Adam Pass - ein Name, ein Vollidiot

13 02 2008

Ganz oben in dem Erker, da ist der Aufenthaltsraum 

Bevor ich meine ‘traurige Geschichte’ fortsetze, moechte ich euch zwischendurch an den aktuellen Geschehnissen meines Lebens teilhaben lassen.

Vorgestern ist naemlich wieder etwas ’spannendes’ passiert. Eigentlich wollte ich abends, um halb acht, nur fernsehgucken. Ich ging in den Aufenthaltsraum im siebten Stockwerk meines Hostels und pflanzte mich auf die bequemste Couch im Raum. Mit einer Tuete billiger Chips bewaffnet, setzte ich mich neben das Maedel, das schon dasass. Zu meiner linken sass ein Mann in einem Sessel. Offensichtlich ein Fernsehjunkie, denn er verbrachte gerne mal seine ganzen Tage vor der Glotze. Er hat immer einen Rucksack und eine rote Tasse dabei.

Als die Sendung anfing, die ich schauen wollte, stand dieser ominoese Mann auf, ging zum Fernseher und in dem Moment, in dem er danach fragte, ob es uns etwas ausmachen wuerde, wenn er das Programm umschaltete, tat er es auch schon. Das Maedel und ich schauten uns ein paar Sekunden lang verdutzt an und beschlossen, uns nicht einfach so geschlagen zu geben. Schliesslich war er alleine und wir zwei - demnach in der Ueberzahl. Also entgegneten wir, dass es uns durchaus etwas ausmachte und so ich schritt zum Fernseher und schaltete wieder um.

In dem Moment sprang der Kerl aus seinem Sessel, kam zu mir an den Fernseher und stellte sich demonstrativ auf meinen linken Fuss. Es sollte wohl eine Drohgebaerde sein, wie es auch seine Koerperhaltung und sein Gesichtsausdruck nochmals unterstrichen. In einem aggressiven Ton redete er auf mich ein und meinte, dass das Maedel und ich ja nach unten gehen koennten, da wuerden die Leute die Sendung auch schon schauen. Als ich nach unten auf meinen Fuss schaute, sprang er von diesem weg und tat so, als ob er es nicht gemerkt haette und entschuldigte sich dafuer scheinheilig. Ich liess mich von diesem dummen Balztanz allerdings nicht beirren und meinte nur, dass er genauso nach unten gehen koennte, zumal er es nicht genau wissen konnte, ob die Sendung dort unten auch geschaut werden wuerde und er in der Minderzahl ist.

So schritt ich zurueck zu meinem Sessel, waehrend das Maedel und ich immer noch mit ihm herumdiskutierten. Ploetzlich kam er wieder auf mich zu, schubste mich leicht und demonstrierte mir so, dass die Sache noch nicht gegessen ist fuer ihn. Er kam ganz nah an mich heran, sein Gesicht war nicht mehr als fuenf Zentimeter von meinem entfernt, was ich als ziemlich eklig empfand. Seine Augen wollten mich auffressen, doch ich verzog keine Mine. Ich hatte keine Lust, meine wertvolle Lebensenergie fuer solch ein unterentwickeltes, primitives Haeufchen Elend zu verschwenden. So wartete ich ab und stand ganz still vor ihm, ohne auf ihn zu reagieren. Waehrenddessen wurde er immer lauter und seine Worte immer hitziger. Er schwafelte aufgebracht vor sich hin, ich nahm noch nicht mal richtig wahr, was genau er sagte. Doch ploetzlich fing er an, mich zu beleidigen. Er bezeichnete mich als ‘Fucker’ und ‘Cunt’ (schaut jetzt lieber nicht im Woerterbuch nach).

Ich schaute zum Maedel herueber und sah ihr an, dass sie genauso entsetzt war wie ich. Dann wendete ich mich immer noch nichtssagend dem Unruhestifter vor mir zu . Wie aus dem nichts vernahm ich ploetzlich einen Schlag von der rechten Seite. Das Spatzenhirn hatte mir ins Gesicht geschlagen! Nicht wirklich fest, aber durchaus vernehmlich und nicht angenehm. Vor allem aber aus einem grotesk unwichtigen Grund: Fernsehen. Und das auch noch, obwohl er im Unrecht lag!

Etwas verdutzt machte ich einen Schritt zurueck. In dem Moment packte der Typ seine Sachen und lief aus dem Raum. Das Maedel sprang von der Couch auf und meinte ‘ihm nach!’. Sie lief dem Typen hinterher, ich folgte ihr. Doch er war schon ueber alle Berge, irgendwo verschwunden. Wir liefen daher nach unten zur Rezeption, um ueber den Vorfall zu berichten.

Der Herr mit dem Besen hat die Polizei gerufen

Die Leute an der Rezeption waren zum Glueck sehr behilflich und sperrten die Eingangstuer zum Hostel ab und meinten, dass der Typ hier nicht unbescholten rauskommen wuerde. Sie riefen direkt die Polizei. Unterdessen machte ich mich mit einem Rezeptionisten auf die Suche nach dem Gewalttaeter. Wir schauten in jedes Zimmer des Hostels, angefangen auf der siebten Etage. Natuerlich fanden wir ihn erst auf der ersten Etage, in seinem Zimmer. Er spielte auf seinem Gameboy und fing an, natuerlich direkt eine andere Geschichte zu erzaehlen.

Nach zwei Stunden kam dann die Polizei (offensichtlich kann man sich auch in Australien auf die Polizei als Freund und Helfer verlassen - ahem). Er wurde verhaftet und im Hundekaefig des Polizeiautos abgefuehrt. Ich fuhr mit der Polizei zur Station, um eine Aussage abzulegen. Die Beamten fanden den Verbrecher auch ziemlich bloed und nannten ihn auch ‘Dickhead’. Er stellte sich stumm und sprach nicht mit ihnen. Die Nacht verbrachte er wohl auf der Polizeistation. Am naechsten Tag erfuhr ich, dass er heute eigentlich nach England zurueckfliegen sollte. Nun sitzt er hier in Australien fest. Wir sehen uns vor Gericht wieder.

Und der Grund? Home and Away.

Aber keine Sorge, mir geht es gut. Das aergerliche ist nur, dass ich eine unterhaltsame Fernsehsendung verpasst habe.





Opera is true…

19 12 2007

Opernhaus

Nach ueber dreieinhalb Monaten in Sydney war es am letzten Samstag endlich soweit – ich besuchte ein klassisches Konzert im weltberuehmten Sydneyer Opernhaus! 

Schon an meinem ersten Tag in Sydney habe ich es von aussen betrachten duerfen, was eher ein Zufall gewesen ist. Ich hatte mich einfach entlang einer der laengsten Strassen Sydneys in Richtung Hafen aufgemacht und prompt stiess ich am Hafen auf die klassische Postkartenansicht Sydneys. Zu meiner Linken hatte ich ploetzlich die Harbour Bridge im Blick, zu meiner Rechten das Opernhaus. Vor allem letzteres zauberte direkt ein Laecheln auf mein Gesicht. Obwohl ich gejetlagt und nicht wirklich gut gelaunt gewesen war, verspuerte ich beim Anblick des Opernhauses ein ueberwaeltigendes Gefuehl der Freude. Es war schier unbeschreiblich, auf ein Mal vor einem der groessten architektonischen Wahrzeichen der Welt zu stehen.  

In den naechsten Tagen, Wochen und Monaten bestaunte ich dieses aussergewoehnliche Gebaeude von allen Perspektiven aus und machte ganz viele Fotos. Aus jedem Blickwinkel wirkt es anders; facettenreich ist es im wahrsten Sinne des Wortes. Die hundertausenden, wenn nicht sogar Millionen von Fliesen, mit denen das Opernhaus verkleidet ist, verleihen ihm beim genaueren Hinsehen ein nahezu animalisches, reptilienartiges Aussehen. Man kann sozusagen von einem chamaeleonartigen Aeusseren sprechen, so vielfaeltig kann sich einem dieses faszinierende Gebaeude darstellen.  

Tickets

Ich weiss  nicht, ob es an unterschwelliger Ehrfurcht lag, aber erst zwei Wochen vor meinem Besuch des Konzerts traute ich mich das erste Mal in das Innere des Opernhauses zu treten. Vorher hatte ich irgendwie nie den Drang verspuert, hineinzugehen, womoeglich weil ich unterbewusst Angst hatte, dass sich meine traumhaften Vorstellungen und  Assoziationen mit dem Hause ploetzlich in Luft aufloesen koennten.  

Beim Ticketkauf war der erste Eindruck vom Inneren in der Tat etwas ‚matt‘; der Zahn der Zeit nagt auch an einer solchen architektonischen Ikone. Eine leichte Brise Siebziger-Jahre-Miefs wehte mir beim Eintreten entgegen, legte sich aber alsbald ich mich umsah und den Detailreichtum wahrnahm, der mich umgab. Da ich an dem Tag leider nicht an den Sicherheitsbeamten in Richtung der Konzertsaeaele vordringen konnte (ohne gueltige Tickets kommt man logischerweise nicht durch), besuchte ich zumindest die ganz oeffentlichen Toiletten, was jetzt laecherlich klingen mag, aber durchaus Aussagekraft in Bezug auf die Instandhaltung des Gebaeudes besitzt. Und tatsaechlich, die ‚Klos‘ sind schick, aussergewoehnlich und modern gestaltet. Da besucht man sogar ein oeffentliches Oertchen mit einem wohligen Gefuehl, ohne angewidert hinauszufluechten.   

Konzert

Am Tag des Konzerts war ich eigentlich mehr auf das Gebaeude gespannt, als auf die Musik, weswegen ich eigentlich mit zwei Freundinnen dort war.Da wir drei uns nicht wirklich als Kenner klassischer Musik bezeichnen koennen, trotzdem oefters und gerne solch wohligen Klaengen lauschen, besuchten wir „Tchaikovsky’s Fantasy“, was ein Potpourrie von ganz bekannten Werken darstellte, die einem Jeden bekannt sein duerften. Sei es aus Radio- und Fernsehwerbung, Filmen oder aus melodischen Grundlagen fuer manch ein Pop-Musik-Stueck, jeder muesste die Melodien im Kopf haben oder zumindest beim Hoeren wiedererkennen koennen.

Dem war auch in der Tat so und wir genossen die zweistuendige Vorstellung in vollen Zuegen. Zuerst zwar aus einer der letzten Reihen des riesigen Konzertsaals, was dazu fuehrte, dass wir nach einiger Zeit das Orchester nur noch verschwommen wahrnahmen, weil es die Augen so angestrengt hatte, so weit in die Ferne zu schauen. Doch nach der Pause waren wir einfach ganz dreist und zogen nach unten auf wohl recht kostspielige Plaetze, die wir zuvor als nicht belegt ausgemacht hatten. Da uns niemand deswegen schief angeguckt hatte und wir nicht die einzigen waren, die das gemacht hatten, blieben wir ruhigen Gewissens sitzen und genossen den zweiten Teil des Konzerts nun aus der Naehe zum Dirigenten und dem Orchester, welches jetzt umso klangvoller zur Geltung kam.  Macquaries Point

Nach dem Konzert nutzten wir die Gelegenheit zur Inspektion des Gebaeudes. Und es ist wirklich der Wahnsinn, was hier aus gewoehnlichen Bauwerkstoffen als Massstab fuer die moderne Architektur postuliert wurde! Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und ergoetzte mich am Anblick der waghalsigen Formensprache aus Stahl, Holz und Beton. Meine Ausschweifungen nahmen jedoch ein jaehes Ende, als die „Beamten fuer Recht und Ordnung“ sanft, aber nachdruecklich darum baten, das Haus zu verlassen… 

Doch eines steht fest: Ich komme wieder! 

Schaut euch einfach die Fotos an und lasst euch beeindrucken; auch auf die Gefahr hin, dass auf den Fotos die Stimmung nicht herueberkommt, die das Opernhaus ausloesen kann…





Shalom! Eine Kugel Vanilleeis mit Panier, bitte!

10 12 2007

Eis„Das muss ich probieren“, dachte ich mir, als ich gestern mit Anne und Michi am beruehmten Bondi Beach gewesen bin – Fried Ice Cream. Eine Eiskugel im Teigmantel, in Frittenfett getaucht; hoerte sich doch ganz vielversprechend an. Kulinarische Genuesse auf die australische Art eben. Doch die Enttaeuschung kam prompt beim ersten Loeffelchen. Aussen war das Eis gar nicht wirklich heiss, weil es innen unglaublich stark gefroren gewesen ist. Nun denn, der Plastikloeffel ist trotzdem nicht beim Essen zerborsten, dank der Aussentemperaturen von ca. 25 Grad schmolz das Eis dann doch ganz nett auf der Zunge. Spektakulaer war dieses Geschmackserlebnis nicht, dafuer aber sehr interessant. Als die Eiskugel so in der Friteuse herumschwamm, war ich doch sehr gespannt, was dabei herauskommen wuerde.

Mit Bondi Beach verhaelt es sich im Uebrigen so aehnlich wie mit der Fried Ice Cream. Was hoert man nicht immer, wie toll dieser Strand sein soll, was fuer schoene Leute dort herumlaufen sollen und wie schoen die Landschaft generell sein soll. Die Ernuechterung kommt dann auch relativ schnell, wenn man aus dem Bus steigt, den Strand mit einem Augenschweif ueberblicken kann und die Betonkloetze drumherum sieht. Das erinnert alles ein bisschen an Monaco. Zugegeben, nicht ganz so schlimm verbaut und von plattenbauaehnlicher Haesslichkeit gepraegt und auch der Strand an sich ist wirklich huebsch. Aber ansonsten gibt es dort wirklich nicht viel, was einen solch weltbekannten Ruf rechtfertigen wuerde. So ist es einfach ganz nett dort und es ist lustig zu beobachten, wie die Surfer mit Ihren Brettern aus dem Wasser steigen und plitschnass ueber die Strasse nach Hause laufen. Doch es gibt definitiv angenehmere Straende in Sydney.

Als Anne, Michi und ich abends entlang der Promenade schlenderten, nachdem wir vorher noch bei einem Mexikaner essen gewesen sind (bei mir gab’s einen Burrito mit Shrimps!), entdeckten wir am Rande eine kleine Chanukkafeier. Die Leute tanzten ganz ausgelassen zu etwas zu beatlastiger Klezmermusik und zelebrierten auf diese Weise ihr Lichterfest. Der Chanukkaleuchter, unter dessen Licht sich das ganze Schauspiel abspielte, war ein recht imposantes, ca. Vier Meter hohes Stahlkonstrukt, das auf einem Auto-Anhaenger stand. Junge und Alte feierten miteinander und auch die Schaulustigen hatten ihren Spass, sieht man ein solches Fest doch nicht jeden Tag. Ich zumindest habe es das erste Mal gesehen und fand es sehr interessant.

Shalom Bondi!

Heute habe ich erfahren, dass mich Hendrik, ein Freund aus Koeln, im Februar hier in Sydney besuchen kommen wird! Wahnsinn, ich kann das noch gar nicht richtig glauben. Zwar habe ich vor meiner Abreise immer gesagt, dass Ihr alle mich durchaus besuchen kommen koennt – doch wirklich geglaubt habe ich ehrlich gesagt nicht daran… Umso positiver bin ich jetzt ueberrascht und freue mich wirklich wie ein kleines Kind auf den Weihnachtsmann, dass der Hendrik hier auftauchen wird! Ich ueberlege jetzt schon, was wir dann alles unternehmen werden; hier kann man so vieles sehen und nachdem ich anfangs, als ich hier angekommen war, nicht wirklich in Reisestimmung gewesen bin, verspuere ich nun immer mehr den Drang, moeglichst vieles von hier ‚mitzunehmen‘. Es ist so etwas wie Reisefieber in mir ausgebrochen! 

Obwohl ich schon seit nunmehr dreieinhalb Monaten hier bin, bin ich dem Gefuehl nach jetzt erst richtig hier angekommen. Ich weiss jetzt richtig zu schaetzen, was fuer eine tolle Gelegenheit diese Reise fuer mich darstellt, neue Erfahrungen zu sammeln und mich von den Eindruecken berauschen zu lassen, denen ich tagtaeglich ausgesetzt bin und die noch intensiver werden, wenn ich erstmal aus Sydney herauskommen werde, um Australien fuer mich zu erobern!

 Ich werde euch auch dann natuerlich immer auf dem Laufenden halten und euch immer mitteilen, was mit mir passieren wird und wo ich gerade sein werde. In diesem Sinne: Lasst es euch schmecken!  

Ps: Deep Fried Mars-Bars kann man hier auch kaufen – die sehen aus wie Fischstaebchen und wenn man Pech hat, werden sie auch im selben Fett frittiert wie diese und schmecken dann entsprechend fischig-suess…;-)





Street (f)art

28 11 2007

Muelltonnengraffiti

Als ich in Sydney ankam, habe ich mich ueber manche Erscheinungen am Strassenrand schon etwas gewundert. Wo sonst kann man auf dem Buergersteig mitten in der Stadt auf umgekippte Einkaufswagen oder an Stromleitungen aufgehaengte Schuhe stossen?

Das mit den Einkaufwagen kann man ja noch als Zufaelle interpretieren, aber zahlreiche Schuhpaare ueber meinem Kopf sprechen eine eindeutige Sprache: Das ist Street art. Ob Vandalismus oder anarchisch angehauchte Form des kuenstlerischen Ausdrucks, das muss jeder selbst fuer sich entscheiden. Tatsache ist aber, dass street art ein Stadtbild enorm auflockern und interessanter machen kann. Sicherlich entspricht es nicht der klassischen Interpretation ‚schoener‘ Kunst, aber Schoenheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und ist ganz wunderbar subjektiv.

Man muss nur die Augen offenhalten, dann kann man ueberall in Sydney Kunstwerke entdecken. Sogar bei mir um die Ecke, in meiner beschaulichen Vorstadt, laesst sich street art ausfindig machen. Ob Legomaennchen, Killer-Eichhoernchen oder Namen von schottischen Bands auf dem Buergersteig, da machen sich manche Leute wohl richtig viele Gedanken und stecken viel Muehe in so etwas rein, habe ich den Eindruck. Meistens muss es bei der Anfertigung dieser Kunst schnell gehen, daher wird sie oft mit Hilfe von Schablonen irgendwohin gesprayt. Man will sich ja nicht erwischen lassen, schliesslich war so etwas schon immer illegal und ein Akt der Anonymitaet (wobei man manchmal ‚leider‘ dazu sagen muss…).

Lego-Darth-VaderMeine Freundinnen Anne und Margret hatten jedoch schon mal das Glueck, zwei Jungs bei der Arbeit zu erwischen. Auf dem Nachhauseweg von einer Party entdeckten sie eine feuchte Spur an einer Hauswand und folgten wohl dem Geruch der Spraydose, um dann auf zwei nette Gemueter mit Schablone und Dose zu stossen. Stelle ich mir ganz lustig vor. Naechtliche Streifzuege durch die Strassen Sydneys sind ueberhaupt praedestiniert fuer die Entdeckung von street art. Was habe ich nicht schon alles gesehen… Ein Mal haben Anne und ich eine Muelltonne auf einem Autodach stehen sehen. Der Besitzer der Tonne wird sich wohl nicht gefreut haben, noch weniger der Besitzer des Autos, doch uns hat dieses Bild tief ergriffen, hehe.

Eigentlich kann man (fast) alles als street art ansehen, was nicht einer staedtebaulichen Verordnung oder gutbuergerlicher Vorgartenspiessigkeit entspricht. Besonders amuesant ist es, wenn die Stadt selbst auf irgendwelche Waende Hinweise draufsprueht, dass man dort doch bitte keine Poster oder Werbung aufhaengen soll – alles klar?!

In einer Ecke der engen Gassen  Melbournes haben die Oeffentlichen es wohl aber schon aufgegeben, solche Hinweise zu geben…  Da war ein ganzer Hinterhof voller Graffiti! Felix und ich hatten uns dort eine Auszeit genommen, um uns zu staerken und alles in Ruhe betrachten zu koennen. Davon gibt es einige Bilder, die ich euch nicht vorenthalten moechte, wie generell keines der Kunstwerke, die ich entdeckt und fotografisch verewigt habe.  Schaut mal bei den Fotos, ihr werdet staunen!

Um nochmals auf die eingangs erwaehnten Einkaufswagen zurueckzukommen – manchmal sind die Dinger ganz praktisch, wenn man zuviel eingekauft hat und es nicht mehr schafft, seine Einkaeufe nach Hause zu tragen. Dann sollte man sich einen der Wagen schnappen und ihn fuer seinen eigentlichen Zweck ‚missbrauchen‘. So wie ich es schon ein paar Mal gemacht habe…

 Unter anderem auch, um Kaenguruh-Steak zu transportieren, dass es bei mir gleich zum Mittagessen gibt. Heute gebe ich mir naemlich mal wieder Muehe beim Kochen, um etwas Vernuenftiges im Magen zu haben.Die Sonne scheint, mir geht es gut und nachher treffe ich mich noch mit Freunden auf ein Bier im Bavarian Bier Cafe. So kann man Tage verbringen…





Wurmnudeln vom Oger

26 11 2007

Campbell’s SoupEssen in Australien kann genauso abenteuerlich und ungewohnt sein wie das Leben und Reisen hier an sich. Heute Abend habe ich eine Dosensuppe, die ich im WakeUp!- Hostel  (alias ehemaliges Zuhause fuer 7 Wochen…) gefunden habe, gegessen. Von Campbell’s, der Firma, die dank Andy Warhol  als Tomatensuppen-Hersteller weltberuehmt wurde. So kunstvoll wie sich die Dosen auf den PopArt-Gemaelden Warhols darstellen, so kuenstlich schmeckte auch die heute Abend verzehrte Suppe. Green Chicken Soup with Worm Noodles, uuhh. Die Suppe war wirklich gruen und hat penetrant nach Haehnchen-Aroma geschmeckt – der bei Herstellern von Fertigessen allseits beliebte Geschmacksverstaerker liess gruessen. Immerhin waren in der Suppe nicht wirklich Wuermer enthalten, obwohl das der Nahrhaftigkeit durchaus gut tun wuerde… 

Nun denn, als Backpacker ist man eigentlich abhaengig von Essen, dass sich schnell und unkompliziert zubereiten laesst. Im Hostel durfte ich in Erfahrung bringen, was man alles aus gewoehnlichem Toast zaubern kann. Vor allem Briten fahren darauf ab, alles nur erdenkliche mit profanem Toastbrot zu sich zu nehmen. Da werden manchmal auch Maccaroni Cheese aus der Dose einfach auf ein Toast geklatscht und verzehrt… Das riecht dann so schoen saeuerlich nach Erbrochenem. Guten Appetit!  

Der australische Lebensmittelhandel wird vorrangig von zwei grossen Ladenketten dominiert: Woolworth’s und Coles. Viel Konkurrenzdruck entsteht da nicht; es scheint, als ob man den Lebensmittelmarkt guetig unter sich aufgeteilt hat und sich gegenseitig duldet. Entsprechend aehnlich sieht das Lebensmittelangebot und die Aufmachung der Laeden aus, beides ist  sehr amerikanisch angehaucht. Milch gibt es auch in drei Liter grossen Plastikkanistern, Joghurt ist hier in der Regel eine reine Chemieploerre und Wurst besteht hier selten aus organischen (tierischen) Bestandteilen. Brot ist allgemein als pappweiches Toast bekannt, aber das ist ja in Holland nicht anders, von daher nichts ungewohntes.

Dafuer gibt es eine groessere Auswahl an Schokoriegeln und Kaenguruhfleisch ist hier alltaegliches Gut und nicht teurer als andere Fleischarten.

Aus Ermangelung kulinarischer Traditionen ist den Australiern die Guete und Vielfaeltigkeit des zu sich Genommenen offensichtlich nicht ganz so wichtig. Daher hatte ich eigentlich eine ueppige Auswahl an Convenience Food erwartet, wie Fertigessen aus der Tiefkuehltruhe hier genannt wird. Aber – oh Wunder – Pustekuchen! Hier gibt es viel weniger Auswahl an Fertigessen als in Deutschland. Und wenn es dann doch mal etwas halbwegs Vernuenftiges gibt, dann ist es so unverschaemt teuer, dass man gleich essen gehen und sich die Muehe des Einkaufens ersparen kann.

So kommt es, dass man sich als Backpacker hauptsaechlich von Nudeln mit Tomatensosse ernaehrt, in vielfaeltigster Ausfuehrung. Vor allem wenn man im Hostel lebt, ist dies die einfachste, schnellste und kostenguenstigste Variante eines ‚normalen‘ Essens. Jeden Tag, wenn es abends im Hostel zum Kochen in die Gemeinschaftskueche ging, konnte ich beobachten, dass mindestens 50 % der kochenden Leute das eben erwaehnte delizioese Mahl zubereiteten. 

Mittlerweile bin ich der Nudeln ueberdruessig geworden und esse sie nicht mehr wirklich mit Appetit. Ja, ich! Ihr habt richtig gelesen, so langsam kann selbst Tortellini-Tom keine Nudeln mehr sehen! Das ist auch der Grund, warum ich angefangen habe selbst richtiges Essen zu kochen. Ich wohne ja jetzt in einem vernuenftigen Haus mit allen Hausgeraeten, die einen soliden Haushalt auszeichnen.  

Ich habe auch ein paar Fotos hochgeladen, die zeigen, wie ich wohne – also schaut rein oder besser gesagt: Haut rein und lasst es euch schmecken!





Kommst Du heut’ nicht, kommst Du morgen… oder gar nicht.

24 11 2007

Das “System”, hehe…

Wenn man  Frisch in einer neuen Stadt angekommen ist, muss man sich ja erstmal zurechtfinden. Allein die Frage, wie man vom Flughafen in die Stadt kommt, kann dann schon manchmal nur sehr nervenaufreibend beantwortet werden…

Nun denn, wie man den einleitenden Worten entnehmen kann – OEPNV wie es schoen sperrig auf Deutsch heisst – ist eine abenteuerliche Angelegenheit. Hier nennt sich das Ganze einfach nur ‚Public Transport‘ – simpler Ausdruck,  noch simpleres System respektive simple Koepfe, die dahinter stecken. Mag vielleicht etwas zu boshaft klingen, trifft den Punkt aber ziemlich genau. Alles wirkt hier leicht desorganisiert.

Vom Flughafen kommt man nur mit einer privaten Bahn in die Stadt, die dann auch direkt fuenf Mal so viel kostet wie ein gewoehnliches Bahnticket. Ist man zu zweit unterwegs, kann man sich fuer den Preis auch ein komfortables Aussie-Taxi leisten, sprich: in der Regel einen weissen Ford Falcon und keinen elfenbeinfarbenen Mercedes.

In der Stadt angekommen, versucht man dann sich zurechtzufinden im Gewuehl der Busse, Bahnen und Faehren. Ottonormalbackpacker Tom schaut also auf den Fahrplan – und versteht erstmal nur „Bahnhof“. Wirre Listen von Zahlenansammlungen veraenstigen wahrscheinlich jeden, der sie das erste Mal zu Gesicht bekommt, so auch mich. Da liegt es ja nahe, doch mal zur Auskunft zu gehen, die sich in Sydney direkt vor meinem Hostel, in dem ich gewohnt habe, befindet. Als ich das erste Mal da gewesen bin und nach einer Auskunft verlangt hatte, habe ich die Dame hinter dem Fenster beim Haekeln gestoert. Wirklich auskunftswillig war sie nicht. Das zweite Mal sass ein junger Mann hinter dem Fenster, den ich offensichtlich beim Surfen im Internet gestoert habe. Die scheinen hier alle etwas enstpannter zu sein, dachte ich mir.

Das hiess im Umkehrschluss fuer mich, dass ich die ‚try and error‘-Methode anwenden musste. Also mal in den Bus eingestiegen, mal die Bahn genommen und geschaut, wo ich ankam. Nach einiger Zeit begann ich dann die Fahrplaene zu verstehen, die von wohlgeordneter deutscher Logik und Logistik weit entfernt sind, aber na ja, die nehmen das hier nicht so eng. Tickets kann man hier uebrigens an Automaten und beim Busfahrer kaufen und Eingestiegen wird auch nur vorne im Bus, wobei die Busfahrer peinlichst genau darauf achten, dass man ja ein Ticket hat. Dieses muss man naemlich vorne beim Fahrer in einem Automaten abstempeln lassen, wenn man in den Bus einsteigt.

Das mit den Fahrscheinautomaten ist auch so eine Sache. Mal nehmen sie keine Scheine, mal muss man wirklich den passenden Betrag einwerfen, sonst bekommt man kein Rueckgeld und manchmal funktionieren die Dinger auch einfach nicht. Aber das ist hier auch nicht so wichtig, weil man, zumindest wenn man Bahn faehrt, auch ohne Ticket in die Stationen hineinkommt. Zumindest etwas aussehalb der Stadt, in der City gibt es naemlich tatsaechlich ueberall Gates. Wer schon mal in London gewesen ist, weiss, wie die aussehen. Nirgendwo kommt man ohne Ticket rein oder raus. Ganz anders hier. Selbst nagelneue Bahnstationen werden einfach mal ohne Schranken gebaut! Also viel Spass beim Schwarzfahren, welches man hier durchaus gut anwenden kann. Kontrolleure gibt es viele, aber die sind sehr berechenbar. Steigen immer vorne im Zug ein und gehen nach hinten durch. Und uniformiert sind sie auch. Wenn man die Augen aufhaelt, passiert einem in der Regel auch nichts.:-) Da ich aber in der City aussteigen muss, habe ich eh ein Wochenticket. Ein Freund von mir faehrt aber grundsaetzlich schwarz, weil er nur an Bahnstationen ohne Schranken aussteigen muss. Man nutzt die Luecken im System, das lernt man als Backpacker sehr schnell, nicht nur in dieser Hinsicht, hehe. Was die Wochentickets angeht, so kann man diese am Automaten zum halben Preis kaufen, was eigentlich nur fuer australische Studenten und Rentner gedacht ist. Aber da man hier ja eh nicht kontrolliert wird, ist das auch egal. Muss man sich keinen gefaelschten Studentenausweis besorgen, was ich ja in Bangkok haette tun koennen, es aber leider versaeumt habe. So ein Mist.;-)

Zuege sind in der Regel recht puenktlich, Busse dagegen ueberhaupt nicht. So nach dem Motto ‚kommst Du heut nicht, kommst Du morgen‘, kann man sich auf die wirren Fahrplaene, die ich mittlerweile durchschaut habe, eh nicht verlassen. Manchmal kommen drei Busse mit der selben Nummer zur gleichen Zeit an und solche Scherzchen, aber daran gewoehnt man sich. Und was ich vergessen habe zu erwaehnen: Von sich aus halten die Busfahrer hier nicht an, wenn sie jemanden ander Haltestelle stehen sehen. Wenn man den Bus kommen sieht, muss man ihn hier wie ein Taxi heranwinken. Am Anfang kam ich mir dabei ziemlich bloed vor, aber das ist auch vergangen. Man lebt sich halt ein. Letztens bin ich zur Arbeit gefahren und so mir nichts, dir nichts, bremst der Busfahrer beim abbiegen an einer Kreuzung – er hatte eine Haltestelle nicht angefahren, obwohl Passagiere auf ‚Stop‘ gedrueckt hatten. Die durften dann auf der Kreuzung aussteigen. Na ja, immerhin wusste der Busfahrer den Weg. Hier kann es naemlich mal passieren, dass die Busfahrer keine Ahnung haben, wie lang sie fahren muessen, weil sie auf einer neuen Strecke eingesetzt werden. Fuer den Notfall gibt es am Strassenrand kleine gelbe Schilder, die anzeigen, welche Linie wo abbiegen muss. Manchmal hilft aber auch das nicht mehr weiter. Ein Bekannter hat es erlebt, dass ein Fahrgast einem Busfahrer den ganzen Weg ueber die Strecke vorsagen musste… Ahem, ja.

Da denkt man sich doch,  ‚ach, goenne ich mir heute mal ein Taxi‘, die hier nicht so wie z.B. in London uebermaessig teuer sind ‚und erspare mir das ganze Chaos‘. Haha. Ich durfte einem Taxifahrer auch schon den Weg erklaeren, weil er keine Ahnung hatte, wie er fahren sollte. Am besten ist es, wenn man nur mit Stadtplan ins Taxi einsteigt. Navigationssysteme scheinen hier nicht ganz so populaer wie bei uns zu sein…

Na ja, so viel dazu… Hoert sich ein bisschen nach Dritte-Welt-Land an; obwohl die Transportmoeglichkeiten logisch miteinander vernetzt sind, steht man manchmal wie ein Affe da und weiss nicht weiter, weil man keinen Durchblick hat. Aber als tapferer Backpacker gewoehnt man sich an alles. Man stumpft ab und regt sich irgendwann nicht mehr ueber solche Kleinigkeiten auf. Die Australier sind darauf eingestellt, Puenktlichkeit wird hier nicht wirklich erwartet wie bei uns. Strandgemueter eben, die Australier.;-)