
Nach ueber dreieinhalb Monaten in Sydney war es am letzten Samstag endlich soweit – ich besuchte ein klassisches Konzert im weltberuehmten Sydneyer Opernhaus!
Schon an meinem ersten Tag in Sydney habe ich es von aussen betrachten duerfen, was eher ein Zufall gewesen ist. Ich hatte mich einfach entlang einer der laengsten Strassen Sydneys in Richtung Hafen aufgemacht und prompt stiess ich am Hafen auf die klassische Postkartenansicht Sydneys. Zu meiner Linken hatte ich ploetzlich die Harbour Bridge im Blick, zu meiner Rechten das Opernhaus. Vor allem letzteres zauberte direkt ein Laecheln auf mein Gesicht. Obwohl ich gejetlagt und nicht wirklich gut gelaunt gewesen war, verspuerte ich beim Anblick des Opernhauses ein ueberwaeltigendes Gefuehl der Freude. Es war schier unbeschreiblich, auf ein Mal vor einem der groessten architektonischen Wahrzeichen der Welt zu stehen.
In den naechsten Tagen, Wochen und Monaten bestaunte ich dieses aussergewoehnliche Gebaeude von allen Perspektiven aus und machte ganz viele Fotos. Aus jedem Blickwinkel wirkt es anders; facettenreich ist es im wahrsten Sinne des Wortes. Die hundertausenden, wenn nicht sogar Millionen von Fliesen, mit denen das Opernhaus verkleidet ist, verleihen ihm beim genaueren Hinsehen ein nahezu animalisches, reptilienartiges Aussehen. Man kann sozusagen von einem chamaeleonartigen Aeusseren sprechen, so vielfaeltig kann sich einem dieses faszinierende Gebaeude darstellen.

Ich weiss nicht, ob es an unterschwelliger Ehrfurcht lag, aber erst zwei Wochen vor meinem Besuch des Konzerts traute ich mich das erste Mal in das Innere des Opernhauses zu treten. Vorher hatte ich irgendwie nie den Drang verspuert, hineinzugehen, womoeglich weil ich unterbewusst Angst hatte, dass sich meine traumhaften Vorstellungen und Assoziationen mit dem Hause ploetzlich in Luft aufloesen koennten.
Beim Ticketkauf war der erste Eindruck vom Inneren in der Tat etwas ‚matt‘; der Zahn der Zeit nagt auch an einer solchen architektonischen Ikone. Eine leichte Brise Siebziger-Jahre-Miefs wehte mir beim Eintreten entgegen, legte sich aber alsbald ich mich umsah und den Detailreichtum wahrnahm, der mich umgab. Da ich an dem Tag leider nicht an den Sicherheitsbeamten in Richtung der Konzertsaeaele vordringen konnte (ohne gueltige Tickets kommt man logischerweise nicht durch), besuchte ich zumindest die ganz oeffentlichen Toiletten, was jetzt laecherlich klingen mag, aber durchaus Aussagekraft in Bezug auf die Instandhaltung des Gebaeudes besitzt. Und tatsaechlich, die ‚Klos‘ sind schick, aussergewoehnlich und modern gestaltet. Da besucht man sogar ein oeffentliches Oertchen mit einem wohligen Gefuehl, ohne angewidert hinauszufluechten.

Am Tag des Konzerts war ich eigentlich mehr auf das Gebaeude gespannt, als auf die Musik, weswegen ich eigentlich mit zwei Freundinnen dort war.Da wir drei uns nicht wirklich als Kenner klassischer Musik bezeichnen koennen, trotzdem oefters und gerne solch wohligen Klaengen lauschen, besuchten wir „Tchaikovsky’s Fantasy“, was ein Potpourrie von ganz bekannten Werken darstellte, die einem Jeden bekannt sein duerften. Sei es aus Radio- und Fernsehwerbung, Filmen oder aus melodischen Grundlagen fuer manch ein Pop-Musik-Stueck, jeder muesste die Melodien im Kopf haben oder zumindest beim Hoeren wiedererkennen koennen.
Dem war auch in der Tat so und wir genossen die zweistuendige Vorstellung in vollen Zuegen. Zuerst zwar aus einer der letzten Reihen des riesigen Konzertsaals, was dazu fuehrte, dass wir nach einiger Zeit das Orchester nur noch verschwommen wahrnahmen, weil es die Augen so angestrengt hatte, so weit in die Ferne zu schauen. Doch nach der Pause waren wir einfach ganz dreist und zogen nach unten auf wohl recht kostspielige Plaetze, die wir zuvor als nicht belegt ausgemacht hatten. Da uns niemand deswegen schief angeguckt hatte und wir nicht die einzigen waren, die das gemacht hatten, blieben wir ruhigen Gewissens sitzen und genossen den zweiten Teil des Konzerts nun aus der Naehe zum Dirigenten und dem Orchester, welches jetzt umso klangvoller zur Geltung kam. 
Nach dem Konzert nutzten wir die Gelegenheit zur Inspektion des Gebaeudes. Und es ist wirklich der Wahnsinn, was hier aus gewoehnlichen Bauwerkstoffen als Massstab fuer die moderne Architektur postuliert wurde! Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und ergoetzte mich am Anblick der waghalsigen Formensprache aus Stahl, Holz und Beton. Meine Ausschweifungen nahmen jedoch ein jaehes Ende, als die „Beamten fuer Recht und Ordnung“ sanft, aber nachdruecklich darum baten, das Haus zu verlassen…
Doch eines steht fest: Ich komme wieder!
Schaut euch einfach die Fotos an und lasst euch beeindrucken; auch auf die Gefahr hin, dass auf den Fotos die Stimmung nicht herueberkommt, die das Opernhaus ausloesen kann…





Was für ein beeindruckendes Gebäude. Gigantisch!