Ich haette es nicht schreiben sollen. Ich haette nicht mal daran denken sollen. Doch irgendwie muss ich es wohl geahnt haben - feuchte Albtraeume. In meinem letzten Blog-Eintrag meinte ich, dass solche wohl anders aussehen. Doch Annes und meine Reise entlang der australischen Ostkueste entpuppte sich als genau das!

Nun sitze ich hier wieder im chinesischen Internetcafe, welches von ungeduschten, aus dem Mund stinkenden und vor den Computern schlafenden Chinesen belagert ist. Die verbringen hier gerne mal ihre Naechte und pennen dann auf den Stuehlen irgendwann einfach ein. Gerade hat einer gefurzt. Wie gesagt, es ist nicht angenehm, aber das billigste, was man hier bekommen kann.

Endlich kann ich mich dazu durchringen, euch meine kleine, traurige Geschichte zu erzaehlen. Die letzten Wochen sind fuer mich sehr turbulent und nervenaufreibend verlaufen und ich hatte einfach keinen Nerv, mich meiner Aussenwelt mitzuteilen. Ich musste erstmal mit den hiesigen Problemen klarkommen, was gar nicht so einfach war. Jetzt ist aber alles wieder halbwegs gut. Die groessten Noete sind ueberstanden und in fuenf Tagen kommt Hendrik zu Besuch. Spaetestens dann wird alles (hoffentlich!) wieder vollkommen ‘in Butter’ sein.

Doch rollen wir die Geschichte mal von Vorne auf. Sie ist ziemlich lang doch ich werde versuchen, sie moeglichst knapp zu halten.
Nachmittags, am 17. Januar waren Anne und ich in Airlie Beach angekommen. Der naechste Tag sollte uns einen Tagesbootsausflug zu den Whitsunday Islands bescheren. Doch als wir um halb sieben morgens aufwachten, wurden wir vom Prasseln des Regens auf dem Dach unseres Campers begruesst. Der Himmel bescherte uns erstmal sintflutartige Regenfaelle. Ein super Start in den Tag, da steigt man doch gerne aus dem Wagen, um durch matschige Feldwege zu den Duschen zu laufen. Und letztere hatten wir wirklich noetig, denn aufgrund der uebernatuerlichen Schwuele, Stickigkeit respektive Feuchtigkeit, die sich nachts in unserem Reisemobil entwickelt hat, waren wir nassgeschwitzt und klebrig. Eigentlich haetten wir uns nach dem Duschen gar nicht erst abtrocknen muessen, denn auf dem Weg zum Auto wurden wir trotz Regenschirm wieder plitschnass.

Wir verfluchten unser Camper-Dasein und fuhren schliesslich zum Hafen, wo uns ein eher bescheidenes Boeoetchen erwartete. Wirklich schoen war es nicht und wir hatten uns ernsthaft ueberlegt, wieder von Bord zu gehen. Zumal das Wetter auch nicht wirklich vielversprechend wirkte, weil trueb und bewoelkt. Zumindest war es jedoch warm - und stickig. Wir entschieden uns dann doch - in unserer morgendlich verschlafenen Sinneslage - dafuer, auf dem Schiff zu bleiben und mal zu schauen, was der Tag bringen wuerde.

Es war dann nicht so schlimm wie erwartet. Whitehaven Beach sah vom Inselgipfel wirklich schoen aus und die sagenumwobenen Eigenschaften des Sandes (fast 100 % aus Silica bestehend) wurden tatsaechlich bestaetigt. Ich steckte meinen silbernen Armreif in den Sand und viola, schon erschien er wieder in neuem Glanz! Zuvor machten wir aber noch von einer Aussichtsplattform aus Fotos dieses unter Naturschutz stehenden Feuchtbiotops (die Insel war uebrigens mit dschungelaehnlichem Wald bewachsen). Eine unserer Mitreisenden bat uns, ein Foto von ihr und ihrer Mutti zu schiessen. Nichts leichter als das. Ich nahm also die dem Gefuehl nach ungefaehr ein halbes Kilo wiegende Kompaktkamera von Rollei in die Hand und knipste drauf los. Das Paeaerchen sah schon lustig aus und auf die Frage, wie lange die beiden denn schon unterwegs seien, antwortete die Tochter, dass sie schon seit Oktober um die Welt reisen wuerden. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Mutti schon vierundachzig (!) Jahre alt war! So moechte ich mein Rentnerdasein auch verbringen.
Anne und ich machten am Strand noch ein paar schoene Fotos und dann mussten wir wieder zurueck zum Boot gehen. Unterwegs sahen wir ploetzlich einen etwa 1 Meter langen Goanna (australischer Waran), der ganz gemaechlich unseren Weg kreuzte. Es war schon beeindruckend, einer durch ihre Groesse und schwarz-gelbe Farbgebung etwas furchteinfloessenden Echse einfach so in der freien Natur zu begegnen.

Das Boot schipperte dann zu einem Punkt, an dem wir Schnorcheln oder Tauchen gehen konnten. Auf die Frage, ob das hier nicht gefaehrlich sei wegen der Quallen, entgegnete man uns nur, dass sich in dieses Gebiet keine todesbringenden Quallen verirren wuerden. Ich sass oben auf dem Deck und schaute ins Wasser hinunter und fing an zu zaehlen - erst eine, dann die zweite, plotzlich drei, vier, fuenf, usw.. Am Ende hatte ich innerhalb einer viertelstuendigen Beobachtungszeit 38 Quallen gezaehlt, die wir passiert haben.

Das mit dem Schnorcheln ueberlegten wir uns daraufhin zwei Mal, doch uns wurde wieder versichert, dass keine Gefahr bestehen wuerde. So sprangen wir dann in unseren miefigen Anzuegen ins erfrischende Nass und schwammen drauflos. Ich schnorchelte das erste Mal in meinem Leben und fand es ganz angenehm. Doch leider war nichts zu sehen als blaues, etwas truebes Wasser. Der Regen der letzten Tage hatte das Meer etwas aufgebraust. Ich machte eine Pause und schaute mich um und ploetzlich stiess ich mit einem Fuss gegen etwas festes. Ich schrie kurz auf, machte hektische Bewegungen und dachte, gleich von einer fleischfressenden Pflanze oder einem blutruenstigen Fisch gefressen zu werden. Ich wedelte mit meinen Flossen und bewegte mich erstmal von der Stelle Weg, an der mich das vermeintliche Ungeheuer gestreift hatte. Nach ein paar Sekunden kam ich zur Besinnung und zog meine Schnorchelbrille wieder an, um einen Blick nach unten zu wagen. Und ich glaubte meinen Augen nicht - es war eine Koralle! Nicht nur eine, sondern ein ganzes Riff! Beruhigt und zugleich ueberwaeltigt von diesem Anblick und dem Bewusstsein, ein Stueck des weltberuehmten Great Barrier Reefs unter mir zu haben und bestaunen zu koennen, schwamm ich weiter. Ploetzlich kamen mir ganze Schwaerme von bunten Fischen entgegen. Gelbe, gruene, blaue, rote, kleine, grosse, schoene, haessliche, jeder der Fische hatte etwas fuer sich. Manche sahen wie Mikrochips aus, andere wiederum besassen solch grelle Farben, wie ich sie mir in der Natur nicht vorgestellt haette (kannte ich es nicht aus dem Fernsehen…).
Berauscht von diesen Eindruecken, beschlossen Anne und ich uns eine Einweg-Unterwasserkamera fuer unverschaemt viel Geld auf dem Boot zu kaufen. Aber das Geld war es wirklich wert, wie Anne mir eben geschrieben hat. Sie ist schon in Deutschland und hat die Fotos entwickeln lassen. Ich bin sehr gespannt, wie sie geworden sind.
Nach anderthalb Stunden im Wasser mussten wir zurueck auf’s Boot, was auch ganz gut war, denn das Schnorcheln war durchaus kraeftezehrend. Auf dem Rueckweg stiess ich mit dem Fuss an eine Koralle und erst als ich an Deck des Bootes kam, merkte ich, wie stark die Wunde blutete, die ich mir zugezogen hatte. Betaisodona gibt es aber auch in Australien und daher war ich erstmal gerettet.
Der Tag endete mit einer gemuetlichen Heimfahrt nach Airlie Beach, waehrend welcher Anne und ich einschliefen, weil wir so kaputt waren.
Am Abend machten wir uns in Richtung Mackay, der naechstgroesseren Stadt, auf und das Unglueck nahm seinen Lauf…
Teil 2 folgt demnaechst (mein Guthaben im Internetcafe neigt sich seinem Ende zu)





mmh, da bin ich ja mal gespannt, was im 2. Teil folgt. Ich ahne schlimmes. Es ist bestimmt eine traurige Geschichte, mit der man Geld sparen kann…
ups, hab gerade gemerkt, dass ich z.B. die Begegnung mit dem goanna zeitlich falsch eingeordnet habe. anna und ich hatten das tier schon auf dem hinweg zum strand gesehen, nicht auf dem rueckweg. aber egal. ist ja schon etwas laenger her…
annE! So schnell vergisst du mich
Viel Spaß auf der GOR und in Mehlbörn.