Foehnwelle

15 01 2008
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Nun stecke ich mitten im semiariden Nichts und meine Tour ins gnadenlose Outback habe ich mittlerweile hinter mich gebracht.

Angefangen hat alles mit einem Flug von Sydney nach Alice Springs. Die Landschaft, die unter uns vorbeigezogen war, ist durchaus abwechslungsreich gewesen. Kurz hinter Sydney begann die Einoede, die von Spinifex und Eukalypten aufgelockert wurde, gefolgt von steinigem, rotem Sandmeer und ein paar Salzseen zwischendurch.

Als Anne und ich wohlgenaehrt dank ‘low-fat-food’ aus dem Flugzeug ausstiegen, stiessen wir erstmal gegen ein Hitzeschild der Natur, als ob wir gegen einen heissen Luftstrom eines Foehns laufen wuerden. Die Luft war trocken und brannte in den Lungen.

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Unser preisgekroentes Hostel in Alice Springs entpuppte sich als leicht gammliger Bretterverschlag, aber immerhin gab es eine Klimaanlage im Zimmer.

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Am ersten Tag der Tour wurden wir um sechs Uhr morgens abgeholt. 20 abenteuerhungrige, meistens junge Leute waren wir im Bus. Wir fuhren erstmal vier bis fuenf Stunden durchs Outback zum Flughafen von Yulara, um Person Nummer 21 abzuholen. Auf die Frage, wie lange die Fahrt dauern wuerde, antwortete unser Tourguide nur ‘je nach Wind’ - letzterer kann naemlich unerwartete Staerke und Heftigkeit erreichen. Unterwegs sahen wir am Strassenrand tatsaechlich eine Windhose, von der der Bus einmal durchgeruettelt wurde…

In Yulara angekommen, besichtigten wir zuerst das Aborigine-Center, um uns im Vorhinein ein bisschen Hintergrundwissen zu beschaffen. Danach stand tatsaechlich die Wanderung zum groessten Monolithen der Welt an. Schon unterwegs haben wir ihn von Weitem gesehen und ich war geplaettet vom Anblick eines der bekanntesten Naturgebilden der Welt. Wie aus dem Katalog lag dieser urzeitliche Stein eingebettet im Wuestensand vor uns. Der Tourguide fuehrte uns zu ein paar Stellen am Stein, die von den Aborigines als heilig angesehen werden und erklaerte uns die Bedeutung dieser Hoehlen, Einbuchtungen und Schlitzen.

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Der Uluru ist, wenn man ihn von Nahem und von allen Seiten betrachtet, viel zerkluefteter und unregelmaessiger in seiner Form, als man es nach dem Anblick von der weltbekannten, buchstaeblich einseitigen Ansicht erwartet. Es ist beeindruckend, welche Gestalten des Monolithen sich einem aus verschiedenen Blickwinkeln anbieten. Nach der kleinen Einfuehrung unseres Tourguides machten wir uns auf zur Wanderung um den Felsen herum. Es sind zehn Kilometer gewesen, die man in sengender Hitze zu bewaeltigen hatte. Die Sonne brannte gnadenlos auf mein neuerdings in Cowboymanier behuetetes Haupt und die Luft war zum Schneiden. Unser Guide ermahnte uns staendig, genuegend zu trinken, weil wir sonst ganz schnell eines Hitzetodes sterben koennten. Zu solch einer Dramatik ist es zum Glueck nicht gekommen, aber nachdem wir erzaehlt bekommen haben, dass letzte Woche eine japanische Touristin bei der Besteigung (die man uebrigens tunlichst unterlassen sollte!) des Ulurus aufgrund eines Herzinfarktes gestorben sei, hielten wir uns natuerlich an die Trinkvorgaben. Doch trotzdem waren am Ende der Tour einige Leute leicht gehydriert. Das zeigte uns allen, dass man der Natur in diesem Gebiet trotz aller Errungenschaften der Zivilisation doch sehr grossen Respekt zollen muss!

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Hungrig wie unsere Reisegruppe nach diesen Anstrengungen war, fuhren wir zum Sonnenuntergang zu einem Punkt, von dem aus wir die beruehmte Postkartenansicht des Ulurus bestaunen konnten, um dabei unser asiatisch angehauchtes Abendessen zu uns zu nehmen. Die Gaensehaut erzeugende Kulisse wird mich dieses Abendessen so schnell nicht vergessen lassen.

 Anders als erwartet, uebernachteten wir nach diesem Tag zwar in Outdoorschlafsaecken unter freiem Sternenhimmel, doch nicht in der Wildnis, sondern auf einem Campingplatz, was dem Reiz dieses Erlebnisses jedoch keinen Abbruch tat. Immerhin konnten wir die Sanitaeranlagen des Platzes nutzen und mussten den naechsten Tag nicht stinkend antreten.

Diesen starteten wir im Uebrigen an derselben Stelle, wie wir den davor beendet  hatten - mit dem Blick auf den Uluru. Die aufgehende Sonne hat den Monolithen in ein schattiges Gebilde verwandelt und es schien, als ob sich der grosse Stein bewegen wuerde.

Der zweite Tag stand im Zeichen der Olgas respektive Kata Tjuta, wie die Bergkette jetzt (wieder) genannt wird, zu der wir wieder ueber einen der einsamen Wuestenhighways fuhren. Unterwegs sahen wir am Strassenrand eine wilde Kamelkolonie. Kamele? In Australien? Richtig gelesen. Die wurden hier im neunzehnten Jahrhundert zu Eroberungszwecken des Outbacks eingefuehrt (Pferde hielten die Hitze nicht aus) und nach getaner Arbeit in die Wildnis gelassen. Da die Kamele hier von keinen natuerlichen Feinden gefaehrdet sind, konnten sie sich seitdem fleissig vermehren und das Outback fuer sich erorbern.

Kata Tjuta, das wir anschliessend erklommen haben, beeindruckte mich sogar noch mehr als der Uluru. Es hat wirklich Spass gemacht diese roten Gesteinsformationen zu erklimmen, sich durch Felsspalten zu zwaengen und hinter jeder Ecke auf eine unerwartet gruene Vegetation, die sich in weitlaeufigen Ebenen zwischen den Huegeln ausbreitete, zu stossen. Nach dieser ueberraschend spektakulaeren Expedition fuhren wir zur Kings Creek Station, wo wir die Nacht verbringen wuerden. Unterwegs sammelten wir im Busch am Strassenrand Feuerholz fuer das abendliche Lagerfeuer, das wir geplant hatten. Das Sammeln des Holzes kann sich unter Umstaenden als etwas gefaehrlich herausstellen, denn unter jedem Zweig koennen sich hier hochgiftige Schlangen, Spinnen und sonstige, womoeglich noch unbekannte Gefahren, befinden. Gut, ganz so dramatisch war die Aktion nicht, jedoch ziemlich dornig, stachelig und staubig.

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Etwas geraedert von der Hitze, war ich dann froh, in der Station in den Pool springen zu koennen. Welch erfrischende Wohltat mitten in der Wueste! Wasser sparen muss man in dem Gebiet, in dem wir uns bewegten, nicht wirklich. Unterirdische Wasserlaeufe versorgen die Menschen mit soviel Wasser, dass ich kein schlechtes Gewissen bei einem Sprung in den Pool haben musste. Dank dieser Wasserquellen, die sich hier aufgrund der Great Dividing Range unter der Erde befinden, ist dieses Gebiet uebrigens eines der wenigen in Australien, das keinen Wasserrestriktionen unterliegt!

Nach dem Abendessen, das aus Chili con carne aus dem Wok bestand, gab es sozusagen als Dessert “Rootail” - Kaenguruhschwanz! In der Glut des Lagefeuers bereitete unser Tourguide diese australische Delikatesse zu, was eine recht stinkige Angelegenheit gewesen ist, als das Kaenguruhfell verbrannte. Es roch wie beim Huehnchenrupfen! Zum Glueck schmeckte das Fleisch des Schwanzes einfach nur nach zartem Kaenguruhfleisch, welches ich hier in Australien zu schaetzen gelernt habe. Es ist uebrigens eine der gesuendesten Fleischsorten, die es gibt (gesuender als Rind oder Schwein); fett- und cholesterinarm, dazu noch lecker - was will man mehr?

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Gesaettigt und gluecklich ueber den bisherigen Tourverlauf, entschlummerte ich in meinem “Swag” (der auf einem Ameisenhaufen lag) unter freiem Sternenhimmel und freute mich auf den naechsten Tag, der uns zum Kings Canyon fuehren sollte.

Wie der Name es schon andeutet, erwartete uns ein bergiges Gebiet roten Felsgesteins, das sich im Laufe von Millionen Jahren zu einer spektakulaeren, mondartigen Landschaft auspraegte. Unsere Wanderung fuehrte uns am fruehen Morgen, als es noch kuehl war, zuerst auf den ‘Heart-Attack-Hill’. Dies ist eine steile, stufige Felswand, an der sich dem Namen nach schon manches menschliches Schicksal entschieden haben muss. Man moechte gar nicht wissen, wieviele an Bluthochdruck leidende Buerohengste dort schon ihr Gleichgewicht verloren haben. Es gab ueberall Warnschilder, die einen auf diese Moeglichkeit des fruehzeitigen Ablebens hingewiesen haben.

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Da unsere Reisegruppe allerdings aus jungen, vitalen Leuten bestand, kamen wir unbeschadet auf der Spitze an, um dann weiter auf dem Gebirgskamm entlangzuwandern. Die Ausblicke von diesen in Schichten zusammengepressten Gesteinsbloecken waren schier unendlich spektakulaer und nur vom weiten Horizont begrenzt. Ich wunderte mich etwas ueber das Bild, das sich mir bot, weil ich solch eine Landschaft nicht auf dem Planeten Erde erwartete, sondern eher auf dem Mars. Die sproede Schoenheit dieser kargen und gleichzeitig vielfaeltigen Landschaft liess diesen Ausflug zum Kings Canyon zu meinem persoenlichen Highlight werden. Erst recht, als wir an eine Stelle zwischen den Felsen gelangten, in der ein Mikroklima herrscht und die sich ‘Garden of Eden’ nennt. Ich blickte auf eine gruene, erfrischende Oase paradiesischen Ausmasses, die so unwirklich schien, dass ich erst dann daran glaubte, als ich meine Fuesse ins kuehlende Nass des vom Grundwasser gespeisten Wasserloches tauchte. Es war einfach nur zum Geniessen und ich grinste innerlich apathisch vor mich hin. Irgendwann wurde ich von meinen Mitreisenden aus meinem Tagtraum geweckt und nachdem ich mich so wunderbar erholt hatte, war ich auch wieder bereit, mich auf den Rueckweg durch diese gluehende, unwirtliche Landschaft zu begeben.

Als der Tag sich seinem Ende zuneigte und wir uns auf der Rueckfahrt nach Alice Springs befanden, kamen wir unterwegs an einer Kamelfarm vorbei; natuerlich mit dem Hintergrund, die Kamele mal aus der Naehe zu betrachten. Sie hatten ein weiches Fell und schienen mir sanftmuetig und stur, wie ein Esel mit Hoeckern. Das Angebot eines Kamelritts schlug ich natuerlich auch nicht aus und so sass ich dann sozusagen zum Abschluss der Tour das erste Mal in meinem Leben auf einem Kamel! Es war ein holpriger, spassiger Ritt, der leider viel schnell vorbei war; doch man soll ja klein anfangen.

p1020481.jpgWieder in Alice Springs angekommen, hatten Anne und ich das Glueck im Unglueck, dass unser mieses Hostel ueberbucht war und wir ohne einen Cent mehr zu bezahlen in einem vernuenftigen Motel ungebracht wurden. Die Dusche nach drei Tagen Outback war wirklich eine Wohltat. Uebrigens bin ich hier unter die ganz harten Kerle gegangen und dursche nur noch eiskalt respektive so kalt, wie es nur moeglich ist. Dreht man naemlich hier einen Wasserhahn auf, kommt das Wasser nicht kalt herausgeflossen, was man ja noch nachvollziehen koennte, ist es in Deutschland im Sommer doch auch wesentlich waermer als im Winter. Hier jedoch ist es nicht nur lauwarm, sondern fast schon heiss!

 Abends nahm die ganze Reisegruppe noch an einem Abschiedsessen in einer Bar in Alice Springs teil, welches fuer manch eine Person in einem kleinen Biergelage endete. Fuer mich zum Glueck nicht, doch einen langen erholsamen Schlaf, den ich nach der Outbacktour brauechte, um mein Schlafdefizit auszugleichen, habe ich trotzdem nicht bekommen, weil der Abend noch sehr lang wurde. Es hat Spass gemacht, nochmals mit allen zusammenzusitzen und die letzten Tage revue passieren zu lassen.

Vielleicht lullt mich das Schaukeln des Flugzeuges ein, in das ich in drei Stunden steigen werde. Das Kapitel ”Outback” wird vorerst geschlossen, auch wenn ich mir sicher bin, dass ich es bald wieder oeffnen werde. Doch nun geht es erstmal an die nicht ganz so hitzige Ostkueste Australiens. Und wenn uns die Wassermassen nicht den Weg versperren werden, treffen Anne und ich in anderhalb Wochen wieder in Sydney ein…

Auch darueber werde ich ausfuehrlich berichten. Seid jedoch nicht erstaunt, wenn ihr etwas laenger als sonst auf Neuigkeiten meines Abenteurerdaseins warten werdet; denn ohne regelmaessigen Internetzugang koennte sich das Blogschreiben etwas schwierig gestalten…

Bleibt am Ball!

Ps: www.therocktour.com.au - einfach unter ‘Photo gallery’ schauen und “The Rock Tour 12th January 2008″ anklicken! 

NACHTRAG: Fotos gibt es, sobald ich ein vernuenftiges Internetcafe gefunden haben werde… Das gestaltet sich naemlich etwas schwierig.


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3 Antworten zu “Foehnwelle”

16 01 2008
Die Birte (04:00:44) :

Neid, Neid, Neid

16 01 2008
Die Birte (04:05:10) :

ohh mein Gott; hab mir die Bilder auf der verlinkten Seite angeschaut; bist du das? udn bist du wirklich so braun?

16 01 2008
monotom (12:05:14) :

Hey Birte… Dein Neid ist berechtigt.:-) Ich bin auf den Gruppenfotos zu sehen - bin der Typ mit dem gruenen Shirt und dem Hut…

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