Von nichts kommt nichts und von Luft kann man nicht Leben. So ist das. Zwar habe ich im Vorhinein Geld gespart, um mir den Aufenthalt hier in Australien entspannt gestalten zu koennen; aber irgendwann plagt einen das schlechte Gewissen, wenn man so herumhockt und nichts produktives unternimmt, sprich, Geld verdient. Zumal ein Hostel voller Deutscher nicht unbedingt die guenstigste Umgebung zum Verbessern meiner Englisch-Sprachkenntnisse war… So habe ich dann irgendwann mal die Initiative ergriffen und angefangen, Ausschau nach Jobs zu halten. Das ist dabei bisher herausgekommen:
Am schwarzen Jobbrett im Hostel habe ich eines Tages einen Aushang entdeckt, der besagte, dass ein Reisebuero um die Ecke jemandem zum Flyerverteilen suchte. Ich mich also nach dem Fruehstueck auf den Weg um die Ecke gemacht und schon durfte ich Flyer verteilen. Es ist nichts offizielles gewesen und das Geld habe ich bar auf die Hand ausbezahlt bekommen und es war sogar relativ „gutes“ seiner Art. Allerdings ist der Job irgendwann echt droege und reizarm und man sagt zweihundert Mal am Tag den selben Spruch auf.
Fazit:
Ab und zu mache ich es immer noch. Freizeitbeschaeftigung auf andere Art. Ich sitze jedenfalls nicht faul herum und werde dick, sondern kann frisch versmogte Sydneyer Luft atmen.
Truck driving. Yeah, dachte ich mir, was gibt es besseres, als den ganzen Tag mit einem Auto herumzufahren und Geld dafuer zu bekommen? Eben. Aber Pustekuchen. Das lief ueber eine Jobvermittlungsagentur, was eigentlich nichts schlechtes zu bedeuten hat. Man muss sich nie selbst um einen bestimmten Job kuemmern sondern bekommt alles sozusagen frei Haus. Nur leider wusste die Agentur wohl nicht wirklich, was sie da vermittelt. Ich durfte als Umzugshelfer Bueromoebel umherschleppen und in den Lkw verladen. Mit Fahrerei war da nicht viel; ich bin im Endeffekt morgens hin- und abends zurueckgefahren.
Fazit:
Zwei Mal habe ich mich zum Umzugsaffen gemacht, danach habe ich die Anrufe der Agentur ignoriert. Ausserdem haette ich den Lkw mit meinem Fuehrerschein eigentlich gar nicht fahren duerfen. Ein zulaessiges Gesamtgewicht von 4,5 Tonnen bedeutet eine Tonne zuviel. Trotzdem habe ich jede Fahrt genossen; Lkw mit Schaltgetriebe auf der linken Strassenseite zu fahren ist schon ein Erlebnis!
Der Name sagt schon alles. Tatsaechlich habe ich in einem Keller gearbeitet, naemlich dem des Queen Victoria Buildings im Zentrum Sydneys. Eigentlich sollte ich auch bei diesem Job als Fahrer taetig sein, doch wieder war der Job nicht so, wie angepriesen. Als ich anfing, brauchte man mich als Fahrer eigentlich gar nicht und so durfte ich als Verkaeufer in einer der Filialen anfangen. Das Angebot der Laeden ist vergleichbar mit unserem NanuNana, nur mit mehr Kuechen-/Haushaltswaren. Also keine prickelnde Umgebung zum arbeiten. Nach vier Tagen hatte ich die Schnauze voll (vor allem voller Staub) und mit dem Gefuehl des Betrogen-worden-seins habe ich den Job einfach gekuendigt.
Fazit:
Schon wieder kein Verlass auf eine Jobbeschreibung. Ausserdem ist die ganze Unternehmensstruktur sehr chaotisch. Keiner weiss, was der andere macht und ein elektronisches Bestellsystem fuer die Ware gibt es auch nicht. Der Lagerchef geht jeden Tag durchs Lager und schickt einfach nach Gutduenken irgendwelche Ware in die Laeden, ohne allerdings zu wissen, was diese wirklich brauchen respektive verkauft haben! Alles klar?!
Der aktuelle und letzte Job, den ich angefangen habe und eigentlich auch das Letzte, was ich je machen wollte: Kellnern. Aber wie das Leben so spielt, es kommt immer anders als erwartet. Eine Freundin arbeitet schon seitdem sie hier angekommen ist in diesem Restaurant und hatte mir Anfang November erzeahlt, dass es fuer die Weihnachtssaison noch sogenannte ‚Runner‘ braucht, also Leute, die einfach Essen austragen und sonst Maedchen fuer alles spielen. Doch natuerlich traf auch diese Jobbeschreibung nicht ganz zu. Im Moment bin ich auf dem besten Wege, ein vollwertiger, professioneller Kellner zu werden. Das ist ganz schoen stressig und anstrengend, man ist die ganze Zeit auf den Beinen und laeuft sich die Fuesse platt. Und wenn man der „Neue“ ist, darf man auch manchmal als Frustrationsabladestelle fuer’s Management herhalten. Aber schwamm drueber. Die Arbeitsumgebung ist ganz nett, mit Blick auf die Harbour Bridge und das Geld, das man verdient, kann sich wirklich sehen lassen.
Fazit:
Ich bin kaeuflich. Der Job stresst mich koerperlich und psychisch, doch mit einem bestimmten Ziel vor Augen (Reisen im naechsten Jahr) ist alles zu ertragen. Zudem weiss ich, dass ich nicht wirlich abhaengig bin von dieser Arbeitsstelle und nur noch bis Weihnachten durchhalten muss, juhu!
UPDATE: Am 31.12.2007 hatte ich meinen letzten Arbeitstag in dem Laden. Bezahltes Feuerwerksgucken, ist doch auch mal was. Ich bin froh, dass ich diese Profilneurotiker und Wichtigtuer nicht mehr werde sehen muessen!
Hier habe ich Container ausgeladen. Ein Mann, der neuseelaendische Suessigkeiten vertreibt, hatte in meinem Hostel einen Aushang ausgehaengt, der einen sehr guten Stundenlohn und relativ einfache Arbeit versprach. Ware (Softdrinks, Schokoriegel, Chips, usw.) aus dem Container auf einen Trolley laden und in eines von zwei Warenlagern karren. Dort natuerlich in ganz australischer Manier nicht auf Paletten stapeln, sondern auf dem Boden, damit man die Sachen bei der naechsten Warenanlieferung wieder muehselig manuell verschieben kann. Arbeitsbeschaffungsmassnahme hoch drei.
Fazit:
Den Job habe ich bislang zwei Mal gemacht, die Container kommen naemlich nur etwa alle sechs Wochen aus Uebersee an. Der Job ist wirklich einfach, nur der Chef ist manchmal etwas grantig. Bislang sind wir immer drei Jungs gewesen. Nach fuenf Stunden war die Sache erledigt und ich hatte soviel Geld verdient, wie normalerweise bei einem gewoehnlichen Job nach einem ganzen Tag.
Es sollte Arbeit fuer zwei bis drei Tage sein - am Ende hatte ich eine 43-Stunden-Woche auf der Baustelle hinter mich gebracht. Leon (John-Goodman-Typ) und ich haben gemeinsam eine freistehende Doppelgarage und ein Haus aus den 40er Jahren abgerissen. Nun ja, nicht vollstaendig - unsere Aufgabe war es, alles, was nicht aus Stein oder Beton bestand, vom Haus zu entfernen. Am ersten Tag schafften wir die Garage. Fenster, Tueren, Garagentor waren zuerst dran. Moebel, alte Chemikalien, Teppichboeden, Holzgebaelk mussten aus dem Garagenkeller beseitigt werden. Am Ende waren Dachziegel samt Dachkonstruktion dran. Kettensaege, ahoi!
Die naechsten Tage ueber waren wir mit dem Haus beschaeftigt. Hier mussten erstmal alle uebriggebliebenen “Innereien” entfernt werden. Drei Einbauschraenke, hundert Quadratmeter Teppichboeden, Kuechenmoebel, Badmoebel, Wohnzimmerschrankwand - alles durfte ich in Kleinteile hacken. Dann waren Tuerzargen, massive Fussleisten, ein paar Fenster (teilweise von Termiten und Ameisen verseucht) und Gipsdecken an der Reihe. Isoliermaterial: Asbestfaserplatten. Am Ende war wieder das Dach samt Holzkonstruktion dran. Nach fuenf Tagen hatten wir es geschafft.
Fazit:
Am ersten Tag habe ich mir direkt den linken Mittelfinger im Garagentor geklemmt - Blut floss. Eine hilfsbereite Multimillionaerin (an multipler Sklerose erkrankt) hat mir Betaisodona und ein Pflaster spendiert. Auch bin ich gegen eine Metalllatte gelaufen und hatte ein paar Tage lang eine Beule auf der Stirn. Leon lief gegen dieselbe Latte (Blut floss). In den naechsten Tagen hatte ich mir noch rostige Naegel in die Wade und Ferse gerammt, habe mir blaue Flecken ueberall zugezogen und jeden Tag neue blutige Schrammen. Am letzten Tag musste ich natuerlich noch ruecklings auf Sandsteinkloetze umfallen, als meine Brechstange ploeztlich aus ihrer Position rutschte. Folge: Rueckenschmerzen, Wunden und so etwas wie ein geprelltes Steissbein.
Ich bin noch nie im Leben so unglaublich dreckig gewesen, wie bei diesem Job am Ende des Tages. Staub, Schlamm, Holzspaene, alles klebte ueberall an mir. Im Gesicht war ich immer schwarz wie ein Schornsteinfeger. Unter der Dusche musste ich mich immer drei Mal einseifen, damit auch wirklich alles abging. Mancher Dreck hatte sich an manchen Stellen des Koerpers aber zu sehr eingefressen. Mittlerweile ist er aber auch weg.
Das Fitnessstudio fuer die Woche konnte ich mir sparen. Meine Muskeln aechzten die ersten zwei Tage lang, danach gewoehnten sie sich an den Job. Aufgrund mangelnder Regenerationsphasen hatte ich am Ende der Woche allerdings keine Kraft mehr.
Beim Entfernen der Dachkonsktruktionen stand ich wie ein Dachdecker auf den Daechern und habe Dachziegel ueber grosse Distanzen durch die Gegend geworfen - das war spektakulaer! Nach hunderten von durch die Luft geschleuderten kiloschweren Dachziegeln stoehnte ich irgendwann wie diese Tennisspieler im Fernsehen. Ich konnte einfach nicht anders und es betaeubte die Schmerzen fuer den Moment.
Und: Ich habe noch nie im Leben soviel Corned Beef gegessen wie im Laufe dieser Woche. Was sagt Trucker Ben von der Coles-Corned-Beef-Dose so schoen? “For real blokes like me!”
Blokes wie Ben gehen wahrscheinlich auch mit einer Brechzange ins Bett, um mit ihr zu kuscheln. Ich war allerdings froh, als ich diese nicht mehr in den Haenden halten musste.
Was habe ich nun von dem Job gehabt? Viel Erfahrung, wenig Geld. Nie wieder.
7. Lonsdale
Man nehme eine Portion Glück, eine Prise Zufall, etwas Vitamin B und schon hat man einen gutbezahlten Job in Alexandria. Meine Aufgabe bestand darin, in einem Lonsdale-Lagerhaus Kleidungsstücke aus Kartons, welche aus den Produktionsstätten in China nach Sydney kamen, auszupacken und nach Bestelllisten für Geschäfte in ganz Australien wieder zusammenzupacken. Zwischendurch musste etwas Ordnung im Lager geschaffen werden.
Fazit:
Entspannung pur. Wäre die etwas cholerische Chefin nicht gewesen, hätte man den Job wirklich chillig angehen können, aber nun denn, wozu ist eine Chefin da? Zum herumkommandieren. Und das war auch nötig bei der wild zusammengewürfelten Meute der Lagerarbeiter, die aus den verschiedensten Ecken der Welt kamen und sich Backpacker und Austauschstudenten nannten. Letztere kamen vor allem aus Brasilien, die Backpacker wiederum aus Deutschland, Polen, Japan, Frankreich, Italien, Korea, etc.. Entsprechend lustig ging es zu. Soviele demotivierte Menschen habe ich auf einem Haufen noch nicht gesehen, doch erstaunlicherweise ging die Arbeit doch immer irgendwie voran.
Genau fünf Wochen war ich in diesem Lagerhaus beschäftigt, d.h. zwischen Ostern und meiner Reise nach Tahiti. Die Arbeit an sich war wirklich easy. Auspacken, picken, einpacken. Zwischendurch Schwätzchen halten, Klamotten anprobieren, herumalbern und dafür dann gut bezahlt werden - was will man mehr? Das einzig wirklich grausame an dem Job Waren die Kleidungsstücke an sich - grottenhässlich!
8. “Ticketmaster” impersonated by Stuart
Zwei Wochen lang habe ich im teuersten Hostel Sydneys gewohnt - im YHA Sydney Central. Während dieser Zeit war ich auf Jobsuche und habe jeden Tag die Jobdesks mehrmals gecheckt (auch die der Hostels in der Umgebung). Eines Tages fand ich den Aushang eines gewissen Stuart, der jemanden für eine zweistündige Computerarbeit brauchte. Es hörte sich angenehm und unkompliziert an und zu der Zeit konnte ich wirklich jeden Cent gebrauchen. Mein Job bestand erstmal darin, noch mehr Flyer in den Hostels zu verteilen, weil Stuart noch mehr Leute für den Computerjob brauchte. Mein Hauptverteilungsgebiet war Kings Cross, wo ich alle schäbigen (!) Hostels abklapperte und so die Gegend (Rotlichtviertel) nochmals näher kennenlernen durfte. Die Computerarbeit bestand darin, dass fünfzehn Backpacker in einem Internetcafe auf der Liverpool St zur selben Zeit auf einer offiziellen Ticketverkaufsseite auf ein Mal anfingen Tickets für ein bestimmtes Event (AFL-Spiele oder André-Rieu-Konzerte) zu kaufen.
Das nächste Event, für das Stuart Tickets brauchte, waren Celine-Dion-Konzerte. Diesmal bestand meine Aufgabe darin, allen hochrangigen und -preisigen Hotels einen Besuch abzustatten und den jeweiligen Concierges Stuarts verlockendes Ticketangebot zu unterbreiten und dafür zu werben. Und Sydney hat eine Menge wunderschöner, fantastischer Hotels, die ich bei Gelegenheit von den Lobbies aus begutachten konnte.
Fazit:
Ticketmafia. Irgendetwas in der Art muss es gewesen sein. Stuart brauchte die Tickets, um sie anschließend gewinnbringend wieder zu verscherbeln, wobei er nicht alleine agierte. Bei jeder Aktion stand ihm der Schweiss auf der Stirn, er schien nervös zu sein und unter hohem Druck zu stehen. Wahrscheinlich hatte er ‘von oben’ Diktate erhalten.
Ich hatte bei ihm einen Stein im Brett, daher gab er mir die guten, verantwortungsreichen Jobs. Wenn wir, die jeweils zehn bis fünfzehn Backpacker uns auf verschiedene Internetcafes aufteilen mussten, damit die Tickets nicht von einer IP-Adresse gekauft wurden, übernahm ich die Leitung der jeweiligen Gruppe. Wir mussten uns immer erst mit den Eingabebefehlen in den Masken der Ticketseiten vertraut machen und sie auswendig einstudieren, um möglichst schnell nach dem Verkaufsstartschuss zu handeln. Meistens ging irgendwas bei den Aktionen schief. Sie waren nicht nur halbillegal, sondern auch halbgar und unausgebrütet. Dann wurde hektisch hin- und hertelefoniert, Passwörter wurden genannt, wieder widerrufen, alles wurde innerhalb von Minuten neu überdacht oder plötzlich abgebrochen. Stuart schien nicht sonderlich erfolgreich in seinem Geschäft zu sein.
Die Sitzerei und Wartezeit in den Internetcafes konnte man gut mit Internetsurfen überbrücken, E-Mails checken und dergleichen. Die Arbeit an sich war wirklich easy. Meistens war man zwei bis drei Stunden beschäftigt. Die guten Leute - also auch ich - durften am Ende künstliche Ebay-Konten verfälschen, indem wir Massen an Centartikeln kauften, für die man natürlich auch gute Bewertungen bekam. Diese Konten fungierten anschließend wahrscheinlich für den Verkauf der Tickets. Wobei ich die Masche nie richtig durchschaut habe, allerdings auch nicht danach fragen wollte.
Bezahlt wurde ich bar auf die Hand, das Geld war gut. Ein paar Male habe ich den Job gemacht und kam mir dabei wie ein kleiner Gauner vor. Was tut man nicht alles als Backpacker für’s liebe Geld…




