Bevor ich meine ‘traurige Geschichte’ fortsetze, moechte ich euch zwischendurch an den aktuellen Geschehnissen meines Lebens teilhaben lassen.
Vorgestern ist naemlich wieder etwas ’spannendes’ passiert. Eigentlich wollte ich abends, um halb acht, nur fernsehgucken. Ich ging in den Aufenthaltsraum im siebten Stockwerk meines Hostels und pflanzte mich auf die bequemste Couch im Raum. Mit einer Tuete billiger Chips bewaffnet, setzte ich mich neben das Maedel, das schon dasass. Zu meiner linken sass ein Mann in einem Sessel. Offensichtlich ein Fernsehjunkie, denn er verbrachte gerne mal seine ganzen Tage vor der Glotze. Er hat immer einen Rucksack und eine rote Tasse dabei.
Als die Sendung anfing, die ich schauen wollte, stand dieser ominoese Mann auf, ging zum Fernseher und in dem Moment, in dem er danach fragte, ob es uns etwas ausmachen wuerde, wenn er das Programm umschaltete, tat er es auch schon. Das Maedel und ich schauten uns ein paar Sekunden lang verdutzt an und beschlossen, uns nicht einfach so geschlagen zu geben. Schliesslich war er alleine und wir zwei - demnach in der Ueberzahl. Also entgegneten wir, dass es uns durchaus etwas ausmachte und so ich schritt zum Fernseher und schaltete wieder um.
In dem Moment sprang der Kerl aus seinem Sessel, kam zu mir an den Fernseher und stellte sich demonstrativ auf meinen linken Fuss. Es sollte wohl eine Drohgebaerde sein, wie es auch seine Koerperhaltung und sein Gesichtsausdruck nochmals unterstrichen. In einem aggressiven Ton redete er auf mich ein und meinte, dass das Maedel und ich ja nach unten gehen koennten, da wuerden die Leute die Sendung auch schon schauen. Als ich nach unten auf meinen Fuss schaute, sprang er von diesem weg und tat so, als ob er es nicht gemerkt haette und entschuldigte sich dafuer scheinheilig. Ich liess mich von diesem dummen Balztanz allerdings nicht beirren und meinte nur, dass er genauso nach unten gehen koennte, zumal er es nicht genau wissen konnte, ob die Sendung dort unten auch geschaut werden wuerde und er in der Minderzahl ist.
So schritt ich zurueck zu meinem Sessel, waehrend das Maedel und ich immer noch mit ihm herumdiskutierten. Ploetzlich kam er wieder auf mich zu, schubste mich leicht und demonstrierte mir so, dass die Sache noch nicht gegessen ist fuer ihn. Er kam ganz nah an mich heran, sein Gesicht war nicht mehr als fuenf Zentimeter von meinem entfernt, was ich als ziemlich eklig empfand. Seine Augen wollten mich auffressen, doch ich verzog keine Mine. Ich hatte keine Lust, meine wertvolle Lebensenergie fuer solch ein unterentwickeltes, primitives Haeufchen Elend zu verschwenden. So wartete ich ab und stand ganz still vor ihm, ohne auf ihn zu reagieren. Waehrenddessen wurde er immer lauter und seine Worte immer hitziger. Er schwafelte aufgebracht vor sich hin, ich nahm noch nicht mal richtig wahr, was genau er sagte. Doch ploetzlich fing er an, mich zu beleidigen. Er bezeichnete mich als ‘Fucker’ und ‘Cunt’ (schaut jetzt lieber nicht im Woerterbuch nach).
Ich schaute zum Maedel herueber und sah ihr an, dass sie genauso entsetzt war wie ich. Dann wendete ich mich immer noch nichtssagend dem Unruhestifter vor mir zu . Wie aus dem nichts vernahm ich ploetzlich einen Schlag von der rechten Seite. Das Spatzenhirn hatte mir ins Gesicht geschlagen! Nicht wirklich fest, aber durchaus vernehmlich und nicht angenehm. Vor allem aber aus einem grotesk unwichtigen Grund: Fernsehen. Und das auch noch, obwohl er im Unrecht lag!
Etwas verdutzt machte ich einen Schritt zurueck. In dem Moment packte der Typ seine Sachen und lief aus dem Raum. Das Maedel sprang von der Couch auf und meinte ‘ihm nach!’. Sie lief dem Typen hinterher, ich folgte ihr. Doch er war schon ueber alle Berge, irgendwo verschwunden. Wir liefen daher nach unten zur Rezeption, um ueber den Vorfall zu berichten.

Die Leute an der Rezeption waren zum Glueck sehr behilflich und sperrten die Eingangstuer zum Hostel ab und meinten, dass der Typ hier nicht unbescholten rauskommen wuerde. Sie riefen direkt die Polizei. Unterdessen machte ich mich mit einem Rezeptionisten auf die Suche nach dem Gewalttaeter. Wir schauten in jedes Zimmer des Hostels, angefangen auf der siebten Etage. Natuerlich fanden wir ihn erst auf der ersten Etage, in seinem Zimmer. Er spielte auf seinem Gameboy und fing an, natuerlich direkt eine andere Geschichte zu erzaehlen.
Nach zwei Stunden kam dann die Polizei (offensichtlich kann man sich auch in Australien auf die Polizei als Freund und Helfer verlassen - ahem). Er wurde verhaftet und im Hundekaefig des Polizeiautos abgefuehrt. Ich fuhr mit der Polizei zur Station, um eine Aussage abzulegen. Die Beamten fanden den Verbrecher auch ziemlich bloed und nannten ihn auch ‘Dickhead’. Er stellte sich stumm und sprach nicht mit ihnen. Die Nacht verbrachte er wohl auf der Polizeistation. Am naechsten Tag erfuhr ich, dass er heute eigentlich nach England zurueckfliegen sollte. Nun sitzt er hier in Australien fest. Wir sehen uns vor Gericht wieder.
Und der Grund? Home and Away.
Aber keine Sorge, mir geht es gut. Das aergerliche ist nur, dass ich eine unterhaltsame Fernsehsendung verpasst habe.





Aber wirklich nirgends kann man dich allein lassen, ohne dass es direkt Ärger bzw. einen auf´s Maul gibt….
ach Thomas… komm bald vorbei und bring Mehlkopf-Brötchen mit (bis dahin bin ich hoffentlich auch mal in meiner Wohnung…)
Gruss und so