
Was bisher geschah…
Hier nun ein kleiner Zwischenbericht zu meiner Reise entlang der australischen Ostkueste.
In Cairns sind Anne und ich gut angekommen. Das Essen im Flugzeug hat geschmeckt, ich bin das erste Mal in einer Boeing 717 geflogen, die Flugbegleiter waren nett und aus dem Fenster konnte man die vorbeiziehende australische Praerie beobachten. Beim Landeanflug auf Cairns sind wir ueber die ganze Stadt geflogen und ich konnte mir so ein erstes Bild machen. Die Stadt liegt am Meer und ist eingebettet in einer bergigen, urwaldartigen Landschaft. Und wie das im Urwald so ist, erlebten wir beim Aussteigen aus dem Flugzeug einen klimatischen Schock: Die Luft war ganz im Gegensatz zu der in Alice Springs extrem humid. Mittlerweile sind wir in Airlie Beach und es ist hier immer noch feucht, schwuel, stickig und heiss. Man steigt aus der Dusche und ist sofort wieder nass. Angenehm ist etwas anderes, aber immerhin tut es unseren Nasenschleimhaeuten gut, nachdem diese im Outback fast versengt wurden.
Unser Hostel in Cairns war ein Volltreffer. Tropic Days hiess es und war sauber, abwechslungsreich und kunstvoll gestaltet und es gab fuer jeden sogar ein Handtuch zum benutzen! Ja, darueber freut man sich als Backpacker, so etwas gibt es sonst nicht alle Tage! Eine Nacht haben wir in Cairns verbracht und ich habe die Stadt als ganz nett befunden. Die Strassen sind breit, die Vegetation tropisch und die allgemeine Atmosphaere irgendwo zwischen heimeliger Kleinstadt und Touristenklitsche.

Abends haben Anne und ich einen Reiseplan ausgearbeitet, den wir versuchen zu befolgen. Bislang hat es ganz gut geklappt. Unser Campervan hat uns noch nicht im Stich gelassen, obwohl er so wirkt, als ob er jeden Moment zusammenbrechen koennte. Wir haben ihn in Cairns gestern abgeholt und erstmal etwas distanziert begruesst. Wie von wickedcampers nicht anders zu erwarten, ist es nicht gerade ein Prototyp eines gepflegten Autos. Aber die anfaengliche Scheu hat sich schnell gelegt; mittlerweile sind wir ueber siebenhundert Kilometer gefahren und haben unseren Mazda B 2000 halbwegs heimelig eingerichtet. Wir fahren immer bei offenem Fenster, weil es sonst nicht anders auszuhalten ist bei der unglaublichen Schwuele, die hier herrscht. Man fuehlt sich wie in den Tropen und faengt schnell an an den Sitzen zu kleben. Wobei unser Schmuckstueck eines Autos dagegen eine Waffe hat: Einen integrierten Heissluftofen, der permanent heisse, trockene Luft in den Innenraum blaesst. Dieses ausgekluegelte System befindet sich vorne unter den Sitzen und ist gemeinhin unter der Bezeichnung Motor bekannt. Gekoppelt ist das etwas schwachbruestige und sonor rumorende Ding ist auch noch an eine Gangschaltung, die einen zwangslaeufig an einen Knethaken eines Mixers, der in einem klebrigen Teig steckt, erinnert. Vor allem das Auffinden des dritten Ganges ist reine Glueckssache und geraet manchmal zur Geduldsprobe.
Wir haben uns aber daran gewoehnt und sind froh, dass wir vier Raeder unter uns, ein Dach ueber uns und einen durchaus gemuetlichen Schlafplatz dazwischen haben.

Unsere erste Fahrt fuehrte uns in den Supermarkt, um uns mit Proviant einzudecken. Danach machten wir uns direkt auf den Weg gen Sueden, um unseren ersten Stop in Mission Beach einzulegen. Der Name ist in diesem Ort Programm und es gab wirklich nicht viel mehr als einen ganz netten, wenn auch etwas vom Wetter der letzten Tage mitgenommenen Strand zu bewundern. Daher sind wir direkt weiter gefahren, um in Townsville auf einem Campingplatz zu naechtigen. Wildes Campen ist in Australien naemlich leider nicht erlaubt, was allerdings wiederum das Gute mit sich bringt, dass wir jeden Tag eine Dusche haben, die man hier wirklich braucht, weil man sonst Gefahr laufen wuerde, als eine grosse klebrige Masse zu enden.
Schon die erste Fahrt war ein Erlebnis. Zu unserer rechten Seite konnten wir die vom Regenwald bewachsenen Berge bestaunen, zu unserer Linken das Meer, seine Zufluesse und ueberflutete Wiesen. Mittendrin befanden sich Plantagen, auf denen Bananen, Mangos, Zuckerrohr oder Lychees angebaut werden. Diese regionalen Erzeugnisse werden oftmals auch in kleinen Staenden am Strassenrand verkauft, doch Anne und ich waren schon versorgt.

Der Himmel ueber uns war wolkenverhangen und zeigte sich von seiner stuermischen Seite. Die Wolken hingen tief ueber den Bergen und fern am Horizont blitzte es ununterbrochen. Ein dramatisches Schauspiel bot sich unseren mueden Augen und irgendwann erreichten wir die Gewitterfront auch. Gluecklicherweise streiften wir sie nur leicht und die Regenguesse waren zwar heftig, aber nur von kurzer Dauer. Den Froeschen schien diese Wetterlage zu gefallen, denn sie beschlossen, sich dem Regen auf der Strasse auszusetzen. Ich sage an dieser Stelle am besten nur soviel dazu: Platsch und Matsch. Auch Schlangen kuscheln sich offensichtlich sehr gerne zwischen Teer und Reifen ein… Ganz zu schweigen von teilweise kartoffelgrossen Insekten, die ihre Ankunft auf der Stirnflaeche unseres Kilometerfressers gerne mal mit einem lauten Knall unterstrichen.
Heute sind wir in Airlie Beach angekommen, mit einem Zwischenstopp in Bowen. Dort haben wir in einem Cafe gegessen, das uns von einem bayrischen Freund empfohlen wurde – mein Beefwrap war in der Tat lecker. Unterwegs lagen heute zur Abwechslung staendig Kaenguruhs am Strassenrand, die dort mit Sicherheit keine Nickerchen gehalten haben. Deswegen stehen hier auch ueberall Warnschilder, die den unbedarften Backpacker vor den Gefahren warnen, die mit der hiesigen Fauna einhergehen. Ob Kaenguruhs, Cassowaries oder profane Schafe, hier treibt sich ziemlich viel auf den Strassen herum. Und damit man nicht rast, stellt der Staat Queensland mehr als eindeutige Botschaften entlang der Highways auf, wie z.B. „Rest or R.I.P.“. Dies bedeutet frei uebersetzt ‚Raste oder ruhe in Frieden‘ – alles klar?!

Zum Staerken seiner Reisekraefte hat man hier viele Moeglichkeiten. Ich habe festgestellt, dass hier in jedem halbwegs groesseren Oertchen die ganze Fastfood-Armada an vorderster Front steht. Ob McDonald’s, Hungry Jack’s, KFC oder Subway, mindestens drei dieser Ketten sind immer in jedem popeligen Ort zu finden.
So auch in Airlie Beach, wo Anne und ich unseren Supercamper schon auf einem Campingplatz abgestellt haben. Die Stadt an sich hat nicht viel zu bieten. Die Hauptstrasse ist mit Touristenlaeden vollgepappt und die Straende sind nichts besonderes. Der Grund, weshalb hier soviele Leute hinkommen, ist die guenstige Lage des Ortes als Ausgangspunkt fuer Touren zu den Whitsunday Islands. Diese vorgelagerten Inseln sollen wunderschoen und einen Besuch wirklich wert sein. Das hoffen Anne und ich auch sehr, denn morgen steht eben ein solcher Ausflug an. Einen Tag lang Bootfahren, sich an weissen Sandstraenden flaezen und wunderschoene Panoramen geniessen, klingt doch gut. Wir sind jedenfalls sehr gespannt und hoffen, dass es nicht regnen wird… Und falls doch, springen wir zum Schnorcheln ins Meer, da ist es auch nass.
Feuchte Albtraueme sehen jedenfalls anders aus.
Bleibt trocken!























