Aschenputtel und der grosse Knall

4 01 2008

Ich und Champagner

Was assoziiert man in der Regel zuerst mit Aschenputtel? Genau, den verlorenen Schuh. Und ausgerechnet das ist mir am Silvesterabend passiert: Ich habe einen Schuh verloren! Das erste Mal in meinem Leben und hoffentlich auch das letzte. Ich kann gar nicht sagen, wann genau sich dieser Vorfall zugetragen hat, doch es muss nach der Arbeit gewesen sein, als ich meine Schuhe gewechselt habe und meine Arbeitsschuhe eigentlich in meiner Tasche verstaut hatte. Nun denn, vielleicht sollte ich es auch einfach als Zeichen betrachten, dass ich nicht wieder in dem Restaurant arbeiten sollte. Es war ja eh mein letzter Arbeitstag und eigentlich brauche ich die Schuhe nicht mehr, auch wenn ich sie noch zumanstehenden Hochzeitsbesuch gerne getragen haette, denn ich habe sonst keine anderen schwarzen Schuhe mit. Fuer meine Reise bedeutet das allerdings weniger Ballast und somit weniger Schlepperei.

In den Stunden vor dem grossen Knall herrschte sowohl zu Lande als auch auf dem Wasser der Ausnahmezustand. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wie ich zur Arbeit kommen solle, da diese ja direkt an der Harbour Bridge liegt. Doch es war nicht so schlimm wie befuerchtet.

Sanduhr

Die Stadt Sydney hat ihre Buerger und Besucher aus aller Welt in den Tagen vor Silvester eingehend auf den Jahresumschwung vorbereitet. Ueberall gab es Broschueren und Aushaenge, die einem sagten, welche Strassen wann abgesperrt werden wuerden, wie die Sache mit dem oeffentlichen Nahverkehr funktionieren wuerde und welche Regeln man beachten sollte, wenn man sich in die abgesperrten Zonen vorwagte. Abgesperrtes Areal? Richtig, die ganze Hafengegend, von der aus man den besten Blick auf das groesste Feuerwerk der Welt hatte, war abgesperrt. Massen von Menschen bewegten sich am 31. Dezember gen Hafen und diese Massen mussten ja irgendwie unter Kontrolle gehalten werden. Jeder, der durch die Barrikaden wollte, musste seine Taschen vorzeigen und deklarieren, dass er keinen Alkohol und keine Glasgefaesse dabei hatte. Die Stadt Sydney wird schon wissen, wieso sie das macht… Es muss in der Vergangenheit wohl unschoene Vorfaelle mit feierwuetigen, betrunkenen Leuten gegeben haben.

Mein Weg zur Arbeit lag uebrigens in der abgesperrten Zone und so hatte ich die Gelegenheit, nebenbei das rege Treiben mitzuerleben. Wie man sich vorstellen kann, wuerde natuerlich jeder am liebsten in der ‚ersten Reihe‘ stehen, um das Feuerwerk zu bestaunen. Und so machten sich schon in den Mittagsstunden Massen von Menschen auf den Weg zum Hafen, um mit Freunden dem grossen Ereignis entgegenzufiebern. Die meisten breiteten sich auf den Wiesen um den Hafen aus, mit allem noetigen Inventar, um es Stunden in bruetender Hitze auszuhalten. Das Ganze wirkte wie ein kollektives Picknick. Die Leute lagen auf Decken, sassen auf Klappstuehlen und hatten mitunter sogar Strandmuscheln oder kleine Iglu-Zelte aufgebaut, in denen sie wohl ungestoert Mittagsschlaefchen halten wollten. Wer kein Vermoegen an den Imbissbudenstaenden verlieren wollte, brachte auch allerlei Essen mit, wie zum Beispiel meine Freunde Anna und Christiane, die mit ein paar Leuten aus dem Hostel die Stunden im botanischen Garten ausharrten.

Meute wartet…

Es ist lustig und verrueckt, wenn man sich vor Augen haelt, was fuer einen Aufwand die Leute betreiben, um einen guten Blick auf ein paar Minuten Feuerwerk zu erhaschen. Aber das ganze hat schon Festival-Charakter und am Ende steht wohl viel mehr das gemeinsame Feiern und Spasshaben im Vordergrund, als der eigentliche Ausloeser fuer den Anlass. Ich habe zwar nicht an diesem kollektiven Ausflug ins Gruene mitmachen koennen, doch trotzdem bin ich feucht-froehlich und in ausgelassener Gesellschaft ins neue Jahr gestartet.

Auf der Arbeit hatten wir die Gelegenheit, uns beide Feuerwerke in aller Ausfuehrlichkeit anzuschauen. Die Party, die wir bedient hatten, war naemlich nicht wirklich stressig. Champagner gab es auch zu Genuege und somit auch keinen Grund zur Klage. Uebrigens, falls ihr euch fragt warum ich ‚beide‘ Feuerwerke schreibe – um neun Uhr gab es ein ziemlich grosses und schoenes Familienfeuerwerk. Die sind hier so nett, dass sie fuer die Kleinen ein Extrafeuerwerk verfeuern. Dieses war uebrigens schon so beeidruckend, dass ich umso gespannter war auf’s Hauptfeuerwerk.

Waehrend der Arbeit konnte ich vom Restaurant aus beobachten, wie Schleppboote schwimmende Plattformen mit wahrscheinlich Tonnen von explosivem Material im Hafen in der Naehe der Harbour Bridge auf Anker legten. Der Grossteil der Feuerwerke wurde dann naemlich von diesen Plattformen aus abgeschossen. An der Harbour Bridge konnte man die Vorbereitungen auf das grosse Event schon Tage zuvor verfolgen. Dicke Kabelstraenge wurden verlegt und das explosive Material unter strengen Sicherheitsvorkehrungen an Position gebracht. Eine grosse leuchtende Sanduhr wurde an einer Seite der Bruecke angebracht, um den Countdown bis Mitternacht darzustellen.

Harbour Bridge mit Sanduhr

Die Schifffahrt boomte am Silvesterabend. Unzaehlige bunt beleuchtete Partyboote durchquerten den Hafen und fuhren unter der Bruecke hin und her. In der Nacht sah man nur die beleuchteten Umrisse der Partydampfer und es wirkte, als schwebten Geisterschiffe uebers Wasser. Viele der Boote, auf denen sich besser betuchte Leute vergnuegten (Tickets fuer die Boote kosteten mehr als eine Handvoll Hunderter), trugen in Leuchtschrift grosse Jahreszahlen, jedes Boot eine andere. Sie sollten wohl die voruebergezogenen Jahre symbolisieren.

Und tatsaechlich, der ganze Aufwand hat sich in meinen Augen (wortwoertlich) gelohnt. Das Feuerwerk war wirklich imposant. In beeindruckenden Farben und Formen prasselte eine Lichterflut auf mich nieder, die mich mit offenem Mund dastehen lassen hat. Ich bin aus dem Staunen kaum herausgekommen, staendig wurde ich auf’s neue von rhythmischen Explosionen am Nachthimmel in den Bann gezogen, wusste zeitweise gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Ein Lichtermeer, untermalt vom ununterbrochenen Schwirren und Sirren der Raketen, umgab mich und vereinnahmte meine ganze Aufmerksamkeit.

Begonnen hat das Hauptfeuerwerk um Punkt zwoelf an der Harbour Bridge, um kurz danach die Pflicht an das Feuerwerk abzugeben, das von den schwimmenden Plattformen aus abgeschossen wurde. Die Kuer zum Schluss hat dann wieder die Harbour Bridge uebernommen und das so ueberwaeltigend, dass sie alles davor nochmals getoppt hat und man befuerchten musste, dass die Bruecke unter diesen gewaltigen Explosionskraeften zusammenkrachen koennte.

Explosionen!

Insgesamt hat das Schauspiel ungefaehr dreizehn Minuten gedauert, wenn mich meine Uhr nicht getaeuscht hat. Das Warten hatte sich auf jeden Fall gelohnt und ich kann jedem nur empfehlen, Silvester, oder den ‚New Year’s Eve‘, wie dieser Tag hier genannt wird, mal in Sydney zu verbringen.  Die ersten zwei Tage des Jahres 2008 waren dann fuer mich etwas beschwerlich, weil ich nach einer Ueberdosis Champagner erstmal zu mir kommen musste. Doch nun bin ich genesen und mir geht es gut.

Ansonsten bin ich gerade im Reisefieber und freue mich schon wahnsinnig auf meine anstehende Tour mit Anne. Wir planen schon eifrig, was wir unbedingt sehen moechten und wie wir das alles abwickeln werden. Und was ich mit Anne nicht schaffen werde zu sehen, kann ich im Februar mit Hendrik nachholen, wenn er mich besuchen kommt.  

Ich bin auch froh, dass ich aus Sydney herauskommen werde, weil mittlerweile die Tage doch nur noch ‚Alltag‘ sind, wenn auch ein sehr schoener. Ein gewisser Trott hat sich eingeschlichen und aus diesem will ich jetzt heraus, so lange es noch schoen ist.  

Und wer weiss, vielleicht finde ich auf meinen Reisen doch noch meinen verlorenen Schuh. Dann waere eine durchgetanzte Nacht bei der griechischen Hochzeit Ende Januar sichergestellt. Ich werde den Schuh wohl weiterhin selbst suchen muessen, denn es ist doch eher unwahrscheinlich, dass irgendein Prinz vorbeikommt und… Ihr kennt die Geschichte ja.;-)  

Geisterschiffe

Ps: Heute wollte ich Karten kaufen fuer die Oper ‚La Boheme‘, die im Opera House aufgefuehrt wird – doch Pustekuchen: Sold out! *seufz*


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Eine Antwort zu “Aschenputtel und der grosse Knall”

4 01 2008
Die Birte (22:48:14) :

Hey mein kleiner Traumtänzer!
freut mich das dein Silvester etwas so besonderes war (Schuh hin oder her).
klingt spannend und vielleicht auch ein bisschen beneidenswert, wobei meine Feier in Daisbach bei meinem Onkel mit der dort ansässigen freiwilligen Feuewehr und dem Tanz mit dem Bürgermeister auch nicht von schlechten Eltern war.

Hab gelesen, dass ab heute ein grosses Kunst und Musikfestival Sydney und Melbourne mit Leben erfüllt….

Fühl dich umarmt und schau doch mal bei Immobilienscout24 Objekt nr 44227024 an….

Gruss udn so
Birte

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