Adam Pass - ein Name, ein Vollidiot

13 02 2008

Ganz oben in dem Erker, da ist der Aufenthaltsraum 

Bevor ich meine ‘traurige Geschichte’ fortsetze, moechte ich euch zwischendurch an den aktuellen Geschehnissen meines Lebens teilhaben lassen.

Vorgestern ist naemlich wieder etwas ’spannendes’ passiert. Eigentlich wollte ich abends, um halb acht, nur fernsehgucken. Ich ging in den Aufenthaltsraum im siebten Stockwerk meines Hostels und pflanzte mich auf die bequemste Couch im Raum. Mit einer Tuete billiger Chips bewaffnet, setzte ich mich neben das Maedel, das schon dasass. Zu meiner linken sass ein Mann in einem Sessel. Offensichtlich ein Fernsehjunkie, denn er verbrachte gerne mal seine ganzen Tage vor der Glotze. Er hat immer einen Rucksack und eine rote Tasse dabei.

Als die Sendung anfing, die ich schauen wollte, stand dieser ominoese Mann auf, ging zum Fernseher und in dem Moment, in dem er danach fragte, ob es uns etwas ausmachen wuerde, wenn er das Programm umschaltete, tat er es auch schon. Das Maedel und ich schauten uns ein paar Sekunden lang verdutzt an und beschlossen, uns nicht einfach so geschlagen zu geben. Schliesslich war er alleine und wir zwei - demnach in der Ueberzahl. Also entgegneten wir, dass es uns durchaus etwas ausmachte und so ich schritt zum Fernseher und schaltete wieder um.

In dem Moment sprang der Kerl aus seinem Sessel, kam zu mir an den Fernseher und stellte sich demonstrativ auf meinen linken Fuss. Es sollte wohl eine Drohgebaerde sein, wie es auch seine Koerperhaltung und sein Gesichtsausdruck nochmals unterstrichen. In einem aggressiven Ton redete er auf mich ein und meinte, dass das Maedel und ich ja nach unten gehen koennten, da wuerden die Leute die Sendung auch schon schauen. Als ich nach unten auf meinen Fuss schaute, sprang er von diesem weg und tat so, als ob er es nicht gemerkt haette und entschuldigte sich dafuer scheinheilig. Ich liess mich von diesem dummen Balztanz allerdings nicht beirren und meinte nur, dass er genauso nach unten gehen koennte, zumal er es nicht genau wissen konnte, ob die Sendung dort unten auch geschaut werden wuerde und er in der Minderzahl ist.

So schritt ich zurueck zu meinem Sessel, waehrend das Maedel und ich immer noch mit ihm herumdiskutierten. Ploetzlich kam er wieder auf mich zu, schubste mich leicht und demonstrierte mir so, dass die Sache noch nicht gegessen ist fuer ihn. Er kam ganz nah an mich heran, sein Gesicht war nicht mehr als fuenf Zentimeter von meinem entfernt, was ich als ziemlich eklig empfand. Seine Augen wollten mich auffressen, doch ich verzog keine Mine. Ich hatte keine Lust, meine wertvolle Lebensenergie fuer solch ein unterentwickeltes, primitives Haeufchen Elend zu verschwenden. So wartete ich ab und stand ganz still vor ihm, ohne auf ihn zu reagieren. Waehrenddessen wurde er immer lauter und seine Worte immer hitziger. Er schwafelte aufgebracht vor sich hin, ich nahm noch nicht mal richtig wahr, was genau er sagte. Doch ploetzlich fing er an, mich zu beleidigen. Er bezeichnete mich als ‘Fucker’ und ‘Cunt’ (schaut jetzt lieber nicht im Woerterbuch nach).

Ich schaute zum Maedel herueber und sah ihr an, dass sie genauso entsetzt war wie ich. Dann wendete ich mich immer noch nichtssagend dem Unruhestifter vor mir zu . Wie aus dem nichts vernahm ich ploetzlich einen Schlag von der rechten Seite. Das Spatzenhirn hatte mir ins Gesicht geschlagen! Nicht wirklich fest, aber durchaus vernehmlich und nicht angenehm. Vor allem aber aus einem grotesk unwichtigen Grund: Fernsehen. Und das auch noch, obwohl er im Unrecht lag!

Etwas verdutzt machte ich einen Schritt zurueck. In dem Moment packte der Typ seine Sachen und lief aus dem Raum. Das Maedel sprang von der Couch auf und meinte ‘ihm nach!’. Sie lief dem Typen hinterher, ich folgte ihr. Doch er war schon ueber alle Berge, irgendwo verschwunden. Wir liefen daher nach unten zur Rezeption, um ueber den Vorfall zu berichten.

Der Herr mit dem Besen hat die Polizei gerufen

Die Leute an der Rezeption waren zum Glueck sehr behilflich und sperrten die Eingangstuer zum Hostel ab und meinten, dass der Typ hier nicht unbescholten rauskommen wuerde. Sie riefen direkt die Polizei. Unterdessen machte ich mich mit einem Rezeptionisten auf die Suche nach dem Gewalttaeter. Wir schauten in jedes Zimmer des Hostels, angefangen auf der siebten Etage. Natuerlich fanden wir ihn erst auf der ersten Etage, in seinem Zimmer. Er spielte auf seinem Gameboy und fing an, natuerlich direkt eine andere Geschichte zu erzaehlen.

Nach zwei Stunden kam dann die Polizei (offensichtlich kann man sich auch in Australien auf die Polizei als Freund und Helfer verlassen - ahem). Er wurde verhaftet und im Hundekaefig des Polizeiautos abgefuehrt. Ich fuhr mit der Polizei zur Station, um eine Aussage abzulegen. Die Beamten fanden den Verbrecher auch ziemlich bloed und nannten ihn auch ‘Dickhead’. Er stellte sich stumm und sprach nicht mit ihnen. Die Nacht verbrachte er wohl auf der Polizeistation. Am naechsten Tag erfuhr ich, dass er heute eigentlich nach England zurueckfliegen sollte. Nun sitzt er hier in Australien fest. Wir sehen uns vor Gericht wieder.

Und der Grund? Home and Away.

Aber keine Sorge, mir geht es gut. Das aergerliche ist nur, dass ich eine unterhaltsame Fernsehsendung verpasst habe.





Stadt, Land, (Ab)fluss - Vol. 2

12 02 2008

Hier nun die Fortsetzung meiner traurigen Geschichte.

Ich hoffe, dass ich alles noch in der richtigen Reihenfolge in Erinnerung habe.

… Wir fuhren nach unserem Bootsausflug abends in Richtung Mackay. Dachten wir zumindest. Denn ploetzlich endete die Strasse, die wir genommen hatten, vor uns. Es war eine Sackgasse. Wir hatten in Airlie Beach zwei Moeglichkeiten, in welche Richtung wir fahren konnten - natuerlich waehlten wir die falsche. Ein Blick auf die Landkarte offenbarte dann direkt unseren Fehler und so mussten wir die fuenfzehn Kilometer, die wir schon zurueckgelegt hatten, wieder zurueckfahren. Unser Versehen ist im Nachhinein ganz wunderbar als uebersinnliches Zeichen zu deuten. Unser Schicksal wollte uns damit sagen, dass wir auf keinen Fall weiterfahren sollten, doch stur wie wir sind, machten wir uns dann auf den richtigen Weg Richtung Mackay.

Die vorueberziehende Landschaft war immer noch sehr tropisch und nett anzuschauen. Zwischendurch regnete es wieder in Stroemen, doch wir liessen uns nicht entmutigen und fuhren tapfer durch die Unwetter. Anne sass am Steuer und beobachtete die Tankanzeige. Irgendwann fragte sie mich, ob unser Sprit noch bis Mackay reichen wuerde. Mein Blick auf die Anzeige sagte mir, dass wir noch ungefaehr ein Drittel einer Tankfuellung im Tank hatten und da es noch nicht mal mehr hundert Kilometer bis zu unserem Ziel waren, meinte ich, dass das noch locker gehen wuerde. Die Anzeigennadel beschleunigte aber offensichtlich ihr Tempo und Anne fragte wieder, diesmal etwas besorgter, ob der Sprit noch ausreichen wuerde. Doch dann meinte sie, sie habe eben ein Schild gesehen, das besagte, dass Mackay nicht mehr weit entfernt sein wuerde. Die Anzeige stand schon knapp vor dem letzten Balken, doch die Warnleuchte machte keine Anstalten, in Erscheinung zu treten. Also fuhren wir munter weiter. Es war ja nicht mehr weit… Und dann - Ruck. Blub. Ruck. Blub. Das Auto wurde langsamer. Draussen war es dunkel, um uns herum Wald. Anne und ich tauschten panische Blicke aus. Ploetzlich kam ein Parkplatz zu unserer rechten Seite und Anne steuerte unseren Camper in die entsprechende Richtung. Mit letzter Kraft rollte der Wagen auf den Platz und ging auch prompt aus. Ein letzter Versuch, ihn wieder zum Laufen zu bringen, scheiterte klaeglich. Die bloede Karre hatte uns betrogen! Von wegen noch Sprit im Tank…

Wir liefen zur Strasse und versuchten, wild mit unseren Armen wedelnd, Autos zum Anhalten zu animieren. Tatsaechlich hielt auch direkt ein Lkw an. Wir schnappten schnell unsere Taschen aus dem Auto hievten uns in den Lkw. Die Fahrerkabine des “Freightliners” war unerwartet hoch und wir hatten einige Muehe, sie zu erklimmen. Der Brummifahrer war sehr nett, ich meine, er hiess Sean. Genau weiss ich das nicht mehr. Er setzte uns an der naechsten Tankstelle ab, der einzigen weit und breit. Es stellte sich heraus, dass allein diese schon 35 Kilometer vom Palm Tree Creek war, wo unsere daemliche Karre liegengeblieben ist. Mackay war noch weitere 20 Kilometer entfernt. Anne und ich fragten uns dann, was das fuer ein Schild war, dass uns gesagt hatte, dass wir nicht mehr so weit entfernt sein wuerden? Nun denn.

An der Tankstelle stellte man uns gegen Kaution einen Fuenf-Liter-Kanister zur Verfuegung. Wir fuellten ihn auf und fragten einen Typen an der Tanke, ob er nicht in Richtung Palm Tree Creek fuhr. Er tat es tatsaechlich und nahm uns mit. Waehrend der Fahrt erzaehlte er uns, dass er Nathaniel heissen wuerde, in Mackay arbeitete (irgendwas mit Trucks) und kurz hinter Kuttabul wohnte. Er fuhr einen weissen Ford Telstar. Am Parkplatz angekommen, sprang ich ganz euphorisch aus dem Auto, fuellte den Tank auf und das Auto sprang wieder an. Wir bedankten uns bei Nathaniel, stiegen in unsere Karre und dann wurde mir schlagartig bewusst: Meine Tasche ist weg. Ich hatte sie in seinem Auto liegenlassen!

Ich schrie es aus mir heraus uns sah nur die roten Rueckleuchten von Nathaniels Auto immer kleiner werden. Anne schaute mich an. Verfolgen? Ja, Gas geben! Innerhalb von einer halben Minute durchbrach unser Camper die Schallmauer von 80 km/h. Nathaniel, das wussten wir von unserer Fahrt, fuhr locker 120 Sachen. Erfolgsaussichten ihn einzuholen? Gleich null. Aussichten auf erneutes Liegenblieben auf Grund Spritmangels mitten im Nichts - sehr gut. Nach ein paar Kilometern brachen wir unsere Verfolgungsjagd ab. Entsetzt fuhren wir Richtung Tankstelle und kamen wohl mit dem letzten Troepfchen Benzin im Tank an. Wir fragten die Kassiererinnen, ob sie Nathaniel kennen wuerden. Die Gegend ist ja ziemlich duenn besiedelt und wenn er die Strecke taeglich zur Arbeit faehrt, kommt er wahrscheinlich oefters zum Tanken, dachten wir uns. Doch die nicht gerade auskunftsfreudigen Damen hinter der Theke beneinten unsere Frage.

Wir fragten andere Leute an der Tankstelle, doch sie kannten den Typen auch nicht. Aber das Auto, das hat doch Nummernschilder! Die Ueberwachungskameras muessten uns ja weiterhelfen. Doch Pustekuchen. Der Wagen war nicht im Erfassungswinkel der Kamera geparkt und zu einem spaeteren Zeitpunkt erfuhren wir, dass die Kameras hoechstwahrscheinlich eh nicht funktionieren wuerden.

Polizei - unser naechster Gedanke. Der Freund und Helfer in der Not. Auch ohne Nummernschild des Autos und eines Nachnamens des Halters muesste es unseren Freunden moeglich sein, Nathaniel ausfindig zu machen. So fuhren wir nach Mackay zur naechsten offenen Polizeistation. Da ich genau wusste, was fuer ein Auto Nathaniel fuhr, den Bauzeitraum einschaetzen konnte, wir die Farbe des Wagens kannten und mir klar war, dass solch ein Vehikel sehr selten anzutreffen sein wuerde in solch einer spaerlich besiedelten Gegend, waren Anne und ich recht zuversichtlich. Doch auf Grund datenschutzrechtlicher Gesetze und der Tatsache, dass es sich um keinen schwerwiegenden Delikt handelte, konnte man uns natuerlich keine Auskunft zum Halter des Autos geben. Danke, Freunde und Helfer!

Wir fuhren zurueck zur Tankstelle. Eine Suche starten, irgendwo hinter Kuttabul, wo Nathaniel wohnen sollte, mitten in der Nacht - die Aussicht auf Erfolg war auch hier sehr bescheiden. Aber halt, in meiner Tasche steckt doch mein Handy! Aufgrund der Nichtexistenz eines Funknetzes, hier, mitten in der Pampa, schlugen aber alle Versuche eines Anrufs fehl. Etwas entruestet beschlossen Anne und ich, die Nacht an der Tankstelle zu verbringen, unseren Wagen gut sichtbar fuer vorbeifahrende Autos zu positionieren (falls N. vorbeikommen sollte) und zu hoffen, dass Nathaniel die Tasche in seinem Auto entdecken wuerde und sie am naechsten Morgen vielleicht an der Tankstelle abgab. Doch welchen Tag hatten wir? Freitag. Morgen war Samstag. Wuerde er zur Arbeit fahren?

An der Tankstelle gab es zum Glueck duschen und so konnten wir Abends noch den Panikschweiss von unseren Koerpern waschen. Vor dem Schlafengehen beschlossen wir, noch wahllos irgendwelche Leute an der Tankstelle zu fragen, ob sie Nathaniel kannten. Vor allem die jungen Leute waren in unserem Blickfeld, da Nathaniel unserer Einschaetzung nach nicht aelter als Anfang zwanzig war. Doch nichts. Keiner kannte ihn.

Am naechsten Morgen stellten wir fest, dass niemand die Tasche abgegeben hatte. Auch von den morgendlichen Tankstellenbesuchern kannte keiner Nathaniel. Wir fuhren also wieder zurueck Richtung Kuttabul und begannen unsere Suche.

Teil 3 folgt demnaechst (Guthaben neigt sich wieder dem Ende zu)





Stadt, Land, (Ab)fluss - Vol. 1

9 02 2008

Ich haette es nicht schreiben sollen. Ich haette nicht mal daran denken sollen. Doch irgendwie muss ich es wohl geahnt haben - feuchte Albtraeume. In meinem letzten Blog-Eintrag meinte ich, dass solche wohl anders aussehen. Doch Annes und meine Reise entlang der australischen Ostkueste entpuppte sich als genau das!

Nun sitze ich hier wieder im chinesischen Internetcafe, welches von ungeduschten, aus dem Mund stinkenden und vor den Computern schlafenden Chinesen belagert ist. Die verbringen hier gerne mal ihre Naechte und pennen dann auf den Stuehlen irgendwann einfach ein. Gerade hat einer gefurzt. Wie gesagt, es ist nicht angenehm, aber das billigste, was man hier bekommen kann.

Endlich kann ich mich dazu durchringen, euch meine kleine, traurige Geschichte zu erzaehlen. Die letzten Wochen sind fuer mich sehr turbulent und nervenaufreibend verlaufen und ich hatte einfach keinen Nerv, mich meiner Aussenwelt mitzuteilen. Ich musste erstmal mit den hiesigen Problemen klarkommen, was gar nicht so einfach war. Jetzt ist aber alles wieder halbwegs gut. Die groessten Noete sind ueberstanden und in fuenf Tagen kommt Hendrik zu Besuch. Spaetestens dann wird alles (hoffentlich!) wieder vollkommen ‘in Butter’ sein.

Doch rollen wir die Geschichte mal von Vorne auf. Sie ist ziemlich lang doch ich werde versuchen, sie moeglichst knapp zu halten.

Nachmittags, am 17. Januar waren Anne und ich in Airlie Beach angekommen. Der naechste Tag sollte uns einen Tagesbootsausflug zu den Whitsunday Islands bescheren. Doch als wir um halb sieben morgens aufwachten, wurden wir vom Prasseln des Regens auf dem Dach unseres Campers begruesst. Der Himmel bescherte uns erstmal sintflutartige Regenfaelle. Ein super Start in den Tag, da steigt man doch gerne aus dem Wagen, um durch matschige Feldwege zu den Duschen zu laufen. Und letztere hatten wir wirklich noetig, denn aufgrund der uebernatuerlichen Schwuele, Stickigkeit respektive Feuchtigkeit, die sich nachts in unserem Reisemobil entwickelt hat, waren wir nassgeschwitzt und klebrig. Eigentlich haetten wir uns nach dem Duschen gar nicht erst abtrocknen muessen, denn auf dem Weg zum Auto wurden wir trotz Regenschirm wieder plitschnass.

Wir verfluchten unser Camper-Dasein und fuhren schliesslich zum Hafen, wo uns ein eher bescheidenes Boeoetchen erwartete. Wirklich schoen war es nicht und wir hatten uns ernsthaft ueberlegt, wieder von Bord zu gehen. Zumal das Wetter auch nicht wirklich vielversprechend wirkte, weil trueb und bewoelkt. Zumindest war es jedoch warm - und stickig. Wir entschieden uns dann doch - in unserer morgendlich verschlafenen Sinneslage - dafuer, auf dem Schiff zu bleiben und mal zu schauen, was der Tag bringen wuerde.

Es war dann nicht so schlimm wie erwartet. Whitehaven Beach sah vom Inselgipfel wirklich schoen aus und die sagenumwobenen Eigenschaften des Sandes (fast 100 % aus Silica bestehend) wurden tatsaechlich bestaetigt. Ich steckte meinen silbernen Armreif in den Sand und viola, schon erschien er wieder in neuem Glanz! Zuvor machten wir aber noch von einer Aussichtsplattform aus Fotos dieses unter Naturschutz stehenden Feuchtbiotops (die Insel war uebrigens mit dschungelaehnlichem Wald bewachsen). Eine unserer Mitreisenden bat uns, ein Foto von ihr und ihrer Mutti zu schiessen. Nichts leichter als das. Ich nahm also die dem Gefuehl nach ungefaehr ein halbes Kilo wiegende Kompaktkamera von Rollei in die Hand und knipste drauf los. Das Paeaerchen sah schon lustig aus und auf die Frage, wie lange die beiden denn schon unterwegs seien, antwortete die Tochter, dass sie schon seit Oktober um die Welt reisen wuerden. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Mutti schon vierundachzig (!) Jahre alt war! So moechte ich mein Rentnerdasein auch verbringen.

Anne und ich machten am Strand noch ein paar schoene Fotos und dann mussten wir wieder zurueck zum Boot gehen. Unterwegs sahen wir ploetzlich einen etwa 1 Meter langen Goanna (australischer Waran), der ganz gemaechlich unseren Weg kreuzte. Es war schon beeindruckend, einer durch ihre Groesse und schwarz-gelbe Farbgebung etwas furchteinfloessenden Echse einfach so in der freien Natur zu begegnen.

Das Boot schipperte dann zu einem Punkt, an dem wir Schnorcheln oder Tauchen gehen konnten. Auf die Frage, ob das hier nicht gefaehrlich sei wegen der Quallen, entgegnete man uns nur, dass sich in dieses Gebiet keine todesbringenden Quallen verirren wuerden. Ich sass oben auf dem Deck und schaute ins Wasser hinunter und fing an zu zaehlen - erst eine, dann die zweite, plotzlich drei, vier, fuenf, usw.. Am Ende hatte ich innerhalb einer viertelstuendigen Beobachtungszeit 38 Quallen gezaehlt, die wir passiert haben.

Das mit dem Schnorcheln ueberlegten wir uns daraufhin zwei Mal, doch uns wurde wieder versichert, dass keine Gefahr bestehen wuerde. So sprangen wir dann in unseren miefigen Anzuegen ins erfrischende Nass und schwammen drauflos. Ich schnorchelte das erste Mal in meinem Leben und fand es ganz angenehm. Doch leider war nichts zu sehen als blaues, etwas truebes Wasser. Der Regen der letzten Tage hatte das Meer etwas aufgebraust. Ich machte eine Pause und schaute mich um und ploetzlich stiess ich mit einem Fuss gegen etwas festes. Ich schrie kurz auf, machte hektische Bewegungen und dachte, gleich von einer fleischfressenden Pflanze oder einem blutruenstigen Fisch gefressen zu werden. Ich wedelte mit meinen Flossen und bewegte mich erstmal von der Stelle Weg, an der mich das vermeintliche Ungeheuer gestreift hatte. Nach ein paar Sekunden kam ich zur Besinnung und zog meine Schnorchelbrille wieder an, um einen Blick nach unten zu wagen. Und ich glaubte meinen Augen nicht - es war eine Koralle! Nicht nur eine, sondern ein ganzes Riff! Beruhigt und zugleich ueberwaeltigt von diesem Anblick und dem Bewusstsein, ein Stueck des weltberuehmten Great Barrier Reefs unter mir zu haben und bestaunen zu koennen, schwamm ich weiter. Ploetzlich kamen mir ganze Schwaerme von bunten Fischen entgegen. Gelbe, gruene, blaue, rote, kleine, grosse, schoene, haessliche, jeder der Fische hatte etwas fuer sich. Manche sahen wie Mikrochips aus, andere wiederum besassen solch grelle Farben, wie ich sie mir in der Natur nicht vorgestellt haette (kannte ich es nicht aus dem Fernsehen…).

Berauscht von diesen Eindruecken, beschlossen Anne und ich uns eine Einweg-Unterwasserkamera fuer unverschaemt viel Geld auf dem Boot zu kaufen. Aber das Geld war es wirklich wert, wie Anne mir eben geschrieben hat. Sie ist schon in Deutschland und hat die Fotos entwickeln lassen. Ich bin sehr gespannt, wie sie geworden sind.

Nach anderthalb Stunden im Wasser mussten wir zurueck auf’s Boot, was auch ganz gut war, denn das Schnorcheln war durchaus kraeftezehrend. Auf dem Rueckweg stiess ich mit dem Fuss an eine Koralle und erst als ich an Deck des Bootes kam, merkte ich, wie stark die Wunde blutete, die ich mir zugezogen hatte. Betaisodona gibt es aber auch in Australien und daher war ich erstmal gerettet.

Der Tag endete mit einer gemuetlichen Heimfahrt nach Airlie Beach, waehrend welcher Anne und ich einschliefen, weil wir so kaputt waren.


Am Abend machten wir uns in Richtung Mackay, der naechstgroesseren Stadt, auf und das Unglueck nahm seinen Lauf…

Teil 2 folgt demnaechst (mein Guthaben im Internetcafe neigt sich seinem Ende zu)