter die ganz harten Kerle gegangen und dursche nur noch eiskalt respektive so kalt, wie es nur moeglich ist. Dreht man naemlich hier einen Wasserhahn auf, kommt das Wasser nicht kalt herausgeflossen, was man ja noch nachvollziehen koennte, ist es in Deutschland im Sommer doch auch wesentlich waermer als im Winter. Hier jedoch ist es nicht nur lauwarm, sondern fast schon heiss!

 Abends nahm die ganze Reisegruppe noch an einem Abschiedsessen in einer Bar in Alice Springs teil, welches fuer manch eine Person in einem kleinen Biergelage endete. Fuer mich zum Glueck nicht, doch einen langen erholsamen Schlaf, den ich nach der Outbacktour brauechte, um mein Schlafdefizit auszugleichen, habe ich trotzdem nicht bekommen, weil der Abend noch sehr lang wurde. Es hat Spass gemacht, nochmals mit allen zusammenzusitzen und die letzten Tage revue passieren zu lassen.

Vielleicht lullt mich das Schaukeln des Flugzeuges ein, in das ich in drei Stunden steigen werde. Das Kapitel “Outback“ wird vorerst geschlossen, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich es bald wieder oeffnen werde. Doch nun geht es erstmal an die nicht ganz so hitzige Ostkueste Australiens. Und wenn uns die Wassermassen nicht den Weg versperren werden, treffen Anne und ich in anderhalb Wochen wieder in Sydney ein…

Auch darueber werde ich ausfuehrlich berichten. Seid jedoch nicht erstaunt, wenn ihr etwas laenger als sonst auf Neuigkeiten meines Abenteurerdaseins warten werdet; denn ohne regelmaessigen Internetzugang koennte sich das Blogschreiben etwas schwierig gestalten…

Bleibt am Ball!

Ps: www.therocktour.com.au – einfach unter ‘Photo gallery’ schauen und „The Rock Tour 12th January 2008″ anklicken! 

NACHTRAG: Fotos gibt es, sobald ich ein vernuenftiges Internetcafe gefunden haben werde… Das gestaltet sich naemlich etwas schwierig.





Zum Absch(l)uss freigegeben

10 01 2008

Yeah am Strand

Endlich ist es soweit, meine erste richtige Reise durch Australien steht unmittelbar bevor. Morgen in der Frueh, am 11.01.2008, geht mein Flieger nach Alice Springs, den ich mit Anne entern werde und in dem ich hoffentlich einen Fensterplatz in Beschlag nehmen werde koennen. Ich moechte naemlich unbedingt die unendlichen Weiten Australiens, dieses vor Hitze flirrende Wuestenmeer unter mir betrachten koennen. Es muss wohl ein atemberaubender Anblick sein, bis zum Horizont, so weit wie man schauen kann, nur roten Wuestensand zu sehen!

Das Reisefieber hat mich vollends gepackt. Australien ist ein weites Land und strotzt nur so vor krassen landschaftlichen Gegensaetzen und unberuehrten Plaetzen, die entdeckt werden moechten. Und damit fangen Anne und ich morgen an – zugegeben, unsere Route wird uns durch hoechst touristisches Gebiet fuehren, aber irgendwo muss man ja anfangen. Da wir beide noch ueberhaupt nicht aus Sydney herausgekommen sind, ist es besser, erstmal auf erschlossenem Terrain zu verbleiben.

Fruehstueck mit Champagner und Anne und Christiane

Die Rahmenbedingungen haben wir in den letzten Tagen gesteckt. Unstet und spontan wie das Backpackerleben ist, haben wir alles recht kurzfristig geplant. Nun sind die Uebernachtungen in den Hostels in Alice Springs und Cairns gebucht und unser Reisemobil wartet bezahlt und reserviert in Cairns. ‚Mobil‘? Richtig gelesen, wir mieten uns einen Campingwagen und fahren damit die Ostkueste Australiens ab. Und der Camper ist nicht ein profaner 08/15-Camper wie man ihn auch in Holland finden koennte, sondern ein durchgeknalltes Hippie-Gefaehrt von wickedcampers. Jedes dieser Gefaehrte ist quietschbunt bemalt, teilweise mit schraegen Motiven wie Elton John oder  Homer von den Simpsons oder Elvis oder… egal, jedenfalls ein abgefahrenes Unikat. Bemalt werden die Wagen von Backpackern, unter denen sich diese Autovermietung uebrigens eines gewissen Kultstatus erfreut. Es sind auch, glaube ich, nur solche durchgeknallten Rucksacktouristen dazu bereit, sich in einem Vehikel eines Alters von bis zu anderthalb Dekaden auf den Weg durch Australien zu machen. Aber keine Sorge, wir sind versichert und es gibt einen Pannennotrufservice, der im Preis mit inbegriffen ist. Ausserdem sind wir jung, vital und leidensfaehig…

Sapphire Princess

Den heutigen – im Ubrigen letzten Tag in meiner derzeitigen Wohnung – habe ich mit Aufraeumen, Sortieren und Ausmisten und ordnen der Fisimatente, die sich im Laufe der drei Monate kummuliert haben, verbracht. Die letzte Waesche ist gewaschen, der Rucksack zum Packen vorbereitet und alles noetige fuer die Reise zurechtgelegt. Zwischendurch war ich noch mit der Loesung einer Krisensituation beschaeftigt, denn ploetzlich hiess es seitens der Autovermietung, dass das von uns angeforderte Fahrzeug nicht erhaeltlich fuer eine solch ‚kurze‘ Mietdauer von zehn Tagen sei. Nach einigem Hin und Her, heissen Telefonaten, hektischen E-Mail-Korrespondenzen und einer panischen Suche nach einem anderen Gefaehrt, hat sich im Endeffekt doch alles klaeren lassen und ist beim alten geblieben. Puh.

Somit kann die Reise morgen definitiv entspannt angetreten werden; das Taxi zum Flughafen ist auch schon gebucht.

Apropos: Ich habe heute nicht nur einen schnoeden weissen Ford Falcon gebucht, sondern etwas viel exotischeres.

Feiner weisser Sandstrand, der unter den Fuessen sanft nachgibt, kristallklares Meereswasser und eine exotische Vegetation, eingebettet in einer traumhaft schoenen und aufregenden Landschaft, wie in einem maerchenhaften Diorama – wonach hoert sich das wohl an?

I have a dream

Ich verrate es euch. Es ist der Ort, an dem ich Anfang Mai von Sydney aus eintrudeln werde: Die Suedseeinsel Tahiti! Mitten im Suedpazifik gelegen und zu Franzoesisch Polynesien gehoerend, ist Tahiti der Inbegriff paradiesischer Zustaende, von denen schon vor Jahrhunderten Menschen fantasiert haben. Diesen sagenumwobenen Ruf konnte sich diese winzige Inselgruppe bis heute bewahren, trotz aller ‚Globalisierung‘. Es ist immer noch nicht sonderlich einfach und billig, dort hinzugelangen und vor allem letzteres fuehrt dazu, dass die Inseln nicht von der Krankheit Massentourismus befallen worden sind. Zu den wenigen Privilegierten, fuer die die Legende ‚Suedsee‘ wahr wird, stosse ich eben bald hinzu. Nicht, dass ich den australischen Lotto-Jackpot geknackt haette, nein, nein. Ich habe nur Wege gefunden, wie man sich einen solchen Ausflug relativ preiswert gestalten kann. Ausserdem werde ich hier in Australien weiterhin fleissig arbeiten um ueber die Runden zu kommen und mir relaxte zwei Wochen auf Tahiti, Bora Bora und vielleicht noch anderen Inselchen goennen zu koennen.

Es war ein langegehegter Traum meiner, diese Reise ins Paradies zu unternehmen und nun wird er Wirklichkeit werden! Ich habe zwar nicht vor dort ansaessig zu werden wie Herman Melville, der Autor von ‚Moby Dick‘; und erst recht nicht dort zu sterben, wie Paul Gauguin oder Jacques Brel, deren Graeber auf den Marquesas zu finden sind. Doch wer weiss wohin mich der Zauber dieser kleinen Eilande treiben wird…

Ich werde davon jedenfalls ausfuehrlich berichten. Erstmal werde ich mich aber von Australien und seinen spektakulaeren Landschaften verzaubern lassen. Unter der Bedingung natuerlich, dass Anne und ich keine Autopanne mitten im Outback erleiden und einsam in der sengenden Hitze eingehen… Wir sind aber mehr als zuversichtlich, heilen Wesens zurueckzukommen und von aufregenden Erlebnissen berichten zu koennen.  

Seid gespannt… ich bin es sehr!





Aschenputtel und der grosse Knall

4 01 2008

Ich und Champagner

Was assoziiert man in der Regel zuerst mit Aschenputtel? Genau, den verlorenen Schuh. Und ausgerechnet das ist mir am Silvesterabend passiert: Ich habe einen Schuh verloren! Das erste Mal in meinem Leben und hoffentlich auch das letzte. Ich kann gar nicht sagen, wann genau sich dieser Vorfall zugetragen hat, doch es muss nach der Arbeit gewesen sein, als ich meine Schuhe gewechselt habe und meine Arbeitsschuhe eigentlich in meiner Tasche verstaut hatte. Nun denn, vielleicht sollte ich es auch einfach als Zeichen betrachten, dass ich nicht wieder in dem Restaurant arbeiten sollte. Es war ja eh mein letzter Arbeitstag und eigentlich brauche ich die Schuhe nicht mehr, auch wenn ich sie noch zumanstehenden Hochzeitsbesuch gerne getragen haette, denn ich habe sonst keine anderen schwarzen Schuhe mit. Fuer meine Reise bedeutet das allerdings weniger Ballast und somit weniger Schlepperei.

In den Stunden vor dem grossen Knall herrschte sowohl zu Lande als auch auf dem Wasser der Ausnahmezustand. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wie ich zur Arbeit kommen solle, da diese ja direkt an der Harbour Bridge liegt. Doch es war nicht so schlimm wie befuerchtet.

Sanduhr

Die Stadt Sydney hat ihre Buerger und Besucher aus aller Welt in den Tagen vor Silvester eingehend auf den Jahresumschwung vorbereitet. Ueberall gab es Broschueren und Aushaenge, die einem sagten, welche Strassen wann abgesperrt werden wuerden, wie die Sache mit dem oeffentlichen Nahverkehr funktionieren wuerde und welche Regeln man beachten sollte, wenn man sich in die abgesperrten Zonen vorwagte. Abgesperrtes Areal? Richtig, die ganze Hafengegend, von der aus man den besten Blick auf das groesste Feuerwerk der Welt hatte, war abgesperrt. Massen von Menschen bewegten sich am 31. Dezember gen Hafen und diese Massen mussten ja irgendwie unter Kontrolle gehalten werden. Jeder, der durch die Barrikaden wollte, musste seine Taschen vorzeigen und deklarieren, dass er keinen Alkohol und keine Glasgefaesse dabei hatte. Die Stadt Sydney wird schon wissen, wieso sie das macht… Es muss in der Vergangenheit wohl unschoene Vorfaelle mit feierwuetigen, betrunkenen Leuten gegeben haben.

Mein Weg zur Arbeit lag uebrigens in der abgesperrten Zone und so hatte ich die Gelegenheit, nebenbei das rege Treiben mitzuerleben. Wie man sich vorstellen kann, wuerde natuerlich jeder am liebsten in der ‚ersten Reihe‘ stehen, um das Feuerwerk zu bestaunen. Und so machten sich schon in den Mittagsstunden Massen von Menschen auf den Weg zum Hafen, um mit Freunden dem grossen Ereignis entgegenzufiebern. Die meisten breiteten sich auf den Wiesen um den Hafen aus, mit allem noetigen Inventar, um es Stunden in bruetender Hitze auszuhalten. Das Ganze wirkte wie ein kollektives Picknick. Die Leute lagen auf Decken, sassen auf Klappstuehlen und hatten mitunter sogar Strandmuscheln oder kleine Iglu-Zelte aufgebaut, in denen sie wohl ungestoert Mittagsschlaefchen halten wollten. Wer kein Vermoegen an den Imbissbudenstaenden verlieren wollte, brachte auch allerlei Essen mit, wie zum Beispiel meine Freunde Anna und Christiane, die mit ein paar Leuten aus dem Hostel die Stunden im botanischen Garten ausharrten.

Meute wartet…

Es ist lustig und verrueckt, wenn man sich vor Augen haelt, was fuer einen Aufwand die Leute betreiben, um einen guten Blick auf ein paar Minuten Feuerwerk zu erhaschen. Aber das ganze hat schon Festival-Charakter und am Ende steht wohl viel mehr das gemeinsame Feiern und Spasshaben im Vordergrund, als der eigentliche Ausloeser fuer den Anlass. Ich habe zwar nicht an diesem kollektiven Ausflug ins Gruene mitmachen koennen, doch trotzdem bin ich feucht-froehlich und in ausgelassener Gesellschaft ins neue Jahr gestartet.

Auf der Arbeit hatten wir die Gelegenheit, uns beide Feuerwerke in aller Ausfuehrlichkeit anzuschauen. Die Party, die wir bedient hatten, war naemlich nicht wirklich stressig. Champagner gab es auch zu Genuege und somit auch keinen Grund zur Klage. Uebrigens, falls ihr euch fragt warum ich ‚beide‘ Feuerwerke schreibe – um neun Uhr gab es ein ziemlich grosses und schoenes Familienfeuerwerk. Die sind hier so nett, dass sie fuer die Kleinen ein Extrafeuerwerk verfeuern. Dieses war uebrigens schon so beeidruckend, dass ich umso gespannter war auf’s Hauptfeuerwerk.

Waehrend der Arbeit konnte ich vom Restaurant aus beobachten, wie Schleppboote schwimmende Plattformen mit wahrscheinlich Tonnen von explosivem Material im Hafen in der Naehe der Harbour Bridge auf Anker legten. Der Grossteil der Feuerwerke wurde dann naemlich von diesen Plattformen aus abgeschossen. An der Harbour Bridge konnte man die Vorbereitungen auf das grosse Event schon Tage zuvor verfolgen. Dicke Kabelstraenge wurden verlegt und das explosive Material unter strengen Sicherheitsvorkehrungen an Position gebracht. Eine grosse leuchtende Sanduhr wurde an einer Seite der Bruecke angebracht, um den Countdown bis Mitternacht darzustellen.

Harbour Bridge mit Sanduhr

Die Schifffahrt boomte am Silvesterabend. Unzaehlige bunt beleuchtete Partyboote durchquerten den Hafen und fuhren unter der Bruecke hin und her. In der Nacht sah man nur die beleuchteten Umrisse der Partydampfer und es wirkte, als schwebten Geisterschiffe uebers Wasser. Viele der Boote, auf denen sich besser betuchte Leute vergnuegten (Tickets fuer die Boote kosteten mehr als eine Handvoll Hunderter), trugen in Leuchtschrift grosse Jahreszahlen, jedes Boot eine andere. Sie sollten wohl die voruebergezogenen Jahre symbolisieren.

Und tatsaechlich, der ganze Aufwand hat sich in meinen Augen (wortwoertlich) gelohnt. Das Feuerwerk war wirklich imposant. In beeindruckenden Farben und Formen prasselte eine Lichterflut auf mich nieder, die mich mit offenem Mund dastehen lassen hat. Ich bin aus dem Staunen kaum herausgekommen, staendig wurde ich auf’s neue von rhythmischen Explosionen am Nachthimmel in den Bann gezogen, wusste zeitweise gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Ein Lichtermeer, untermalt vom ununterbrochenen Schwirren und Sirren der Raketen, umgab mich und vereinnahmte meine ganze Aufmerksamkeit.

Begonnen hat das Hauptfeuerwerk um Punkt zwoelf an der Harbour Bridge, um kurz danach die Pflicht an das Feuerwerk abzugeben, das von den schwimmenden Plattformen aus abgeschossen wurde. Die Kuer zum Schluss hat dann wieder die Harbour Bridge uebernommen und das so ueberwaeltigend, dass sie alles davor nochmals getoppt hat und man befuerchten musste, dass die Bruecke unter diesen gewaltigen Explosionskraeften zusammenkrachen koennte.

Explosionen!

Insgesamt hat das Schauspiel ungefaehr dreizehn Minuten gedauert, wenn mich meine Uhr nicht getaeuscht hat. Das Warten hatte sich auf jeden Fall gelohnt und ich kann jedem nur empfehlen, Silvester, oder den ‚New Year’s Eve‘, wie dieser Tag hier genannt wird, mal in Sydney zu verbringen.  Die ersten zwei Tage des Jahres 2008 waren dann fuer mich etwas beschwerlich, weil ich nach einer Ueberdosis Champagner erstmal zu mir kommen musste. Doch nun bin ich genesen und mir geht es gut.

Ansonsten bin ich gerade im Reisefieber und freue mich schon wahnsinnig auf meine anstehende Tour mit Anne. Wir planen schon eifrig, was wir unbedingt sehen moechten und wie wir das alles abwickeln werden. Und was ich mit Anne nicht schaffen werde zu sehen, kann ich im Februar mit Hendrik nachholen, wenn er mich besuchen kommt.  

Ich bin auch froh, dass ich aus Sydney herauskommen werde, weil mittlerweile die Tage doch nur noch ‚Alltag‘ sind, wenn auch ein sehr schoener. Ein gewisser Trott hat sich eingeschlichen und aus diesem will ich jetzt heraus, so lange es noch schoen ist.  

Und wer weiss, vielleicht finde ich auf meinen Reisen doch noch meinen verlorenen Schuh. Dann waere eine durchgetanzte Nacht bei der griechischen Hochzeit Ende Januar sichergestellt. Ich werde den Schuh wohl weiterhin selbst suchen muessen, denn es ist doch eher unwahrscheinlich, dass irgendein Prinz vorbeikommt und… Ihr kennt die Geschichte ja.;-)  

Geisterschiffe

Ps: Heute wollte ich Karten kaufen fuer die Oper ‚La Boheme‘, die im Opera House aufgefuehrt wird – doch Pustekuchen: Sold out! *seufz*





Die Zeit, die sich beeilt*

31 12 2007

Strichliste

Nun neigt sich schon wieder ein Jahr seinem Ende entgegen und (fast) ein jeder wird wohl sagen: Das ist wieder schnell vergangen! Ja, so ist das mit der Zeit. Unaufhaltsam und unaufhoerlich rennt sie und es bedarf schon eines wachen Wesens, um mit ihr mitzuhalten.

Es gibt zum einen die Zeit, die sich mit einem selbst, in der Gegenwart, beeilt. Man rotiert durch die aktuellen Geschehnisse seines Lebens und gleitet auf den Wogen der Zeit dahin; manchmal von einem lauen, oftmals von einem stuermischen Wind getrieben. Doch man schreitet immer bewusst voran.

Zum anderen gibt es die Zeit, die scheinbar nur beim Blick auf die Uhr existiert. Der Alltag, mit seinem konstanten Wesen, weckt einen jeden Morgen auf und bringt jeden Abend die Nachtruhe. Die Zeit dazwischen kumuliert sich erst aus der Rueckschau heraus zu einem Ganzen. Diese Momentaufnahmen, die in unregelmaessigen Abstaenden hervorscheinen, geben einem das Gefuehl, neben der Zeit herzulaufen. Am Ende des Jahres trifft man sich in der Situation des hiesigen Namens ‚New Year’s Eve‘. Man betrachtet die Zeit, man blickt in sich selbst hinein und wenn das Licht hell genug scheint, kann man erkennen, welche Pinselstriche seinem eigenen imaginaeren Portrait auf der Leinwand hinzugefuegt wurden.  

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass die vagen Schemen meines Lebens einer Konturierung unterlegen sind und sichtbar an Gestalt gewonnen haben.  

Autoschieber

Mein Jahr hat eigentlich mit einem Ende angefangen. Die Beendigung meines Arbeitsverhaeltnisses war erstmal eine grosse Erleichterung fuer mich, ist die Arbeit doch immer mehr zu einem Stoerfaktor in meinem Leben mutiert, nachdem sie ihren Zweck erfuellt hatte. Irgendwann bekam ich naemlich das Gefuehl, dass bei mir innerlich nur noch Stillstand herrschte, bliebe ich noch laenger in der ‚Luft‘.

Dann kam die Zeit der Freude, Entspannung, der relativen Verantwortungslosigkeit und Geloestheit. Ich reiste viel herum, unternahm viel mit Freunden, genoss das Zusammensein mit der Familie. Ein grosses Abenteuer wartete auf mich, auf das ich sehr gespannt war. Meine Reise nach Australien kam immer naeher und schon waehrend der letzten Wochen, der Zeit der Abschiednahme von meinen Liebsten, merkte ich, dass dieses eine Jahr Abwesenheit von Zuhause mehr bedeutete, als ich mir bis dahin bewusst geworden war.

Ploetzlich vermisste ich meine Umwelt, die Personen und Persoenlichkeiten, die mich umgaben und die zurueckgelassen hatte, mehr als mir lieb war. Was ich hier in Australien anfangen sollte, wurde mir erst mit den truebsinnigen Tagen und Wochen bewusst, die hier vergingen. Ich war unausgeglichen, orientierungslos und musste jeden Tag mit mir selbst kaempfen, um hier nicht nur koerperlich, sondern auch geistig anzukommen. Dies hatte ich mir zum Ziel gesetzt, nachdem ich feststellen musste, dass der ganze Aufenthalt sonst ueberhaupt keinen Sinn machen wuerde.

Stuhlleere

Ich gewoehnte mich langsam aber stetig an meine neue Umgebung; lernte neue Menschen kennen, die mich beruehrten, ergriffen, losliessen und praegten. Ich gewann Freunde, musste gleichzeitig mit Merkwuerdigkeiten und schmerzhaften Erfahrungen fertig werden. Ich begann, meine Umwelt zu schaetzen, die Positivitaet zu sehen, die sich hinter allen Anstrengungen, Hindernissen und Widrigkeiten verbirgt. Am Ende ergibt alles einen Sinn.  

So hoffe ich, dass das neue Jahr genauso sinnreich weitergeht, wie das aktuelle aufhoert. Ich bin mir bewusst, dass auch in Zukunft nicht immer alles einfach wird, doch freue ich mich darauf, mich den Herausforderungen zu stellen.  

Um es ‚aussielike‘ auszudruecken:

Die Wellen meines Lebens werden sich wahrscheinlich noch manches Mal ueberschlagen, doch finde ich immer festeren Halt auf dem Surfbrett zu meinen Fuessen.  

Der Surfkurs – er bringt was!

Die Sonne – sie scheint!

*frei nach Easy Anne





Der heilige Abend und der X-Faktor

26 12 2007

Weihnachtskuchen

Der Abend des Jahres ist ueberstanden und ich kann nicht sagen, ob ‚leider‘ oder ‚zum Glueck‘. Es war ein nahezu abenteuerliches Erlebnis, diesen Abend hier in Sydney, auf eine sehr befremdliche Art und Weise, zu verbringen.

Angefangen hat es damit, dass ich Mittags in der Stadt unterwegs gewesen bin, um noch die letzten Zuege der vorweihnachtlichen Stimmung (i.e. Stress!) mitzubekommen und letzte Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Natuerlich hatte der Laden, wo ich ein paar Kleinigkeiten kaufen wollte, geschlossen als ich dort ankam, obwohl grossartig angekuendigt worden ist, QVB-Baumdass er noch fuer die Klientel, die auf den letzten Druecker Geschenke braucht, geoeffnet haben wird. Nun denn, ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen und habe einfach Plan B aus dem Aermel gezogen und bin woanders hingegangen, um spontan und improvisatorisch andere Warengueter zu erwerben. Zwischendurch habe ich noch letzte Fotos von den Weihnachtsdekorationen Sydneys geschossen, was ich eigentlich schon vor Tagen gemacht haben wollte. So gibt es hier ein ganz bekanntes Kaufhaus namens David Jones, das in seinem Anspruch mit Harrod’s oder den Galeries LaFayette vergleichbar ist (auch wenn es deren Status nicht erreicht), das ganz opulent eingerichtete Schaufenster besitzt. Dieses Jahr wurde unter Zuhilfenahme von etlichen Marionetten der Nussknacker nachgestellt, in jedem Schaufenster eine andere Szene. Leider musste ich feststellen, dass eben diese Fenster von Menschentrauben umringt waren und das Fotografieren sich dementsprechend schwierig gestaltete.  

Abends war ich mit Anne zum Weihnachtsessen verabredet, um anschliessend zur Anna und Christiane ins Hostel zu gehen, um uns durch ein ueppiges Schokoladenfondue zu schlemmen. Leider kam Annes Mitbewohnerin auf die Idee, kurz vor uns anzufangen zu kochen, obwohl sie das Essen erst fuer den naechsten Tag gebraucht hat und wir unsere Kuechenbesetzung im Vorhinein angekuendigt hatten. Da waren wohl irgendwelche trotzigen Rachegelueste mit im Spiel, nachdem schon seit Wochen eine sehr gespannte Stimmung zwischen der Mitbewohnerin und uns herrschte. Um was es genau geht, moechte ich hier jetzt nicht ausbreiten, jedenfalls haben wir uns unsere Stimmung nicht verderben lassen und haben einfach abgewartet.

Mit drei Stunden Verzoegerung stand dann irgendwann auch unser weihnachtliches Festmahl auf dem Tisch, welches dieses Jahr aus Burritos bestand. Ja, ja – es war aber lecker! Am Ende gab’s einen kleinen Bescherungsmoment und leicht gestresst und unter Zeitdruck mussten wir schnell ins Hostel, weil wir dummerweise die ganze Schokolade dabei hatten, die fuer das Schokofondue benoetigt wurde. Unsere Freunde warteten jedoch ganz geduldig auf uns.

Das Fondue war ganz lecker und danach war mir auch ziemlich schlecht, wobei letzteres nicht nur am Essen lag. Im Aufenthaltsraum des Hostels ging naemlich die Post ab. Groehlende Englaender(innen) und Kanadier belagerten einen Grossteil des Raumes und gaben lautstark Weihnachstlieder von sich. Teilweise in Tonlagen, die mir bislang unbekannt waren und in einer Lautstaerke, die einen startenden Jumbojet locker uebertraf.Irgendwann hatten wir genug davon und machten uns auf den Weg zu einer Mitternachtsmesse, die wir eigentlich in der grossen St Mary’s Kirche besuchen wollten. In meinem Kopf schwirrten naemlich solche Gedanken, dass das ganze Weihnachtsbrimborium urspruenglich ja aus rein religioesen Gruenden stattfindet; daher beschlossen wir, eine Kirchenmesse zu besuchen, zum grossen Teil auch deswegen, weil wir sehen wollten, wie so etwas in Australien zelebriert wird.

Bescherung

Auf dem Weg zu unserer urspruenglich avisierten Kirche sind wir jedoch nicht weit gekommen, denn kurz nachdem wir aufgebrochen waren kam uns eine Prozession entgegen, die uns quasi auf der Stelle missioniert hat. Wir folgten dem Zug der Glaeubigen, der uns in eine Kirche um die  Ecke fuehrte. Das war uebrigens ein aeusserst seltsames Schauspiel, weil sich die Prozession durch eine betrunkene Partymeute zwaengen musste, die vor einer Bar auf den Zutritt gewartet hatte. Auch der Prozessionszug an sich wirkte sehr eigenartig. Angefuehrt von einem Jugendlichen, der fast wie in Trance mit dieser Weihrauchschleuder vor sich hin wedelte, gefolgt von alten Kreuztraegern, einer humpelnden Frau und abgeschlossen von drei alten Herren in goldenen Gewaendern mit schwarzen Hueten auf den Koepfen. Diese merkwuerdigen Gestalten wirkten sehr beschwoerungsmaessig und besassen eine Aura des Unheimlichen.

Die Messe an sich wurde mit ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘ eingeleitet, vorgetragen von einem talentierten Chor, der die ganze Messe ueber zu schoenem Orgelspiel sein Bestes gegeben hat. Allein deswegen hat sich der Besuch schon gelohnt. Da ich an der Thematik der Messe nicht wirklich interessiert gewesen bin, hatte ich waehrend der zwei Stunden genuegend Zeit, die Menschen um mich herum zu beobachten, was sehr vergnueglich war und mich zeitweise sogar aus meiner doesigen Stimmung zu reissen vermochte. Viele der Personen schienen keine regelmaessigen Kirchengaenger zu sein und liessen sich von jedem Geraeusch um sie ablenken und verrenkten ueberaus interessiert ihre Koepfe in alle moeglichen Richtungen – nur nicht nach vorne, wo eigentlich der Hauptfokus des Abends liegen sollte.

Prozession

Ueberhaupt war die Messe sehr unterhaltsam, auch wenn es nicht ihrer selbst wegen gewesen ist.

Nach dem Ende dieses merkwuerdigen Schauspiels wollten wir nur noch nach Hause, weil wir sehr muede und vom Weihrauch leicht benebelt waren. Natuerlich musste es nach dem Verlassen der Kirche auch prompt anfangen in Stroemen zu regnen, was uns dazu veranlasste, mit dem Taxi abzuduesen.  

Der erste Weihnachtstag war dagegen umso unspektakulaerer. Anne kam bei mir zu Besuch und wir verbrachten fast den ganzen trueben Tag in meinen bescheidenen vier Waenden. Das Wetter war schlecht und aus unserem geplanten Strandausflug wurde nichts.

Abends waren wir auf ein weihnachtsliches Barbecue bei der sydneyer Verwandtschaft einer wiener Freundin eingeladen. Als wir dort ankamen, war die Party allerdings schon fast vorbei und alle, einschliesslich der Eltern, waren – nach guter australischer Manier – schon ziemlich dicht, was die Party sehr droege wirken liess. So verliessen wir diese schon nach kurzer Zeit… Heute scheint die Sonne und es sieht so aus, als ob es endlich wahr werden wuerde – Weihnachten am Strand!

Mein Bus kommt gleich und Coogee Beach wartet auf mich. Vielleicht bekomme ich ja ein paar wellenreitende Weihnachtsmaenner zu sehen. Falls dem wirklich so geschehen sollte, dann werde ich auch davon ausfuehrlich berichten… Frohe Weihnachten!