Hier nun die Fortsetzung meiner traurigen Geschichte.
Ich hoffe, dass ich alles noch in der richtigen Reihenfolge in Erinnerung habe.
… Wir fuhren nach unserem Bootsausflug abends in Richtung Mackay. Dachten wir zumindest. Denn ploetzlich endete die Strasse, die wir genommen hatten, vor uns. Es war eine Sackgasse. Wir hatten in Airlie Beach zwei Moeglichkeiten, in welche Richtung wir fahren konnten - natuerlich waehlten wir die falsche. Ein Blick auf die Landkarte offenbarte dann direkt unseren Fehler und so mussten wir die fuenfzehn Kilometer, die wir schon zurueckgelegt hatten, wieder zurueckfahren. Unser Versehen ist im Nachhinein ganz wunderbar als uebersinnliches Zeichen zu deuten. Unser Schicksal wollte uns damit sagen, dass wir auf keinen Fall weiterfahren sollten, doch stur wie wir sind, machten wir uns dann auf den richtigen Weg Richtung Mackay.

Die vorueberziehende Landschaft war immer noch sehr tropisch und nett anzuschauen. Zwischendurch regnete es wieder in Stroemen, doch wir liessen uns nicht entmutigen und fuhren tapfer durch die Unwetter. Anne sass am Steuer und beobachtete die Tankanzeige. Irgendwann fragte sie mich, ob unser Sprit noch bis Mackay reichen wuerde. Mein Blick auf die Anzeige sagte mir, dass wir noch ungefaehr ein Drittel einer Tankfuellung im Tank hatten und da es noch nicht mal mehr hundert Kilometer bis zu unserem Ziel waren, meinte ich, dass das noch locker gehen wuerde. Die Anzeigennadel beschleunigte aber offensichtlich ihr Tempo und Anne fragte wieder, diesmal etwas besorgter, ob der Sprit noch ausreichen wuerde. Doch dann meinte sie, sie habe eben ein Schild gesehen, das besagte, dass Mackay nicht mehr weit entfernt sein wuerde. Die Anzeige stand schon knapp vor dem letzten Balken, doch die Warnleuchte machte keine Anstalten, in Erscheinung zu treten. Also fuhren wir munter weiter. Es war ja nicht mehr weit… Und dann - Ruck. Blub. Ruck. Blub. Das Auto wurde langsamer. Draussen war es dunkel, um uns herum Wald. Anne und ich tauschten panische Blicke aus. Ploetzlich kam ein Parkplatz zu unserer rechten Seite und Anne steuerte unseren Camper in die entsprechende Richtung. Mit letzter Kraft rollte der Wagen auf den Platz und ging auch prompt aus. Ein letzter Versuch, ihn wieder zum Laufen zu bringen, scheiterte klaeglich. Die bloede Karre hatte uns betrogen! Von wegen noch Sprit im Tank…

Wir liefen zur Strasse und versuchten, wild mit unseren Armen wedelnd, Autos zum Anhalten zu animieren. Tatsaechlich hielt auch direkt ein Lkw an. Wir schnappten schnell unsere Taschen aus dem Auto hievten uns in den Lkw. Die Fahrerkabine des “Freightliners” war unerwartet hoch und wir hatten einige Muehe, sie zu erklimmen. Der Brummifahrer war sehr nett, ich meine, er hiess Sean. Genau weiss ich das nicht mehr. Er setzte uns an der naechsten Tankstelle ab, der einzigen weit und breit. Es stellte sich heraus, dass allein diese schon 35 Kilometer vom Palm Tree Creek war, wo unsere daemliche Karre liegengeblieben ist. Mackay war noch weitere 20 Kilometer entfernt. Anne und ich fragten uns dann, was das fuer ein Schild war, dass uns gesagt hatte, dass wir nicht mehr so weit entfernt sein wuerden? Nun denn.
An der Tankstelle stellte man uns gegen Kaution einen Fuenf-Liter-Kanister zur Verfuegung. Wir fuellten ihn auf und fragten einen Typen an der Tanke, ob er nicht in Richtung Palm Tree Creek fuhr. Er tat es tatsaechlich und nahm uns mit. Waehrend der Fahrt erzaehlte er uns, dass er Nathaniel heissen wuerde, in Mackay arbeitete (irgendwas mit Trucks) und kurz hinter Kuttabul wohnte. Er fuhr einen weissen Ford Telstar. Am Parkplatz angekommen, sprang ich ganz euphorisch aus dem Auto, fuellte den Tank auf und das Auto sprang wieder an. Wir bedankten uns bei Nathaniel, stiegen in unsere Karre und dann wurde mir schlagartig bewusst: Meine Tasche ist weg. Ich hatte sie in seinem Auto liegenlassen!

Ich schrie es aus mir heraus uns sah nur die roten Rueckleuchten von Nathaniels Auto immer kleiner werden. Anne schaute mich an. Verfolgen? Ja, Gas geben! Innerhalb von einer halben Minute durchbrach unser Camper die Schallmauer von 80 km/h. Nathaniel, das wussten wir von unserer Fahrt, fuhr locker 120 Sachen. Erfolgsaussichten ihn einzuholen? Gleich null. Aussichten auf erneutes Liegenblieben auf Grund Spritmangels mitten im Nichts - sehr gut. Nach ein paar Kilometern brachen wir unsere Verfolgungsjagd ab. Entsetzt fuhren wir Richtung Tankstelle und kamen wohl mit dem letzten Troepfchen Benzin im Tank an. Wir fragten die Kassiererinnen, ob sie Nathaniel kennen wuerden. Die Gegend ist ja ziemlich duenn besiedelt und wenn er die Strecke taeglich zur Arbeit faehrt, kommt er wahrscheinlich oefters zum Tanken, dachten wir uns. Doch die nicht gerade auskunftsfreudigen Damen hinter der Theke beneinten unsere Frage.
Wir fragten andere Leute an der Tankstelle, doch sie kannten den Typen auch nicht. Aber das Auto, das hat doch Nummernschilder! Die Ueberwachungskameras muessten uns ja weiterhelfen. Doch Pustekuchen. Der Wagen war nicht im Erfassungswinkel der Kamera geparkt und zu einem spaeteren Zeitpunkt erfuhren wir, dass die Kameras hoechstwahrscheinlich eh nicht funktionieren wuerden.
Polizei - unser naechster Gedanke. Der Freund und Helfer in der Not. Auch ohne Nummernschild des Autos und eines Nachnamens des Halters muesste es unseren Freunden moeglich sein, Nathaniel ausfindig zu machen. So fuhren wir nach Mackay zur naechsten offenen Polizeistation. Da ich genau wusste, was fuer ein Auto Nathaniel fuhr, den Bauzeitraum einschaetzen konnte, wir die Farbe des Wagens kannten und mir klar war, dass solch ein Vehikel sehr selten anzutreffen sein wuerde in solch einer spaerlich besiedelten Gegend, waren Anne und ich recht zuversichtlich. Doch auf Grund datenschutzrechtlicher Gesetze und der Tatsache, dass es sich um keinen schwerwiegenden Delikt handelte, konnte man uns natuerlich keine Auskunft zum Halter des Autos geben. Danke, Freunde und Helfer!

Wir fuhren zurueck zur Tankstelle. Eine Suche starten, irgendwo hinter Kuttabul, wo Nathaniel wohnen sollte, mitten in der Nacht - die Aussicht auf Erfolg war auch hier sehr bescheiden. Aber halt, in meiner Tasche steckt doch mein Handy! Aufgrund der Nichtexistenz eines Funknetzes, hier, mitten in der Pampa, schlugen aber alle Versuche eines Anrufs fehl. Etwas entruestet beschlossen Anne und ich, die Nacht an der Tankstelle zu verbringen, unseren Wagen gut sichtbar fuer vorbeifahrende Autos zu positionieren (falls N. vorbeikommen sollte) und zu hoffen, dass Nathaniel die Tasche in seinem Auto entdecken wuerde und sie am naechsten Morgen vielleicht an der Tankstelle abgab. Doch welchen Tag hatten wir? Freitag. Morgen war Samstag. Wuerde er zur Arbeit fahren?
An der Tankstelle gab es zum Glueck duschen und so konnten wir Abends noch den Panikschweiss von unseren Koerpern waschen. Vor dem Schlafengehen beschlossen wir, noch wahllos irgendwelche Leute an der Tankstelle zu fragen, ob sie Nathaniel kannten. Vor allem die jungen Leute waren in unserem Blickfeld, da Nathaniel unserer Einschaetzung nach nicht aelter als Anfang zwanzig war. Doch nichts. Keiner kannte ihn.
Am naechsten Morgen stellten wir fest, dass niemand die Tasche abgegeben hatte. Auch von den morgendlichen Tankstellenbesuchern kannte keiner Nathaniel. Wir fuhren also wieder zurueck Richtung Kuttabul und begannen unsere Suche.
Teil 3 folgt demnaechst (Guthaben neigt sich wieder dem Ende zu)




