MAEVA

15 05 2008

Iorana und Mauruuru!

Ich kann kein Baguette mehr sehen!

Endlich wieder richtiges Geld in der Hand (AUS$)!

Tuerkis, Weiss, Tuerkis, Weiss, Tuerkis, Weiss…

Per Anhalter fahren rulezzz! (OEPNV-> nichtexistent auf Tahiti).

Lebensmittelschmuggel kann ganz schoen nervoes machen!

Mahi Mahi, Poisson Cru, Casse Croutes!

Tiare!

Ein “Walter” hat im Badezimmer unter der Spuele gelebt - die sind dort ueberall!

Und nun bin ich muede!

Wir sehen uns…

Tommmhhh





Stadt, Land, (Ab)fluss - Vol. 3

22 03 2008

Nun komme ich endlich dazu, meine traurige Geschichte erneut fortzusetzen. In den letzten Wochen war ich, wie die meisten von euch wissen sollten, mit Reisen beschaeftigt. Mittlerweile habe ich mich in Sydney auch wieder ordnen koennen und werde euch nun meinen (hoffentlich!) letzten Teil dieser unfassbaren Geschichte erzaehlen.

Als Anne und ich am Morgen nach dem Verschwinden der Tasche von der Tankstelle losfuhren, um uns auf die Suche nach Nathaniel zu machen, war ich noch sehr zuversichtlich, dass wir erstens diesen Typen finden wuerden und ich zweitens meine Tasche zurueckbekommen wuerde.

Auf dem Weg in Richtung Kuttabul (und dahinter), hielten wir an einer Tankstelle an, wo aber auch niemand Nathaniel kannte. Man gab uns aber den Tip, es im naechsten Pub auf der gegenueberliegenden Strassenseite zu versuchen. Wir waren zwar nicht so begeistert von der Idee, weil das Pub auf der falschen Seite von Kuttabul lag, aber wir dachten uns schliesslich, dass fragen nichts kostet. Als wir das Pub erreichten, war der Wirt gerade damit beschaeftigt, die Unordnung vom Vorabend zu beseitigen und sich auf den kommenden Abend vorzubereiten. Der Typ war locker schon fuenfzig, ziemlich hager, taettowiert, hatte lange Haare und lief mit nackten Oberkoerper herum. Er fuegte sich perfekt ins truebe, sproede aber gleichzeitig heimelige Ambiente dieses australischen ‘Mitten-in-der-Pampa-Pubs’ ein. Auf die Frage, ob er die Person kannte, die wir suchten, ueberlegte er kurz, waegte ab, runzelte die Stirn und man sah, wie so langsam auch die letzten Winkel seines Gedaechtnisses an diesem Morgen geweckt wurden. Zoegerlich antwortete er, dass unsere Beschreibung durchaus auf einen Typen zutreffen koennte, der im Caravanpark nebenan lebte. Einerseits erfreute Anne und mich diese Antwort, andererseits war ich auch schon etwas enttaeuscht, weil Nathaniel ja meinte, dass er hinter Kuttabul lebte und nicht davor. Aber hatten wir ihn vielleicht falsch verstanden?

Der hilfsbereite Wirt kramte sein Telefonbuechlein hervor und versuchte, den Typen zu erreichen. Doch niemand antwortete. So versuchte er, einen seiner Freunde zu erreichen, doch auch dieser Versuch war vergeblich - genau wie alle anderen, die darauf folgten. An einem Samstagmorgen schlaeft auch die australische Landjugend, um ihren Rausch vom Vorabend auszuschlafen tief und fest, wie sich herausstellte. Und schliesslich meinte der Wirt, dass der Caravanparkbewohner zwar ein weisses Auto faehrt, aber einen Mitsubishi. Da war fuer mich klar, dass er nicht den Nathaniel meinen konnte, den wir suchten. Was Autos angeht, kann mir eigentlich keiner etwas vormachen. Trotzdem verfiel ich in meiner Verzweiflung kurz in den Zustand des Zweifelns an meinen Faehigkeiten, doch recht schnell kam ich zu dem Schluss, dass ich mich hundertprozentig richtig entsinnte an das Auto in dem ich am Abend zuvor mitgenommen wurde.

Nach einer halben Stunde in dem Pub zogen wir dankend und enttaeuscht weiter. Wir kamen schliesslich an dem Parkplatz vorbei, wo unser Auto liegengeblieben war und suchten ihn beim Vorbeifahren mit unseren scharfen Blicken ab, doch wir entdeckten keine bunte Tasche.

Auch bei der Poststelle, die wir kurz darauf auf unserem Weg besuchten, konnte man uns keine Auskunft erteilen. An die Post war allerdings ein Laden angeschlossen, in dem Anne und ich anfingen, einfach wieder wahllos Leute anzusprechen, ob sie Nathaniel kennen wuerden. Doch auch hier wieder nichts. Eigentlich hatten wir die Hoffnung an dieser Stelle schon aufgegeben, doch da fragte Anne einen Autofahrer, der in einem Auto mit seinen zwei kleinen Kindern auf der Rueckbank vor dem Laden auf jemanden wartete, ob er den Typen kennen wuerde. Er verneinte, doch sagte ploetzlich, dass seine Frau, die im Laden war, ihn bestimmt kennen wuerde. Sie kannte jeden in der Umgebung, gab er halbstolz zu. Wir warteten bestimmt eine Viertel Stunde vor dem Laden (der Mann im Auto uebrigens bei laufendem Motor…), bis Nicole endlich herauskam. Und tatsaechlich - sie kannte Nathaniel. Nicht persoenlich, doch kannte sie jemanden, der ihn direkt kennen wuerde, sagte sie. Anne und ich konnten das kaum glauben, doch innerlich explodierten wir vor Freude. Doch nach den Fehlschlaegen von vorhin versuchten wir besonnen zu bleiben und unsere Erwartungen nicht allzu hoch zu schrauben.

Nicole meinte zu uns, dass sie uns zu dem Typen bringen wuerde, der Nathaniel kennen sollte. Was fuer eine nette Person, dachten Anne und ich uns! Wir fuhren Nicole hinterher und als wir beim Bekannten von Nathaniel ankamen, stellte sich heraus, dass es mit fast hundertprozentiger Sicherheit der Nathaniel sein muesste, den wir meinten. Der Bekannte gab uns die Adresse und Nicole meinte, dass sie auch dahin mitkommen wuerde, da wir uns sonst verirrten. Nichts lieber als das!

Dort, wo sie uns hinfuehrte, gab es keine asphaltierten Strassen mehr. Die Schotterpisten waren teilweise einspurig und fuehrten recht kurvenreich durch Agrarfelder. Hinter einer Kurve entdeckten wir ploetzlich etwas, das wir so nicht erwartet hatten - einen Fluss. Eigentlich ein ‘Creek’ vom Namen her, doch jetzt, in der Regenzeit, die dieses Mal auch noch ziemlich heftig war und zahllose Ueberflutungen mit sich brachte, war der Bachlauf zu einem reissenden Gewaesser (buchstaeblich) ausgeufert. Kein Vorbeikommen, meinte Nicole und so drehten wir wieder um, um einen Umweg zu Nathaniels Haus zu nehmen.

Nachdem wir ein paar hundert Meter gefahren waren, kam uns auf der Schotterpiste ein Auto entgegen. Ein helles. Ein Ford Telstar! Ich glaubte meinen Augen nicht - es war Nathaniel! Ich hupte, blendete mit den Scheinwerfern auf, winkte aus dem Fenster, doch es nuetzte nichts. Er brauste einfach an uns vorbei. In einem Anflug aus Euphorie und Panik bremste ich scharf, gab Nicole zeichen, dass ich umdrehen wuerde und gab wieder Gas. Nathaniel wird sicherlich auch am Fluss stehenbleiben und so koennte ich ihn noch abfangen. Mit aufheulendem Motor sauste ich mit unserem Mazda B2000 so schnell der Wagen konnte zurueck. Gleich habe ich ihn, dachte ich mir, als ich um die letzte Kurve fuhr. Doch was war das?! Kein Nathaniel. Stattdessen nur Reifenspuren, die in den Fluss hineinfuehrten und auf der anderen Seite wieder herausfuehrten. Das Gewaesser schien reissend zu sein, doch anscheinend schaffte man es mit einem Popelsauto hindurch.

Der Mann von Nicole stieg aus seinem Ford Falcon und watete in den Fluss hinein. Er begutachtete die Situation und meinte, dass er versuchen wuerde, durchzufahren. Im Kriechtempo glitt das Auto durch das Wasser und ich wartete nur auf den Moment, in dem es zur Seite hin weggeschwemmt wuerde. Doch erstaunlicherweise gelang es dem Ford Falcon ohne Probleme durchzukommen. Was nun? Ich sass in einem Camper, der viel schwerer war als die vorigen Autos. Der Camper hatte auch noch mehr Bodenfreiheit. Also los, mein Gasfuss zuckte und langsam schlich auch unser Mazda in das reissende Gewaesser. Blubb - Blubb - Blubbblubb. Abgesoffen.

Mit panikstarren Augen sah ich Anne an. Sie blickte mich an, als ob sie sich gleich auf mich uebergeben muesste. Ich konnte es nicht fassen - warum war unser Auto nur steckengeblieben?? Ich sprang aus dem Auto, das Wasser stand mir kniehoch. Anne rutschte auf die Fahrerseite rueber und ich hob die Beifahrersitze an, um den Motor zu begutachten. Er war nass. Dieses bloede Ding muss wohl die Luft von unten angesaugt haben oder so, ich weiss es bis heute nicht genau. Jedenfalls sprang der Motor nicht mehr an. Der Mann von Nicole kam heruebergeeilt und wir schoben das Auto so weit wir konnten heraus. Wir schafften es nicht ganz, das Auto stand immer noch im Wasser, doch nicht mehr so tief. Auch er blickte anschliessend in den Motor und stellte fest, dass der Zuendverteiler nass geworden ist.

Jetzt hatten wir nicht nur das Problem mit der Tasche, sondern mussten uns erstmal um das versunkene Auto kuemmern. Nicole meinte, dass sie waehrenddessen alleine zu Nathaniels Haus fahren wuerde. Ihr hilfsbereiter Mann hatte mittlerweile auch irgendeinen Kumpel angerufen, der unseren Camper aus dem Fluss ziehen sollte.

Es vergingen unendliche Minuten in denen ich die Welt verfluchte. Schliesslich hat man nicht alle Tage solch grosses Pech auf ein Mal. Anne schien sich in einem Zustand zu befinden, den man als das Qualmen und gelegentliches Feuerspucken eines Vulkans kurz vor dessen eigentlichem Ausbruch beschreiben koennte.

Schliesslich kam Nicole mit der Nachricht zurueck, dass sie bei Nathaniel zu Hause niemanden antreffen konnte. Wo war dieser Typ nur hingefahren? Sie hatte aber seine Telefonnummer ausfindig machen koennen, doch an sein Handy ging er nicht ran. Zudem hatten wir mit dem Problem eines fast nicht vorhandenen Funkempfangs zu kaempfen. Was nun? Wir entschieden uns, die Polizei zu rufen, die uns hoffentlich behilflich auf der Suche nach Nathaniel sein konnte. Schliesslich wussten wir jetzt ganz genau, um wen es sich handelte.

Kurz bevor die Polizei am Creek eintraf gelang es dem Mann von Nicole doch tatsaechlich, den Zuendverteiler trocken zu legen und unser Auto zum Laufen zu bringen. Der Freund, der schon mit dem Abschleppwagen ankam, musste also unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Als die Polizei ankam, erreichten wir auch Nathaniel auf seinem Handy und Nicole redete ihm ein, dass er gefaelligst zum Fluss kommen sollte. Ich war schon fast auf Wolke sieben - das Auto lief wieder und gleich wuerde ich meine Tasche wieder erhalten. Doch Pustekuchen. Nathaniel behauptete, dass die Tasche nie in seinem Auto gewesen waere und er nichts gefunden haette. Ich glaubte erst meinen Ohren nicht und als ich in das Auto schaute und halb verzweifelt nochmals alles absuchte und die ploetzliche Ordnung in Nathaniels Auto sah, glaubte ich meinen Augen nicht. Der Typ musste luegen! So ein Arsch! Da ich nichts nachweisen konnte, brachten alle guten Worte nichts mehr. Ich redete Nathaniel nur ein bisschen ins Gewissen hinein, weil ich mir in dem Moment auch wieder unsicher geworden war, was den Verbleib der Tasche anging und ich ihn nicht einfach wegen etwas beschuldigen wollte, was gar nicht stimmte. Aber im Endeffekt hat der Typ meine Tasche schlicht geklaut! Anne und ich hatten uns solche Muehe gegeben und jemanden in der Pampa Australiens ausfindig gemacht, von dem wir eigentlich nur den Vornamen wussten (!) - und dann das! Der Idiot, der in der Tat nicht das hellste Gemuet besass und zudem nicht auf der wohlhabendsten Seite des Lebens stand, konnte anscheinend der Versuchung der wertvollen Innereien der Tasche nicht widerstehen!

Enttaeuscht zogen wir wieder von dannen und Nicole lud uns noch zu sich nach Hause ein, was Anne und ich nicht ausschlugen. Von Nicoles Zuhause aus konnte ich alle Bankkarten sperren und etwas zu mir kommen. Das Haus war uebrigens das schlimmste, was ich je gesehen hatte. Ich nenne nur das Stichwort “RTL2-Familie” - chaotisch, dreckig, einfach eklig. Rauchen im Beisein von Kleinkindern? Kein Problem? Muelltonnen, wozu? Man kann den Muell auch einfach auf dem Boden liegen lassen!

Nun denn, aber immerhin war die Familie extrem hilfsbereit und auf ihre Weise nett, wofuer ich ueberaus dankbar bin. Da Anne und mich die Umgebung aber mehr als abstiess zogen wir auch schnell wieder weiter. Eine gruendliche Durchsuchung des Parkplatzes, wo unser Auto liegengeblieben war, brachte auch nichts mehr. Keine Tasche. In der Tasche befanden sich: Reisepass, Personalausweis, Fuehrerscheine, EC-Karten, Kreditkarten, Handy, Digitalkamera, Translator, USB-Stick, Tagebuch und noch andere persoenliche Dinge. Alles verloren.

Mit dem Gedanken musste ich mich also abfinden. Aber erstmal stand uns die Weiterreise entlang der Ostkueste bevor, noch mehr als die Haelfte des Weges. Anne und ich entschieden uns dafuer, nicht aufzugeben und unsere Reise wie geplant fortzufuehren. Am naechsten Tag stellte Anne allerdings fest, dass sie kein Geld auf dem Konto hatte, welches ihr eigentlich von der Arbeit schon laengst haette ueberwiesen sein sollen. Nun sassen wir da - ich hatte kein Bargeld mehr, sondern nur noch welches auf dem Konto, an das ich nicht herankam und keine Kreditkarten mehr. Anne hatte nur noch ein paar Dollar in der Tasche, aber kein Geld auf dem Konto. Und eine alte deutsche Kreditkarte, von der sie nicht genau wusste, ob ihr Kreditlimit nicht schon laengst ausgereizt war. Wir hatten Angst, einfach das Auto vollzutanken und dann an der Kasse feststellen zu muessen, dass die Karte nicht funktionierte. Aus Verzweiflung wagten wir es dann irgendwann doch und hatten das schweinische Glueck, dass die Bezahlung klappte. Und nach ein paar hektischen und panischen Telefonaten mit Annes Arbeitsagentur und ihrer Chefin, hatte Anne nach zwei Tagen auch wieder Geld auf dem Konto.

In Brisbane wollten wir uns dann den Luxus goennen und in einem Hostel fuer die Nacht absteigen, weil wir die Schnauze voll hatten von unserem Camper. Doch daraus wurde - selbstvertaendlich - nichts. Alles war ausgebucht in Brisbane. (??) So beschlossen wir, zumindest zu einem Campingplatz zu fahren, um uns frisch machen zu koennen. Doch auch hier - selbstverstaendlich - geschlossen, zu spaet, keinen Bock auf neue Gaeste und was weiss ich noch was. (??) Nicht mit uns, sagten wir uns und stellten unsere Karre einfach in einer Nebenstrasse ab, um uns von da aus in die Duschen des Campingsplatzes zu schleichen. Das klappte auch ganz gut an dem Abend, keiner merkte etwas. Auch am naechsten morgen merkte keiner etwas, vor allem nicht Anne und ich, dass wir beobachtet wurden. Als uns beim Fruehstueck unter der Heckklappe unseres Autos ploetzlich eine Frau darauf ansprach, wie wir denn unsere gratis Duschen empfunden haetten, kam uns unser Toastbrot fast hoch. Wir schauten uns um und bemerkten, dass wir wie auf dem Praesentierteller vom Campingplatz aus zu sehen waren mit unserem Auto. Dies war nachts nicht so eindeutig gewesen. Anne hatte fast schon Traenen in den Augen und erklaerte der Frau, die uebrigens die Besitzerin des Campingplatzes war, unsere traurige Situation. Mit der Erklaerung gab sich die Frau einverstanden, meinte jedoch, dass staendig irgendwelche komischen Leute zu ihr kaemen mit irgendwelchen komischen Geschichten. Doch uns mochte sie mal glauben.

So toll wie dieser Morgen wieder angefangen hatte, setzte sich der Tag auch fort. Auf Brisbane hatten wir keine Lust mehr, diese war uns schon am Abend zuvor vergangen. Fuenfzehn Kilometer vor Byron Bay durchfuhren wir gerade eine langezogene Linkskurve auf dem Highway als ploetzlich das Auto anfing zu ruckeln. Anne sass hinterm Steuer und versuchte Gas zu geben, doch es kam nichts mehr. Das Auto ging aus. Wir fuhren an den Standstreifen und auch erneute Anlassversuche schlugen fehl. Unsere Karre war kaputt gegangen. Das hatte uns noch gefehlt. Die letzten Geschehnisse in der Zusammenfassung:

Wir hatten kein Warndreieck im Auto und standen hinter einer Kurve auf dem Highway. Ich fand zum Glueck einen knallroten Eimer auf dem Gruenstreifen und stellte diesen Eimer, beschwert mit einem Betonstueck, auf den Standstreifen als Warnzeichen auf. Nach einer Stunde gestoerter Kommunikation mit der Notrufzentrale und akrobatischen Telefonierpositionen zwischen Leitplanke und Wagendach hatten wir es auch geschafft, einen Notruf loszulassen. Man leitete uns natuerlich mit diversen Auftrags- und Telefonnummern von einer Stelle zur naechsten, was sehr angenehm ist auf einem Highway mit einem fast nicht vorhandenen Netzempfang. Meine Versuche, einen Lkw-Fahrer anzuhalten (Funkgeraet!), waren auch vergebens. Es fing an zu regnen. Anne und ich holten unsere Campingsstuehle raus, setzen uns hinter die Leitplanke und assen unter einem Regenschirm sitzend trockene Cornflakes aus einer Schuessel. Wir hatten nichts anderes mehr zu essen. Wir lachten schon halb verrueckt geworden ueber die Situation und fragten uns nur, wie wir uns geaergert haetten, wenn uns der ganze Mist in den Tagen zuvor nicht passiert waere? So warteten wir geduldig im Regen auf den Abschleppdienst, der nach wiederum einer Stunden ankam und feststellte, dass der Camper abgeschleppt werden muesste. Wir hatten die Nacht in Brunswick Heads zu verbringen. An der Tanke mit Werkstatt, auf der wir bis zum naechsten Morgen ausharren mussten, gab es noch nicht einmal eine Toilette. So beschlossen wir, irgendwo in dem Kaff preisguenstig zu uebernachten. Leider war gerade Reisehochsaison und ein Motelzimmer kostete 110 Dollar, was wir uns nicht leisten konnten. Das Pub, das man uns als Uebernachtungsmoeglichkeit empfohlen hatte, nahm lediglich zehn Dollar weniger. Aus Verzweiflung fing Anne an, dem Manager unsere traurige Geschichte zu erzaehlen. Er erbarmte sich unser und ueberliess uns ein Doppelzimmer fuer laeppische sechzig Dollar fuer die Nacht, yeah! Das Pub entpuppte sich als ein australischer Uebernachtungstraum. Das angeschlossene Hotel war spartanisch ausgestattet, allerdings mit unglaublichem Charme. Die Moebel waren alt, wie zu Grossmutters Zeiten, die Decken waren hoch und alles war sehr gepflegt und einfach nur gemuetlich. Von unserem letzten Bargeld goennten wir uns am Abend noch zwei Coopers (australisches, leckeres Bier - vergleichbar mit Weizen). Am naechsten Tag gingen wir fruehstuecken, als die frohe Kunde des Geldeingangs auf Annes Konto eintraf. Wir befanden uns in einem esoterisch angehauchten Ort, mit hippie’eskem Flair und scheinbar ueberaus gluecklichen Anwohnern, gebettet in einer schoenen, entspannenden Landschaft. Als uns der Werkstattmeister anrief, um uns mitzuteilen, dass unser Auto repariert worden war, sind wir fast schon enttaeuscht gewesen, weiterfahren zu muessen.

Nach dieser vollen Dröhnung großen Unglücks sahen wir nur noch ein Ziel vor unseren Augen: Nimbin. Ein kleines Kifferörtchen irgendwo mitten im Wald an der Grenze von New South Wales und Queensland. In den sechziger/siebziger Jahren wurde Nimbin von Hippies bevölkert und ist bis heute ein sehr freigeistiges Fleckchen Erde geblieben. Ein Ort der von der Gesellschaft Verbannten könnte man meinen, denn es gab ungefähr einen Wegweiser auf dem Weg dorthin. Die vermeintlich netten Anwohner in der Umgebung auf dem Weg nach Nimbin gaben nur widerwillig Auskunft und ein Typ wollte uns sogar in die falsche Richtung leiten! Doch Anne und ich, gerissen wie wir sind, durchschauten seinen perfiden Plan und fuhren einfach in die (zu seiner Auskunft) entgegengesetzte Richtung.

Es schien, als ob die Bewohner dieser idyllischen, hügeligen Landschaft Nimbin am liebsten von der Landkarte gestrichen hätten. Kaum zu glauben, dass solch ein Spießbürgertum in Australien existieren kann. Aber nun, wir waren ja nur knapp hinter der Grenze zu Queensland und dieser Bundesstaat respektive seine Bevölkerung - ich spreche jetzt aus Erfahrung - zeichnen sich durch äußerst verschrobene Eigenschaften aus.

Wir kämpften uns also nach eigenem Gespür durch eine dichtbewachsene, satt-grüne subtropische Waldlandschaft und riesige Macadamia-Nuss-Plantagen, bis uns die serpentinenreichen Straßen nach gefühlten zwei Stunden endlich an unser Ziel führten.

Nimbins Atmosphäre wirkte auf Anne und mich sehr ‘dicht’ und es gab zahlreiche Geschäfte, aus denen Nebelschwaden zu wabern schienen. Diese esotherische Entspanntheit war hier jeder Person im Ort anzumerken; es liefen wirlich krasse Freaks herum, teilweise ausgemergelt und drogenzerfressen (und das kam definitiv nicht vom Gras). Wir verbrachten zwei Stunden in diesem Örtchen, welches bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Zur Feier des Tages erwarben wir bei einem Obst- und Gemüsehändler noch zehn (!) Kiwis für 99 Cents, mit denen wir unseren verkümmerten Vitaminhaushalt etwas aufpeppten. Das war eine echte Wohltat nach Tagen und Mahlzeiten voll bekömmlichen Weißbrots…

Auf unserem weiteren Weg machten wir noch einen Abstecher ins Koala-Krankenhaus in Port Macquarie, was sich wirklich gelohnt hat, da ich bis heute keine Koalas in freier Natur gesehen habe.

Nach nur acht Tagen und dreitausend abenteuerlichen Kilometern, kamen wir eines Abends schliesslich in Sydney an, um uns zum guten Schluss auch noch zu verfahren und eine Stunde fuer’s Herumkurven durch Sydney zu verschwenden. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt, als ich Anne in ihrem voruebergehenden Zuhause bei einer Arbeitskollegin absetzte. Ich verbrachte die naechsten Naechte in dem Camper, da wir ihn noch fuer zwei Tage gemietet hatten.

Mittlerweile habe ich meinen Reisepass fuer 160 Dollar neu beantragt und auch mein Fuehrerschein duerfte schon auf dem Weg der Wiederausstellung sein.

Von meiner Tasche habe ich bis heute nichts mehr gehoert. Nur mein USB-Stick, der sich in ihr befand, ist absurderweise aufgetaucht. Birte, meine holde Freundin, die letztens nach Hannover uebergesiedelt ist, bekam vor ungefaehr einem Monat einen Brief aus Australien. Darin schrieb ein Lehrer aus Caden (naechstgroesserer Ort bei Kuttabul), dass zwei Schueler meinen USB-Stick in einem Abwasserkanal gefunden haetten. Er haette sich die Bilder angeschaut und auf einem der Bilder einen Briefumschlag abgelichtet gefunden, meinte er. Ich hatte naemlich den Umschlag der Weihnachtskarte von Birte fotografiert, weil ich das Couvert so schoen gestaltet fand. So war auf dem Foto Birtes Adresse zu finden, an welche der Lehrer einen Brief geschrieben hatte. In dem Brief stand, dass der Stick sich mit im Umschlag befinden sollte, den die Familie der Kinder abschicken sollte. Allerdings befand sich kein Stick in dem Umschlag. So schrieb ich den Lehrer letztens an, um nach dem Verbleib zu fragen. Die Antwort steht noch aus…

Soviel zu meinen Ostkuesten-Abenteuern. Der Bericht ist etwas ausgeufert, trotzdem hoffe ich, dass ihr beim Lesen nicht eingeschlafen seid und zumindest etwas Mitleid fuer mich empfindet…;-)





Stadt, Land, (Ab)fluss - Vol. 2

12 02 2008

Hier nun die Fortsetzung meiner traurigen Geschichte.

Ich hoffe, dass ich alles noch in der richtigen Reihenfolge in Erinnerung habe.

… Wir fuhren nach unserem Bootsausflug abends in Richtung Mackay. Dachten wir zumindest. Denn ploetzlich endete die Strasse, die wir genommen hatten, vor uns. Es war eine Sackgasse. Wir hatten in Airlie Beach zwei Moeglichkeiten, in welche Richtung wir fahren konnten - natuerlich waehlten wir die falsche. Ein Blick auf die Landkarte offenbarte dann direkt unseren Fehler und so mussten wir die fuenfzehn Kilometer, die wir schon zurueckgelegt hatten, wieder zurueckfahren. Unser Versehen ist im Nachhinein ganz wunderbar als uebersinnliches Zeichen zu deuten. Unser Schicksal wollte uns damit sagen, dass wir auf keinen Fall weiterfahren sollten, doch stur wie wir sind, machten wir uns dann auf den richtigen Weg Richtung Mackay.

Die vorueberziehende Landschaft war immer noch sehr tropisch und nett anzuschauen. Zwischendurch regnete es wieder in Stroemen, doch wir liessen uns nicht entmutigen und fuhren tapfer durch die Unwetter. Anne sass am Steuer und beobachtete die Tankanzeige. Irgendwann fragte sie mich, ob unser Sprit noch bis Mackay reichen wuerde. Mein Blick auf die Anzeige sagte mir, dass wir noch ungefaehr ein Drittel einer Tankfuellung im Tank hatten und da es noch nicht mal mehr hundert Kilometer bis zu unserem Ziel waren, meinte ich, dass das noch locker gehen wuerde. Die Anzeigennadel beschleunigte aber offensichtlich ihr Tempo und Anne fragte wieder, diesmal etwas besorgter, ob der Sprit noch ausreichen wuerde. Doch dann meinte sie, sie habe eben ein Schild gesehen, das besagte, dass Mackay nicht mehr weit entfernt sein wuerde. Die Anzeige stand schon knapp vor dem letzten Balken, doch die Warnleuchte machte keine Anstalten, in Erscheinung zu treten. Also fuhren wir munter weiter. Es war ja nicht mehr weit… Und dann - Ruck. Blub. Ruck. Blub. Das Auto wurde langsamer. Draussen war es dunkel, um uns herum Wald. Anne und ich tauschten panische Blicke aus. Ploetzlich kam ein Parkplatz zu unserer rechten Seite und Anne steuerte unseren Camper in die entsprechende Richtung. Mit letzter Kraft rollte der Wagen auf den Platz und ging auch prompt aus. Ein letzter Versuch, ihn wieder zum Laufen zu bringen, scheiterte klaeglich. Die bloede Karre hatte uns betrogen! Von wegen noch Sprit im Tank…

Wir liefen zur Strasse und versuchten, wild mit unseren Armen wedelnd, Autos zum Anhalten zu animieren. Tatsaechlich hielt auch direkt ein Lkw an. Wir schnappten schnell unsere Taschen aus dem Auto hievten uns in den Lkw. Die Fahrerkabine des “Freightliners” war unerwartet hoch und wir hatten einige Muehe, sie zu erklimmen. Der Brummifahrer war sehr nett, ich meine, er hiess Sean. Genau weiss ich das nicht mehr. Er setzte uns an der naechsten Tankstelle ab, der einzigen weit und breit. Es stellte sich heraus, dass allein diese schon 35 Kilometer vom Palm Tree Creek war, wo unsere daemliche Karre liegengeblieben ist. Mackay war noch weitere 20 Kilometer entfernt. Anne und ich fragten uns dann, was das fuer ein Schild war, dass uns gesagt hatte, dass wir nicht mehr so weit entfernt sein wuerden? Nun denn.

An der Tankstelle stellte man uns gegen Kaution einen Fuenf-Liter-Kanister zur Verfuegung. Wir fuellten ihn auf und fragten einen Typen an der Tanke, ob er nicht in Richtung Palm Tree Creek fuhr. Er tat es tatsaechlich und nahm uns mit. Waehrend der Fahrt erzaehlte er uns, dass er Nathaniel heissen wuerde, in Mackay arbeitete (irgendwas mit Trucks) und kurz hinter Kuttabul wohnte. Er fuhr einen weissen Ford Telstar. Am Parkplatz angekommen, sprang ich ganz euphorisch aus dem Auto, fuellte den Tank auf und das Auto sprang wieder an. Wir bedankten uns bei Nathaniel, stiegen in unsere Karre und dann wurde mir schlagartig bewusst: Meine Tasche ist weg. Ich hatte sie in seinem Auto liegenlassen!

Ich schrie es aus mir heraus uns sah nur die roten Rueckleuchten von Nathaniels Auto immer kleiner werden. Anne schaute mich an. Verfolgen? Ja, Gas geben! Innerhalb von einer halben Minute durchbrach unser Camper die Schallmauer von 80 km/h. Nathaniel, das wussten wir von unserer Fahrt, fuhr locker 120 Sachen. Erfolgsaussichten ihn einzuholen? Gleich null. Aussichten auf erneutes Liegenblieben auf Grund Spritmangels mitten im Nichts - sehr gut. Nach ein paar Kilometern brachen wir unsere Verfolgungsjagd ab. Entsetzt fuhren wir Richtung Tankstelle und kamen wohl mit dem letzten Troepfchen Benzin im Tank an. Wir fragten die Kassiererinnen, ob sie Nathaniel kennen wuerden. Die Gegend ist ja ziemlich duenn besiedelt und wenn er die Strecke taeglich zur Arbeit faehrt, kommt er wahrscheinlich oefters zum Tanken, dachten wir uns. Doch die nicht gerade auskunftsfreudigen Damen hinter der Theke beneinten unsere Frage.

Wir fragten andere Leute an der Tankstelle, doch sie kannten den Typen auch nicht. Aber das Auto, das hat doch Nummernschilder! Die Ueberwachungskameras muessten uns ja weiterhelfen. Doch Pustekuchen. Der Wagen war nicht im Erfassungswinkel der Kamera geparkt und zu einem spaeteren Zeitpunkt erfuhren wir, dass die Kameras hoechstwahrscheinlich eh nicht funktionieren wuerden.

Polizei - unser naechster Gedanke. Der Freund und Helfer in der Not. Auch ohne Nummernschild des Autos und eines Nachnamens des Halters muesste es unseren Freunden moeglich sein, Nathaniel ausfindig zu machen. So fuhren wir nach Mackay zur naechsten offenen Polizeistation. Da ich genau wusste, was fuer ein Auto Nathaniel fuhr, den Bauzeitraum einschaetzen konnte, wir die Farbe des Wagens kannten und mir klar war, dass solch ein Vehikel sehr selten anzutreffen sein wuerde in solch einer spaerlich besiedelten Gegend, waren Anne und ich recht zuversichtlich. Doch auf Grund datenschutzrechtlicher Gesetze und der Tatsache, dass es sich um keinen schwerwiegenden Delikt handelte, konnte man uns natuerlich keine Auskunft zum Halter des Autos geben. Danke, Freunde und Helfer!

Wir fuhren zurueck zur Tankstelle. Eine Suche starten, irgendwo hinter Kuttabul, wo Nathaniel wohnen sollte, mitten in der Nacht - die Aussicht auf Erfolg war auch hier sehr bescheiden. Aber halt, in meiner Tasche steckt doch mein Handy! Aufgrund der Nichtexistenz eines Funknetzes, hier, mitten in der Pampa, schlugen aber alle Versuche eines Anrufs fehl. Etwas entruestet beschlossen Anne und ich, die Nacht an der Tankstelle zu verbringen, unseren Wagen gut sichtbar fuer vorbeifahrende Autos zu positionieren (falls N. vorbeikommen sollte) und zu hoffen, dass Nathaniel die Tasche in seinem Auto entdecken wuerde und sie am naechsten Morgen vielleicht an der Tankstelle abgab. Doch welchen Tag hatten wir? Freitag. Morgen war Samstag. Wuerde er zur Arbeit fahren?

An der Tankstelle gab es zum Glueck duschen und so konnten wir Abends noch den Panikschweiss von unseren Koerpern waschen. Vor dem Schlafengehen beschlossen wir, noch wahllos irgendwelche Leute an der Tankstelle zu fragen, ob sie Nathaniel kannten. Vor allem die jungen Leute waren in unserem Blickfeld, da Nathaniel unserer Einschaetzung nach nicht aelter als Anfang zwanzig war. Doch nichts. Keiner kannte ihn.

Am naechsten Morgen stellten wir fest, dass niemand die Tasche abgegeben hatte. Auch von den morgendlichen Tankstellenbesuchern kannte keiner Nathaniel. Wir fuhren also wieder zurueck Richtung Kuttabul und begannen unsere Suche.

Teil 3 folgt demnaechst (Guthaben neigt sich wieder dem Ende zu)





Stadt, Land, (Ab)fluss - Vol. 1

9 02 2008

Ich haette es nicht schreiben sollen. Ich haette nicht mal daran denken sollen. Doch irgendwie muss ich es wohl geahnt haben - feuchte Albtraeume. In meinem letzten Blog-Eintrag meinte ich, dass solche wohl anders aussehen. Doch Annes und meine Reise entlang der australischen Ostkueste entpuppte sich als genau das!

Nun sitze ich hier wieder im chinesischen Internetcafe, welches von ungeduschten, aus dem Mund stinkenden und vor den Computern schlafenden Chinesen belagert ist. Die verbringen hier gerne mal ihre Naechte und pennen dann auf den Stuehlen irgendwann einfach ein. Gerade hat einer gefurzt. Wie gesagt, es ist nicht angenehm, aber das billigste, was man hier bekommen kann.

Endlich kann ich mich dazu durchringen, euch meine kleine, traurige Geschichte zu erzaehlen. Die letzten Wochen sind fuer mich sehr turbulent und nervenaufreibend verlaufen und ich hatte einfach keinen Nerv, mich meiner Aussenwelt mitzuteilen. Ich musste erstmal mit den hiesigen Problemen klarkommen, was gar nicht so einfach war. Jetzt ist aber alles wieder halbwegs gut. Die groessten Noete sind ueberstanden und in fuenf Tagen kommt Hendrik zu Besuch. Spaetestens dann wird alles (hoffentlich!) wieder vollkommen ‘in Butter’ sein.

Doch rollen wir die Geschichte mal von Vorne auf. Sie ist ziemlich lang doch ich werde versuchen, sie moeglichst knapp zu halten.

Nachmittags, am 17. Januar waren Anne und ich in Airlie Beach angekommen. Der naechste Tag sollte uns einen Tagesbootsausflug zu den Whitsunday Islands bescheren. Doch als wir um halb sieben morgens aufwachten, wurden wir vom Prasseln des Regens auf dem Dach unseres Campers begruesst. Der Himmel bescherte uns erstmal sintflutartige Regenfaelle. Ein super Start in den Tag, da steigt man doch gerne aus dem Wagen, um durch matschige Feldwege zu den Duschen zu laufen. Und letztere hatten wir wirklich noetig, denn aufgrund der uebernatuerlichen Schwuele, Stickigkeit respektive Feuchtigkeit, die sich nachts in unserem Reisemobil entwickelt hat, waren wir nassgeschwitzt und klebrig. Eigentlich haetten wir uns nach dem Duschen gar nicht erst abtrocknen muessen, denn auf dem Weg zum Auto wurden wir trotz Regenschirm wieder plitschnass.

Wir verfluchten unser Camper-Dasein und fuhren schliesslich zum Hafen, wo uns ein eher bescheidenes Boeoetchen erwartete. Wirklich schoen war es nicht und wir hatten uns ernsthaft ueberlegt, wieder von Bord zu gehen. Zumal das Wetter auch nicht wirklich vielversprechend wirkte, weil trueb und bewoelkt. Zumindest war es jedoch warm - und stickig. Wir entschieden uns dann doch - in unserer morgendlich verschlafenen Sinneslage - dafuer, auf dem Schiff zu bleiben und mal zu schauen, was der Tag bringen wuerde.

Es war dann nicht so schlimm wie erwartet. Whitehaven Beach sah vom Inselgipfel wirklich schoen aus und die sagenumwobenen Eigenschaften des Sandes (fast 100 % aus Silica bestehend) wurden tatsaechlich bestaetigt. Ich steckte meinen silbernen Armreif in den Sand und viola, schon erschien er wieder in neuem Glanz! Zuvor machten wir aber noch von einer Aussichtsplattform aus Fotos dieses unter Naturschutz stehenden Feuchtbiotops (die Insel war uebrigens mit dschungelaehnlichem Wald bewachsen). Eine unserer Mitreisenden bat uns, ein Foto von ihr und ihrer Mutti zu schiessen. Nichts leichter als das. Ich nahm also die dem Gefuehl nach ungefaehr ein halbes Kilo wiegende Kompaktkamera von Rollei in die Hand und knipste drauf los. Das Paeaerchen sah schon lustig aus und auf die Frage, wie lange die beiden denn schon unterwegs seien, antwortete die Tochter, dass sie schon seit Oktober um die Welt reisen wuerden. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Mutti schon vierundachzig (!) Jahre alt war! So moechte ich mein Rentnerdasein auch verbringen.

Anne und ich machten am Strand noch ein paar schoene Fotos und dann mussten wir wieder zurueck zum Boot gehen. Unterwegs sahen wir ploetzlich einen etwa 1 Meter langen Goanna (australischer Waran), der ganz gemaechlich unseren Weg kreuzte. Es war schon beeindruckend, einer durch ihre Groesse und schwarz-gelbe Farbgebung etwas furchteinfloessenden Echse einfach so in der freien Natur zu begegnen.

Das Boot schipperte dann zu einem Punkt, an dem wir Schnorcheln oder Tauchen gehen konnten. Auf die Frage, ob das hier nicht gefaehrlich sei wegen der Quallen, entgegnete man uns nur, dass sich in dieses Gebiet keine todesbringenden Quallen verirren wuerden. Ich sass oben auf dem Deck und schaute ins Wasser hinunter und fing an zu zaehlen - erst eine, dann die zweite, plotzlich drei, vier, fuenf, usw.. Am Ende hatte ich innerhalb einer viertelstuendigen Beobachtungszeit 38 Quallen gezaehlt, die wir passiert haben.

Das mit dem Schnorcheln ueberlegten wir uns daraufhin zwei Mal, doch uns wurde wieder versichert, dass keine Gefahr bestehen wuerde. So sprangen wir dann in unseren miefigen Anzuegen ins erfrischende Nass und schwammen drauflos. Ich schnorchelte das erste Mal in meinem Leben und fand es ganz angenehm. Doch leider war nichts zu sehen als blaues, etwas truebes Wasser. Der Regen der letzten Tage hatte das Meer etwas aufgebraust. Ich machte eine Pause und schaute mich um und ploetzlich stiess ich mit einem Fuss gegen etwas festes. Ich schrie kurz auf, machte hektische Bewegungen und dachte, gleich von einer fleischfressenden Pflanze oder einem blutruenstigen Fisch gefressen zu werden. Ich wedelte mit meinen Flossen und bewegte mich erstmal von der Stelle Weg, an der mich das vermeintliche Ungeheuer gestreift hatte. Nach ein paar Sekunden kam ich zur Besinnung und zog meine Schnorchelbrille wieder an, um einen Blick nach unten zu wagen. Und ich glaubte meinen Augen nicht - es war eine Koralle! Nicht nur eine, sondern ein ganzes Riff! Beruhigt und zugleich ueberwaeltigt von diesem Anblick und dem Bewusstsein, ein Stueck des weltberuehmten Great Barrier Reefs unter mir zu haben und bestaunen zu koennen, schwamm ich weiter. Ploetzlich kamen mir ganze Schwaerme von bunten Fischen entgegen. Gelbe, gruene, blaue, rote, kleine, grosse, schoene, haessliche, jeder der Fische hatte etwas fuer sich. Manche sahen wie Mikrochips aus, andere wiederum besassen solch grelle Farben, wie ich sie mir in der Natur nicht vorgestellt haette (kannte ich es nicht aus dem Fernsehen…).

Berauscht von diesen Eindruecken, beschlossen Anne und ich uns eine Einweg-Unterwasserkamera fuer unverschaemt viel Geld auf dem Boot zu kaufen. Aber das Geld war es wirklich wert, wie Anne mir eben geschrieben hat. Sie ist schon in Deutschland und hat die Fotos entwickeln lassen. Ich bin sehr gespannt, wie sie geworden sind.

Nach anderthalb Stunden im Wasser mussten wir zurueck auf’s Boot, was auch ganz gut war, denn das Schnorcheln war durchaus kraeftezehrend. Auf dem Rueckweg stiess ich mit dem Fuss an eine Koralle und erst als ich an Deck des Bootes kam, merkte ich, wie stark die Wunde blutete, die ich mir zugezogen hatte. Betaisodona gibt es aber auch in Australien und daher war ich erstmal gerettet.

Der Tag endete mit einer gemuetlichen Heimfahrt nach Airlie Beach, waehrend welcher Anne und ich einschliefen, weil wir so kaputt waren.


Am Abend machten wir uns in Richtung Mackay, der naechstgroesseren Stadt, auf und das Unglueck nahm seinen Lauf…

Teil 2 folgt demnaechst (mein Guthaben im Internetcafe neigt sich seinem Ende zu)





Super Wario

17 01 2008

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Was bisher geschah…

Hier nun ein kleiner Zwischenbericht zu meiner Reise entlang der australischen Ostkueste.

In Cairns sind Anne und ich gut angekommen. Das Essen im Flugzeug hat geschmeckt, ich bin das erste Mal in einer Boeing 717 geflogen, die Flugbegleiter waren nett und aus dem Fenster konnte man die vorbeiziehende australische Praerie beobachten. Beim Landeanflug auf Cairns sind wir ueber die ganze Stadt geflogen und ich konnte mir so ein erstes Bild machen. Die Stadt liegt am Meer und ist eingebettet in einer bergigen, urwaldartigen Landschaft. Und wie das im Urwald so ist, erlebten wir beim Aussteigen aus dem Flugzeug einen klimatischen Schock: Die Luft war ganz im Gegensatz zu der in Alice Springs extrem humid. Mittlerweile sind wir in Airlie Beach und es ist hier immer noch feucht, schwuel, stickig und heiss. Man steigt aus der Dusche und ist sofort wieder nass. Angenehm ist etwas anderes, aber immerhin tut es unseren Nasenschleimhaeuten gut, nachdem diese im Outback fast versengt wurden.

Unser Hostel in Cairns war ein Volltreffer. Tropic Days hiess es und war sauber, abwechslungsreich und kunstvoll gestaltet und es gab fuer jeden sogar ein Handtuch zum benutzen! Ja, darueber freut man sich als Backpacker, so etwas gibt es sonst nicht alle Tage! Eine Nacht haben wir in Cairns verbracht und ich habe die Stadt als ganz nett befunden. Die Strassen sind breit, die Vegetation tropisch und die allgemeine Atmosphaere irgendwo zwischen heimeliger Kleinstadt und Touristenklitsche.

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Abends haben Anne und ich einen Reiseplan ausgearbeitet, den wir versuchen zu befolgen. Bislang hat es ganz gut geklappt. Unser Campervan hat uns noch nicht im Stich gelassen, obwohl er so wirkt, als ob er jeden Moment zusammenbrechen koennte. Wir haben ihn in Cairns gestern abgeholt und erstmal etwas distanziert begruesst. Wie von wickedcampers nicht anders zu erwarten, ist es nicht gerade ein Prototyp eines gepflegten Autos. Aber die anfaengliche Scheu hat sich schnell gelegt; mittlerweile sind wir ueber siebenhundert Kilometer gefahren und haben unseren Mazda B 2000 halbwegs heimelig eingerichtet. Wir fahren immer bei offenem Fenster, weil es sonst nicht anders auszuhalten ist bei der unglaublichen Schwuele, die hier herrscht. Man fuehlt sich wie in den Tropen und faengt schnell an an den Sitzen zu kleben. Wobei unser Schmuckstueck eines Autos dagegen eine Waffe hat: Einen integrierten Heissluftofen, der permanent heisse, trockene Luft in den Innenraum blaesst. Dieses ausgekluegelte System befindet sich vorne unter den Sitzen und ist gemeinhin unter der Bezeichnung Motor bekannt. Gekoppelt ist das etwas schwachbruestige und sonor rumorende Ding ist auch noch an eine Gangschaltung, die einen zwangslaeufig an einen Knethaken eines Mixers, der in einem klebrigen Teig steckt, erinnert. Vor allem das Auffinden des dritten Ganges ist reine Glueckssache und geraet manchmal zur Geduldsprobe.

Wir haben uns aber daran gewoehnt und sind froh, dass wir vier Raeder unter uns, ein Dach ueber uns und einen durchaus gemuetlichen Schlafplatz dazwischen haben.

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Unsere erste Fahrt fuehrte uns in den Supermarkt, um uns mit Proviant einzudecken. Danach machten wir uns direkt auf den Weg gen Sueden, um unseren ersten Stop in Mission Beach einzulegen. Der Name ist in diesem Ort Programm und es gab wirklich nicht viel mehr als einen ganz netten, wenn auch etwas vom Wetter der letzten Tage mitgenommenen Strand zu bewundern. Daher sind wir direkt weiter gefahren, um in Townsville auf einem Campingplatz zu naechtigen. Wildes Campen ist in Australien naemlich leider nicht erlaubt, was allerdings wiederum das Gute mit sich bringt, dass wir jeden Tag eine Dusche haben, die man hier wirklich braucht, weil man sonst Gefahr laufen wuerde, als eine grosse klebrige Masse zu enden.

Schon die erste Fahrt war ein Erlebnis. Zu unserer rechten Seite konnten wir die vom Regenwald bewachsenen Berge bestaunen, zu unserer Linken das Meer, seine Zufluesse und ueberflutete Wiesen. Mittendrin befanden sich Plantagen, auf denen Bananen, Mangos, Zuckerrohr oder Lychees angebaut werden. Diese regionalen Erzeugnisse werden oftmals auch in kleinen Staenden am Strassenrand verkauft, doch Anne und ich waren schon versorgt.

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Der Himmel ueber uns war wolkenverhangen und zeigte sich von seiner stuermischen Seite. Die Wolken hingen tief ueber den Bergen und fern am Horizont blitzte es ununterbrochen. Ein dramatisches Schauspiel bot sich unseren mueden Augen und irgendwann erreichten wir die Gewitterfront auch. Gluecklicherweise streiften wir sie nur leicht und die Regenguesse waren zwar heftig, aber nur von kurzer Dauer. Den Froeschen schien diese Wetterlage zu gefallen, denn sie beschlossen, sich dem Regen auf der Strasse auszusetzen. Ich sage an dieser Stelle am besten nur soviel dazu: Platsch und Matsch. Auch Schlangen kuscheln sich offensichtlich sehr gerne zwischen Teer und Reifen ein… Ganz zu schweigen von teilweise kartoffelgrossen Insekten, die ihre Ankunft auf der Stirnflaeche unseres Kilometerfressers gerne mal mit einem lauten Knall unterstrichen. 

Heute sind wir in Airlie Beach angekommen, mit einem Zwischenstopp in Bowen. Dort haben wir in einem Cafe gegessen, das uns von einem bayrischen Freund empfohlen wurde – mein Beefwrap war in der Tat lecker. Unterwegs lagen heute zur Abwechslung staendig Kaenguruhs am Strassenrand, die dort mit Sicherheit keine Nickerchen gehalten haben. Deswegen stehen hier auch ueberall Warnschilder, die den unbedarften Backpacker vor den Gefahren warnen, die mit der hiesigen Fauna einhergehen. Ob Kaenguruhs, Cassowaries oder profane Schafe, hier treibt sich ziemlich viel auf den Strassen herum. Und damit man nicht rast, stellt der Staat Queensland mehr als eindeutige Botschaften entlang der Highways auf, wie z.B. „Rest or R.I.P.“. Dies bedeutet frei uebersetzt ‚Raste oder ruhe in Frieden‘ – alles klar?!

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Zum Staerken seiner Reisekraefte hat man hier viele Moeglichkeiten. Ich habe festgestellt, dass hier in jedem halbwegs groesseren Oertchen die ganze Fastfood-Armada an vorderster Front steht. Ob McDonald’s, Hungry Jack’s, KFC oder Subway, mindestens drei dieser Ketten sind immer in jedem popeligen Ort zu finden.

So auch in Airlie Beach, wo Anne und ich unseren Supercamper schon auf einem Campingplatz abgestellt haben. Die Stadt an sich hat nicht viel zu bieten. Die Hauptstrasse ist mit Touristenlaeden vollgepappt und die Straende sind nichts besonderes. Der Grund, weshalb hier soviele Leute hinkommen, ist die guenstige Lage des Ortes als Ausgangspunkt fuer Touren zu den Whitsunday Islands. Diese vorgelagerten Inseln sollen wunderschoen und einen Besuch wirklich wert sein. Das hoffen Anne und ich auch sehr, denn morgen steht eben ein solcher Ausflug an. Einen Tag lang Bootfahren, sich an weissen Sandstraenden flaezen und wunderschoene Panoramen geniessen, klingt doch gut. Wir sind jedenfalls sehr gespannt und hoffen, dass es nicht regnen wird… Und falls doch, springen wir zum Schnorcheln ins Meer, da ist es auch nass. 

Feuchte Albtraueme sehen jedenfalls anders aus. 

Bleibt trocken!





Foehnwelle

15 01 2008
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Nun stecke ich mitten im semiariden Nichts und meine Tour ins gnadenlose Outback habe ich mittlerweile hinter mich gebracht.

Angefangen hat alles mit einem Flug von Sydney nach Alice Springs. Die Landschaft, die unter uns vorbeigezogen war, ist durchaus abwechslungsreich gewesen. Kurz hinter Sydney begann die Einoede, die von Spinifex und Eukalypten aufgelockert wurde, gefolgt von steinigem, rotem Sandmeer und ein paar Salzseen zwischendurch.

Als Anne und ich wohlgenaehrt dank ‘low-fat-food’ aus dem Flugzeug ausstiegen, stiessen wir erstmal gegen ein Hitzeschild der Natur, als ob wir gegen einen heissen Luftstrom eines Foehns laufen wuerden. Die Luft war trocken und brannte in den Lungen.

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Unser preisgekroentes Hostel in Alice Springs entpuppte sich als leicht gammliger Bretterverschlag, aber immerhin gab es eine Klimaanlage im Zimmer.

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Am ersten Tag der Tour wurden wir um sechs Uhr morgens abgeholt. 20 abenteuerhungrige, meistens junge Leute waren wir im Bus. Wir fuhren erstmal vier bis fuenf Stunden durchs Outback zum Flughafen von Yulara, um Person Nummer 21 abzuholen. Auf die Frage, wie lange die Fahrt dauern wuerde, antwortete unser Tourguide nur ‘je nach Wind’ - letzterer kann naemlich unerwartete Staerke und Heftigkeit erreichen. Unterwegs sahen wir am Strassenrand tatsaechlich eine Windhose, von der der Bus einmal durchgeruettelt wurde…

In Yulara angekommen, besichtigten wir zuerst das Aborigine-Center, um uns im Vorhinein ein bisschen Hintergrundwissen zu beschaffen. Danach stand tatsaechlich die Wanderung zum groessten Monolithen der Welt an. Schon unterwegs haben wir ihn von Weitem gesehen und ich war geplaettet vom Anblick eines der bekanntesten Naturgebilden der Welt. Wie aus dem Katalog lag dieser urzeitliche Stein eingebettet im Wuestensand vor uns. Der Tourguide fuehrte uns zu ein paar Stellen am Stein, die von den Aborigines als heilig angesehen werden und erklaerte uns die Bedeutung dieser Hoehlen, Einbuchtungen und Schlitzen.

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Der Uluru ist, wenn man ihn von Nahem und von allen Seiten betrachtet, viel zerkluefteter und unregelmaessiger in seiner Form, als man es nach dem Anblick von der weltbekannten, buchstaeblich einseitigen Ansicht erwartet. Es ist beeindruckend, welche Gestalten des Monolithen sich einem aus verschiedenen Blickwinkeln anbieten. Nach der kleinen Einfuehrung unseres Tourguides machten wir uns auf zur Wanderung um den Felsen herum. Es sind zehn Kilometer gewesen, die man in sengender Hitze zu bewaeltigen hatte. Die Sonne brannte gnadenlos auf mein neuerdings in Cowboymanier behuetetes Haupt und die Luft war zum Schneiden. Unser Guide ermahnte uns staendig, genuegend zu trinken, weil wir sonst ganz schnell eines Hitzetodes sterben koennten. Zu solch einer Dramatik ist es zum Glueck nicht gekommen, aber nachdem wir erzaehlt bekommen haben, dass letzte Woche eine japanische Touristin bei der Besteigung (die man uebrigens tunlichst unterlassen sollte!) des Ulurus aufgrund eines Herzinfarktes gestorben sei, hielten wir uns natuerlich an die Trinkvorgaben. Doch trotzdem waren am Ende der Tour einige Leute leicht gehydriert. Das zeigte uns allen, dass man der Natur in diesem Gebiet trotz aller Errungenschaften der Zivilisation doch sehr grossen Respekt zollen muss!

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Hungrig wie unsere Reisegruppe nach diesen Anstrengungen war, fuhren wir zum Sonnenuntergang zu einem Punkt, von dem aus wir die beruehmte Postkartenansicht des Ulurus bestaunen konnten, um dabei unser asiatisch angehauchtes Abendessen zu uns zu nehmen. Die Gaensehaut erzeugende Kulisse wird mich dieses Abendessen so schnell nicht vergessen lassen.

 Anders als erwartet, uebernachteten wir nach diesem Tag zwar in Outdoorschlafsaecken unter freiem Sternenhimmel, doch nicht in der Wildnis, sondern auf einem Campingplatz, was dem Reiz dieses Erlebnisses jedoch keinen Abbruch tat. Immerhin konnten wir die Sanitaeranlagen des Platzes nutzen und mussten den naechsten Tag nicht stinkend antreten.

Diesen starteten wir im Uebrigen an derselben Stelle, wie wir den davor beendet  hatten - mit dem Blick auf den Uluru. Die aufgehende Sonne hat den Monolithen in ein schattiges Gebilde verwandelt und es schien, als ob sich der grosse Stein bewegen wuerde.

Der zweite Tag stand im Zeichen der Olgas respektive Kata Tjuta, wie die Bergkette jetzt (wieder) genannt wird, zu der wir wieder ueber einen der einsamen Wuestenhighways fuhren. Unterwegs sahen wir am Strassenrand eine wilde Kamelkolonie. Kamele? In Australien? Richtig gelesen. Die wurden hier im neunzehnten Jahrhundert zu Eroberungszwecken des Outbacks eingefuehrt (Pferde hielten die Hitze nicht aus) und nach getaner Arbeit in die Wildnis gelassen. Da die Kamele hier von keinen natuerlichen Feinden gefaehrdet sind, konnten sie sich seitdem fleissig vermehren und das Outback fuer sich erorbern.

Kata Tjuta, das wir anschliessend erklommen haben, beeindruckte mich sogar noch mehr als der Uluru. Es hat wirklich Spass gemacht diese roten Gesteinsformationen zu erklimmen, sich durch Felsspalten zu zwaengen und hinter jeder Ecke auf eine unerwartet gruene Vegetation, die sich in weitlaeufigen Ebenen zwischen den Huegeln ausbreitete, zu stossen. Nach dieser ueberraschend spektakulaeren Expedition fuhren wir zur Kings Creek Station, wo wir die Nacht verbringen wuerden. Unterwegs sammelten wir im Busch am Strassenrand Feuerholz fuer das abendliche Lagerfeuer, das wir geplant hatten. Das Sammeln des Holzes kann sich unter Umstaenden als etwas gefaehrlich herausstellen, denn unter jedem Zweig koennen sich hier hochgiftige Schlangen, Spinnen und sonstige, womoeglich noch unbekannte Gefahren, befinden. Gut, ganz so dramatisch war die Aktion nicht, jedoch ziemlich dornig, stachelig und staubig.

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Etwas geraedert von der Hitze, war ich dann froh, in der Station in den Pool springen zu koennen. Welch erfrischende Wohltat mitten in der Wueste! Wasser sparen muss man in dem Gebiet, in dem wir uns bewegten, nicht wirklich. Unterirdische Wasserlaeufe versorgen die Menschen mit soviel Wasser, dass ich kein schlechtes Gewissen bei einem Sprung in den Pool haben musste. Dank dieser Wasserquellen, die sich hier aufgrund der Great Dividing Range unter der Erde befinden, ist dieses Gebiet uebrigens eines der wenigen in Australien, das keinen Wasserrestriktionen unterliegt!

Nach dem Abendessen, das aus Chili con carne aus dem Wok bestand, gab es sozusagen als Dessert “Rootail” - Kaenguruhschwanz! In der Glut des Lagefeuers bereitete unser Tourguide diese australische Delikatesse zu, was eine recht stinkige Angelegenheit gewesen ist, als das Kaenguruhfell verbrannte. Es roch wie beim Huehnchenrupfen! Zum Glueck schmeckte das Fleisch des Schwanzes einfach nur nach zartem Kaenguruhfleisch, welches ich hier in Australien zu schaetzen gelernt habe. Es ist uebrigens eine der gesuendesten Fleischsorten, die es gibt (gesuender als Rind oder Schwein); fett- und cholesterinarm, dazu noch lecker - was will man mehr?

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Gesaettigt und gluecklich ueber den bisherigen Tourverlauf, entschlummerte ich in meinem “Swag” (der auf einem Ameisenhaufen lag) unter freiem Sternenhimmel und freute mich auf den naechsten Tag, der uns zum Kings Canyon fuehren sollte.

Wie der Name es schon andeutet, erwartete uns ein bergiges Gebiet roten Felsgesteins, das sich im Laufe von Millionen Jahren zu einer spektakulaeren, mondartigen Landschaft auspraegte. Unsere Wanderung fuehrte uns am fruehen Morgen, als es noch kuehl war, zuerst auf den ‘Heart-Attack-Hill’. Dies ist eine steile, stufige Felswand, an der sich dem Namen nach schon manches menschliches Schicksal entschieden haben muss. Man moechte gar nicht wissen, wieviele an Bluthochdruck leidende Buerohengste dort schon ihr Gleichgewicht verloren haben. Es gab ueberall Warnschilder, die einen auf diese Moeglichkeit des fruehzeitigen Ablebens hingewiesen haben.

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Da unsere Reisegruppe allerdings aus jungen, vitalen Leuten bestand, kamen wir unbeschadet auf der Spitze an, um dann weiter auf dem Gebirgskamm entlangzuwandern. Die Ausblicke von diesen in Schichten zusammengepressten Gesteinsbloecken waren schier unendlich spektakulaer und nur vom weiten Horizont begrenzt. Ich wunderte mich etwas ueber das Bild, das sich mir bot, weil ich solch eine Landschaft nicht auf dem Planeten Erde erwartete, sondern eher auf dem Mars. Die sproede Schoenheit dieser kargen und gleichzeitig vielfaeltigen Landschaft liess diesen Ausflug zum Kings Canyon zu meinem persoenlichen Highlight werden. Erst recht, als wir an eine Stelle zwischen den Felsen gelangten, in der ein Mikroklima herrscht und die sich ‘Garden of Eden’ nennt. Ich blickte auf eine gruene, erfrischende Oase paradiesischen Ausmasses, die so unwirklich schien, dass ich erst dann daran glaubte, als ich meine Fuesse ins kuehlende Nass des vom Grundwasser gespeisten Wasserloches tauchte. Es war einfach nur zum Geniessen und ich grinste innerlich apathisch vor mich hin. Irgendwann wurde ich von meinen Mitreisenden aus meinem Tagtraum geweckt und nachdem ich mich so wunderbar erholt hatte, war ich auch wieder bereit, mich auf den Rueckweg durch diese gluehende, unwirtliche Landschaft zu begeben.

Als der Tag sich seinem Ende zuneigte und wir uns auf der Rueckfahrt nach Alice Springs befanden, kamen wir unterwegs an einer Kamelfarm vorbei; natuerlich mit dem Hintergrund, die Kamele mal aus der Naehe zu betrachten. Sie hatten ein weiches Fell und schienen mir sanftmuetig und stur, wie ein Esel mit Hoeckern. Das Angebot eines Kamelritts schlug ich natuerlich auch nicht aus und so sass ich dann sozusagen zum Abschluss der Tour das erste Mal in meinem Leben auf einem Kamel! Es war ein holpriger, spassiger Ritt, der leider viel schnell vorbei war; doch man soll ja klein anfangen.

p1020481.jpgWieder in Alice Springs angekommen, hatten Anne und ich das Glueck im Unglueck, dass unser mieses Hostel ueberbucht war und wir ohne einen Cent mehr zu bezahlen in einem vernuenftigen Motel ungebracht wurden. Die Dusche nach drei Tagen Outback war wirklich eine Wohltat. Uebrigens bin ich hier unter die ganz harten Kerle gegangen und dursche nur noch eiskalt respektive so kalt, wie es nur moeglich ist. Dreht man naemlich hier einen Wasserhahn auf, kommt das Wasser nicht kalt herausgeflossen, was man ja noch nachvollziehen koennte, ist es in Deutschland im Sommer doch auch wesentlich waermer als im Winter. Hier jedoch ist es nicht nur lauwarm, sondern fast schon heiss!

 Abends nahm die ganze Reisegruppe noch an einem Abschiedsessen in einer Bar in Alice Springs teil, welches fuer manch eine Person in einem kleinen Biergelage endete. Fuer mich zum Glueck nicht, doch einen langen erholsamen Schlaf, den ich nach der Outbacktour brauechte, um mein Schlafdefizit auszugleichen, habe ich trotzdem nicht bekommen, weil der Abend noch sehr lang wurde. Es hat Spass gemacht, nochmals mit allen zusammenzusitzen und die letzten Tage revue passieren zu lassen.

Vielleicht lullt mich das Schaukeln des Flugzeuges ein, in das ich in drei Stunden steigen werde. Das Kapitel ”Outback” wird vorerst geschlossen, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich es bald wieder oeffnen werde. Doch nun geht es erstmal an die nicht ganz so hitzige Ostkueste Australiens. Und wenn uns die Wassermassen nicht den Weg versperren werden, treffen Anne und ich in anderhalb Wochen wieder in Sydney ein…

Auch darueber werde ich ausfuehrlich berichten. Seid jedoch nicht erstaunt, wenn ihr etwas laenger als sonst auf Neuigkeiten meines Abenteurerdaseins warten werdet; denn ohne regelmaessigen Internetzugang koennte sich das Blogschreiben etwas schwierig gestalten…

Bleibt am Ball!

Ps: www.therocktour.com.au - einfach unter ‘Photo gallery’ schauen und “The Rock Tour 12th January 2008″ anklicken! 

NACHTRAG: Fotos gibt es, sobald ich ein vernuenftiges Internetcafe gefunden haben werde… Das gestaltet sich naemlich etwas schwierig.