Die Zeit, die sich beeilt*

31 12 2007

Strichliste

Nun neigt sich schon wieder ein Jahr seinem Ende entgegen und (fast) ein jeder wird wohl sagen: Das ist wieder schnell vergangen! Ja, so ist das mit der Zeit. Unaufhaltsam und unaufhoerlich rennt sie und es bedarf schon eines wachen Wesens, um mit ihr mitzuhalten.

Es gibt zum einen die Zeit, die sich mit einem selbst, in der Gegenwart, beeilt. Man rotiert durch die aktuellen Geschehnisse seines Lebens und gleitet auf den Wogen der Zeit dahin; manchmal von einem lauen, oftmals von einem stuermischen Wind getrieben. Doch man schreitet immer bewusst voran.

Zum anderen gibt es die Zeit, die scheinbar nur beim Blick auf die Uhr existiert. Der Alltag, mit seinem konstanten Wesen, weckt einen jeden Morgen auf und bringt jeden Abend die Nachtruhe. Die Zeit dazwischen kumuliert sich erst aus der Rueckschau heraus zu einem Ganzen. Diese Momentaufnahmen, die in unregelmaessigen Abstaenden hervorscheinen, geben einem das Gefuehl, neben der Zeit herzulaufen. Am Ende des Jahres trifft man sich in der Situation des hiesigen Namens ‚New Year’s Eve‘. Man betrachtet die Zeit, man blickt in sich selbst hinein und wenn das Licht hell genug scheint, kann man erkennen, welche Pinselstriche seinem eigenen imaginaeren Portrait auf der Leinwand hinzugefuegt wurden.  

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass die vagen Schemen meines Lebens einer Konturierung unterlegen sind und sichtbar an Gestalt gewonnen haben.  

Autoschieber

Mein Jahr hat eigentlich mit einem Ende angefangen. Die Beendigung meines Arbeitsverhaeltnisses war erstmal eine grosse Erleichterung fuer mich, ist die Arbeit doch immer mehr zu einem Stoerfaktor in meinem Leben mutiert, nachdem sie ihren Zweck erfuellt hatte. Irgendwann bekam ich naemlich das Gefuehl, dass bei mir innerlich nur noch Stillstand herrschte, bliebe ich noch laenger in der ‚Luft‘.

Dann kam die Zeit der Freude, Entspannung, der relativen Verantwortungslosigkeit und Geloestheit. Ich reiste viel herum, unternahm viel mit Freunden, genoss das Zusammensein mit der Familie. Ein grosses Abenteuer wartete auf mich, auf das ich sehr gespannt war. Meine Reise nach Australien kam immer naeher und schon waehrend der letzten Wochen, der Zeit der Abschiednahme von meinen Liebsten, merkte ich, dass dieses eine Jahr Abwesenheit von Zuhause mehr bedeutete, als ich mir bis dahin bewusst geworden war.

Ploetzlich vermisste ich meine Umwelt, die Personen und Persoenlichkeiten, die mich umgaben und die zurueckgelassen hatte, mehr als mir lieb war. Was ich hier in Australien anfangen sollte, wurde mir erst mit den truebsinnigen Tagen und Wochen bewusst, die hier vergingen. Ich war unausgeglichen, orientierungslos und musste jeden Tag mit mir selbst kaempfen, um hier nicht nur koerperlich, sondern auch geistig anzukommen. Dies hatte ich mir zum Ziel gesetzt, nachdem ich feststellen musste, dass der ganze Aufenthalt sonst ueberhaupt keinen Sinn machen wuerde.

Stuhlleere

Ich gewoehnte mich langsam aber stetig an meine neue Umgebung; lernte neue Menschen kennen, die mich beruehrten, ergriffen, losliessen und praegten. Ich gewann Freunde, musste gleichzeitig mit Merkwuerdigkeiten und schmerzhaften Erfahrungen fertig werden. Ich begann, meine Umwelt zu schaetzen, die Positivitaet zu sehen, die sich hinter allen Anstrengungen, Hindernissen und Widrigkeiten verbirgt. Am Ende ergibt alles einen Sinn.  

So hoffe ich, dass das neue Jahr genauso sinnreich weitergeht, wie das aktuelle aufhoert. Ich bin mir bewusst, dass auch in Zukunft nicht immer alles einfach wird, doch freue ich mich darauf, mich den Herausforderungen zu stellen.  

Um es ‚aussielike‘ auszudruecken:

Die Wellen meines Lebens werden sich wahrscheinlich noch manches Mal ueberschlagen, doch finde ich immer festeren Halt auf dem Surfbrett zu meinen Fuessen.  

Der Surfkurs – er bringt was!

Die Sonne – sie scheint!

*frei nach Easy Anne





Der heilige Abend und der X-Faktor

26 12 2007

Weihnachtskuchen

Der Abend des Jahres ist ueberstanden und ich kann nicht sagen, ob ‚leider‘ oder ‚zum Glueck‘. Es war ein nahezu abenteuerliches Erlebnis, diesen Abend hier in Sydney, auf eine sehr befremdliche Art und Weise, zu verbringen.

Angefangen hat es damit, dass ich Mittags in der Stadt unterwegs gewesen bin, um noch die letzten Zuege der vorweihnachtlichen Stimmung (i.e. Stress!) mitzubekommen und letzte Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Natuerlich hatte der Laden, wo ich ein paar Kleinigkeiten kaufen wollte, geschlossen als ich dort ankam, obwohl grossartig angekuendigt worden ist, QVB-Baumdass er noch fuer die Klientel, die auf den letzten Druecker Geschenke braucht, geoeffnet haben wird. Nun denn, ich habe mich nicht aus der Ruhe bringen lassen und habe einfach Plan B aus dem Aermel gezogen und bin woanders hingegangen, um spontan und improvisatorisch andere Warengueter zu erwerben. Zwischendurch habe ich noch letzte Fotos von den Weihnachtsdekorationen Sydneys geschossen, was ich eigentlich schon vor Tagen gemacht haben wollte. So gibt es hier ein ganz bekanntes Kaufhaus namens David Jones, das in seinem Anspruch mit Harrod’s oder den Galeries LaFayette vergleichbar ist (auch wenn es deren Status nicht erreicht), das ganz opulent eingerichtete Schaufenster besitzt. Dieses Jahr wurde unter Zuhilfenahme von etlichen Marionetten der Nussknacker nachgestellt, in jedem Schaufenster eine andere Szene. Leider musste ich feststellen, dass eben diese Fenster von Menschentrauben umringt waren und das Fotografieren sich dementsprechend schwierig gestaltete.  

Abends war ich mit Anne zum Weihnachtsessen verabredet, um anschliessend zur Anna und Christiane ins Hostel zu gehen, um uns durch ein ueppiges Schokoladenfondue zu schlemmen. Leider kam Annes Mitbewohnerin auf die Idee, kurz vor uns anzufangen zu kochen, obwohl sie das Essen erst fuer den naechsten Tag gebraucht hat und wir unsere Kuechenbesetzung im Vorhinein angekuendigt hatten. Da waren wohl irgendwelche trotzigen Rachegelueste mit im Spiel, nachdem schon seit Wochen eine sehr gespannte Stimmung zwischen der Mitbewohnerin und uns herrschte. Um was es genau geht, moechte ich hier jetzt nicht ausbreiten, jedenfalls haben wir uns unsere Stimmung nicht verderben lassen und haben einfach abgewartet.

Mit drei Stunden Verzoegerung stand dann irgendwann auch unser weihnachtliches Festmahl auf dem Tisch, welches dieses Jahr aus Burritos bestand. Ja, ja – es war aber lecker! Am Ende gab’s einen kleinen Bescherungsmoment und leicht gestresst und unter Zeitdruck mussten wir schnell ins Hostel, weil wir dummerweise die ganze Schokolade dabei hatten, die fuer das Schokofondue benoetigt wurde. Unsere Freunde warteten jedoch ganz geduldig auf uns.

Das Fondue war ganz lecker und danach war mir auch ziemlich schlecht, wobei letzteres nicht nur am Essen lag. Im Aufenthaltsraum des Hostels ging naemlich die Post ab. Groehlende Englaender(innen) und Kanadier belagerten einen Grossteil des Raumes und gaben lautstark Weihnachstlieder von sich. Teilweise in Tonlagen, die mir bislang unbekannt waren und in einer Lautstaerke, die einen startenden Jumbojet locker uebertraf.Irgendwann hatten wir genug davon und machten uns auf den Weg zu einer Mitternachtsmesse, die wir eigentlich in der grossen St Mary’s Kirche besuchen wollten. In meinem Kopf schwirrten naemlich solche Gedanken, dass das ganze Weihnachtsbrimborium urspruenglich ja aus rein religioesen Gruenden stattfindet; daher beschlossen wir, eine Kirchenmesse zu besuchen, zum grossen Teil auch deswegen, weil wir sehen wollten, wie so etwas in Australien zelebriert wird.

Bescherung

Auf dem Weg zu unserer urspruenglich avisierten Kirche sind wir jedoch nicht weit gekommen, denn kurz nachdem wir aufgebrochen waren kam uns eine Prozession entgegen, die uns quasi auf der Stelle missioniert hat. Wir folgten dem Zug der Glaeubigen, der uns in eine Kirche um die  Ecke fuehrte. Das war uebrigens ein aeusserst seltsames Schauspiel, weil sich die Prozession durch eine betrunkene Partymeute zwaengen musste, die vor einer Bar auf den Zutritt gewartet hatte. Auch der Prozessionszug an sich wirkte sehr eigenartig. Angefuehrt von einem Jugendlichen, der fast wie in Trance mit dieser Weihrauchschleuder vor sich hin wedelte, gefolgt von alten Kreuztraegern, einer humpelnden Frau und abgeschlossen von drei alten Herren in goldenen Gewaendern mit schwarzen Hueten auf den Koepfen. Diese merkwuerdigen Gestalten wirkten sehr beschwoerungsmaessig und besassen eine Aura des Unheimlichen.

Die Messe an sich wurde mit ‚Stille Nacht, heilige Nacht‘ eingeleitet, vorgetragen von einem talentierten Chor, der die ganze Messe ueber zu schoenem Orgelspiel sein Bestes gegeben hat. Allein deswegen hat sich der Besuch schon gelohnt. Da ich an der Thematik der Messe nicht wirklich interessiert gewesen bin, hatte ich waehrend der zwei Stunden genuegend Zeit, die Menschen um mich herum zu beobachten, was sehr vergnueglich war und mich zeitweise sogar aus meiner doesigen Stimmung zu reissen vermochte. Viele der Personen schienen keine regelmaessigen Kirchengaenger zu sein und liessen sich von jedem Geraeusch um sie ablenken und verrenkten ueberaus interessiert ihre Koepfe in alle moeglichen Richtungen – nur nicht nach vorne, wo eigentlich der Hauptfokus des Abends liegen sollte.

Prozession

Ueberhaupt war die Messe sehr unterhaltsam, auch wenn es nicht ihrer selbst wegen gewesen ist.

Nach dem Ende dieses merkwuerdigen Schauspiels wollten wir nur noch nach Hause, weil wir sehr muede und vom Weihrauch leicht benebelt waren. Natuerlich musste es nach dem Verlassen der Kirche auch prompt anfangen in Stroemen zu regnen, was uns dazu veranlasste, mit dem Taxi abzuduesen.  

Der erste Weihnachtstag war dagegen umso unspektakulaerer. Anne kam bei mir zu Besuch und wir verbrachten fast den ganzen trueben Tag in meinen bescheidenen vier Waenden. Das Wetter war schlecht und aus unserem geplanten Strandausflug wurde nichts.

Abends waren wir auf ein weihnachtsliches Barbecue bei der sydneyer Verwandtschaft einer wiener Freundin eingeladen. Als wir dort ankamen, war die Party allerdings schon fast vorbei und alle, einschliesslich der Eltern, waren – nach guter australischer Manier – schon ziemlich dicht, was die Party sehr droege wirken liess. So verliessen wir diese schon nach kurzer Zeit… Heute scheint die Sonne und es sieht so aus, als ob es endlich wahr werden wuerde – Weihnachten am Strand!

Mein Bus kommt gleich und Coogee Beach wartet auf mich. Vielleicht bekomme ich ja ein paar wellenreitende Weihnachtsmaenner zu sehen. Falls dem wirklich so geschehen sollte, dann werde ich auch davon ausfuehrlich berichten… Frohe Weihnachten!





Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck…

22 12 2007

Strandfuss

Nach Tagen des regnerischen und trueben Wetters schien gestern die Sonne in voller Pracht. So beschloss ich, zum Strand zu fahren und mich genuesslich unter der Sonne Australiens auszubreiten. Ich bin an sich nicht der groesste Strandgaenger, doch nach dem miefigen und feuchten Grau der letzten Tage bekam ich gestern richtige Lust auf Sonne, Strand und Meer. Bislang bin ich auch erst ein Mal am Strand gewesen, um mich zu sonnen und zu baden. Ich mag es ja gar nicht zugeben, da ich ja schon seit fast vier Monaten hier bin! Schande ueber mein Haupt, ich weiss…

 Jedenfalls bin ich gestern in den Bus gesprungen, der quasi vor meiner Haustuer zu einem der zur Zeit angesagtesten Straende faehrt: Coogee Beach. Im Prinzip nicht viel anders als Bondi Beach, nur etwas breiter und nicht von Weltruf. Es war ueberhaupt nicht ueberfuellt am Strand, was ich eigentlich erwartet hatte; die Leute konzentrieren sich zur Zeit wohl doch eher auf’s Weihnachts-Shopping und Party-Machen. Letzteres ist hier eines der Hauptattribute der Weihnachtszeit, wie mir aufgefallen ist. Wie schon vormals erwaehnt, steht man hier Weihnachten in sehr ausgelassener Stimmung entgegen. Dies fuehrt dazu, dass sich der gemeine Otto-Normal-Australier im Dezember auf diversen Partys gerne betrinkt – auch am hellichten Tag (Christmas-Lunch, etc.) . Auch verkleidet er sich gerne, wie man es bei uns nur zu Karneval machen wuerde oder schmeisst sich in seinen schicksten Fummel, den die Garderobe hergibt.

Weihnachtsmaenner bekommt man hier in Sydney auch bei hochsommerlichen Temperaturen in voller Montur zu sehen und zwar in Form von als eben solche verkleideten Busfahrern! Diese halten dann auch mal zwischen den Haltestellen gerne am Strassenrand, um vorbeikommenden Passanten, wie der Papst in seinem Papamobil, zuzuwinken. Das schaut immer ganz lustig aus und amuesiert vor allem Touristen, die jetzt zur Weihnachszeit verstaerkt auf Sightseeing-Touren durch die Stadt schlendern. So wie ich es heute morgen beobachten konnte, stroemen sie auch in Massen von den Kreuzfahrtschiffen (die jetzt ununterbrochen ein- und auslaufen) um bei Tagesausfluegen die City im Schnelldurchlauf zu durchforsten.  

ElvisPlakat

Bald werde auch ich wieder in touristischer Mission unterwegs sein! Ob man es glaubt oder nicht, nach ueber vier Monaten in Sydney geht es am 11. Januar  des naechsten Jahres ab nach Alice Springs! Anne und ich werden ab diesem Zeitpunkt zusammen reisen. In Alice Springs verbringen wir eine Nacht und starten dann mit einer dreitaegigen Outback-Tour, die wir schon gebucht haben. Diese Tour fuehrt uns zum Ayers Rock respektive Uluru und beinhaltet auch Uebernachtungen unter freiem Outback-Himmel, yeah! Darauf freuen wir uns beide schon wie kleine Kinder – ungefaehr so, wie man sich gefreut hat, wenn man als kleiner Spund im elterlichen Garten zelten durfte. Demnach so sehr, dass wir uns schon fast in die Hosen machen vor Aufregung! Na ja, ist vielleicht etwas uebertrieben, aber es kommt dem schon sehr nahe.  

Nach der Tour werden wir weiter nach Cairns fliegen, um von dort aus unsere Ostkuesten-Tour mit einem Mietwagen zu starten. Was wir dabei genau besichtigen werden, entscheiden wir spontan. Jedenfalls haben wir uns schon umfassend informiert (vor allem bei anderen Backpackern) und wissen zumindest schon, was wir auf keinen Fall sehen wollen, weil es sich nicht lohnt. Genauere Informationen diesbezueglich wird es vor oder waehrend der Reise an dieser Stelle geben. 

Ende Januar werden wir wieder in Sydney eintrudeln und als kroenendes Highlight vor Annes Abreise (ja, sie muss am ersten Februar wieder in Deutschland sein – Referendariatsbeginn!) werden wir eine griechische Hochzeit hier in Australien besuchen! Ja, richtig gelesen. Anne wurde von einer Arbeitskollegin eingeladen und nimmt mich als Begleitung mit. Ich bin schon sehr gespannt, wie man hier solch eine Hochzeit feiert und freue mich auf (hoffentlich) griechisches Essen und Booze (wer sich traut, darf letzteres Wort im Woerterbuch nachschlagen).

Heute hatte ich meinen letzten Arbeitstag vor Weihnachten und es gab sogar Weihnachtsgeschenke. Jeder hat eine Flasche Moet Chandon geschenkt bekommen – und diese Schampusflasche wird heute Abend erstmal gekoepft. Fuer Silvester brauche ich die nicht aufzubewahren, weil ich arbeiten werde. Das ist ueberhaupt nicht aergerlich fuer mich, denn erstens bin ich nicht der groesste Silvester-Fan und zweitens wollte ich ja das Feuerwerk an der Harbour Bridge bestaunen. Und wo geht das besser als direkt am Hafen im Wharf Restaurant mit Blick auf eben diese Bruecke? Eben!  

In diesem Sinne wuensche ich euch allen einen lichterlohen vierten Advent!





Opera is true…

19 12 2007

Opernhaus

Nach ueber dreieinhalb Monaten in Sydney war es am letzten Samstag endlich soweit – ich besuchte ein klassisches Konzert im weltberuehmten Sydneyer Opernhaus! 

Schon an meinem ersten Tag in Sydney habe ich es von aussen betrachten duerfen, was eher ein Zufall gewesen ist. Ich hatte mich einfach entlang einer der laengsten Strassen Sydneys in Richtung Hafen aufgemacht und prompt stiess ich am Hafen auf die klassische Postkartenansicht Sydneys. Zu meiner Linken hatte ich ploetzlich die Harbour Bridge im Blick, zu meiner Rechten das Opernhaus. Vor allem letzteres zauberte direkt ein Laecheln auf mein Gesicht. Obwohl ich gejetlagt und nicht wirklich gut gelaunt gewesen war, verspuerte ich beim Anblick des Opernhauses ein ueberwaeltigendes Gefuehl der Freude. Es war schier unbeschreiblich, auf ein Mal vor einem der groessten architektonischen Wahrzeichen der Welt zu stehen.  

In den naechsten Tagen, Wochen und Monaten bestaunte ich dieses aussergewoehnliche Gebaeude von allen Perspektiven aus und machte ganz viele Fotos. Aus jedem Blickwinkel wirkt es anders; facettenreich ist es im wahrsten Sinne des Wortes. Die hundertausenden, wenn nicht sogar Millionen von Fliesen, mit denen das Opernhaus verkleidet ist, verleihen ihm beim genaueren Hinsehen ein nahezu animalisches, reptilienartiges Aussehen. Man kann sozusagen von einem chamaeleonartigen Aeusseren sprechen, so vielfaeltig kann sich einem dieses faszinierende Gebaeude darstellen.  

Tickets

Ich weiss  nicht, ob es an unterschwelliger Ehrfurcht lag, aber erst zwei Wochen vor meinem Besuch des Konzerts traute ich mich das erste Mal in das Innere des Opernhauses zu treten. Vorher hatte ich irgendwie nie den Drang verspuert, hineinzugehen, womoeglich weil ich unterbewusst Angst hatte, dass sich meine traumhaften Vorstellungen und  Assoziationen mit dem Hause ploetzlich in Luft aufloesen koennten.  

Beim Ticketkauf war der erste Eindruck vom Inneren in der Tat etwas ‚matt‘; der Zahn der Zeit nagt auch an einer solchen architektonischen Ikone. Eine leichte Brise Siebziger-Jahre-Miefs wehte mir beim Eintreten entgegen, legte sich aber alsbald ich mich umsah und den Detailreichtum wahrnahm, der mich umgab. Da ich an dem Tag leider nicht an den Sicherheitsbeamten in Richtung der Konzertsaeaele vordringen konnte (ohne gueltige Tickets kommt man logischerweise nicht durch), besuchte ich zumindest die ganz oeffentlichen Toiletten, was jetzt laecherlich klingen mag, aber durchaus Aussagekraft in Bezug auf die Instandhaltung des Gebaeudes besitzt. Und tatsaechlich, die ‚Klos‘ sind schick, aussergewoehnlich und modern gestaltet. Da besucht man sogar ein oeffentliches Oertchen mit einem wohligen Gefuehl, ohne angewidert hinauszufluechten.   

Konzert

Am Tag des Konzerts war ich eigentlich mehr auf das Gebaeude gespannt, als auf die Musik, weswegen ich eigentlich mit zwei Freundinnen dort war.Da wir drei uns nicht wirklich als Kenner klassischer Musik bezeichnen koennen, trotzdem oefters und gerne solch wohligen Klaengen lauschen, besuchten wir „Tchaikovsky’s Fantasy“, was ein Potpourrie von ganz bekannten Werken darstellte, die einem Jeden bekannt sein duerften. Sei es aus Radio- und Fernsehwerbung, Filmen oder aus melodischen Grundlagen fuer manch ein Pop-Musik-Stueck, jeder muesste die Melodien im Kopf haben oder zumindest beim Hoeren wiedererkennen koennen.

Dem war auch in der Tat so und wir genossen die zweistuendige Vorstellung in vollen Zuegen. Zuerst zwar aus einer der letzten Reihen des riesigen Konzertsaals, was dazu fuehrte, dass wir nach einiger Zeit das Orchester nur noch verschwommen wahrnahmen, weil es die Augen so angestrengt hatte, so weit in die Ferne zu schauen. Doch nach der Pause waren wir einfach ganz dreist und zogen nach unten auf wohl recht kostspielige Plaetze, die wir zuvor als nicht belegt ausgemacht hatten. Da uns niemand deswegen schief angeguckt hatte und wir nicht die einzigen waren, die das gemacht hatten, blieben wir ruhigen Gewissens sitzen und genossen den zweiten Teil des Konzerts nun aus der Naehe zum Dirigenten und dem Orchester, welches jetzt umso klangvoller zur Geltung kam.  Macquaries Point

Nach dem Konzert nutzten wir die Gelegenheit zur Inspektion des Gebaeudes. Und es ist wirklich der Wahnsinn, was hier aus gewoehnlichen Bauwerkstoffen als Massstab fuer die moderne Architektur postuliert wurde! Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und ergoetzte mich am Anblick der waghalsigen Formensprache aus Stahl, Holz und Beton. Meine Ausschweifungen nahmen jedoch ein jaehes Ende, als die „Beamten fuer Recht und Ordnung“ sanft, aber nachdruecklich darum baten, das Haus zu verlassen… 

Doch eines steht fest: Ich komme wieder! 

Schaut euch einfach die Fotos an und lasst euch beeindrucken; auch auf die Gefahr hin, dass auf den Fotos die Stimmung nicht herueberkommt, die das Opernhaus ausloesen kann…





Shalom! Eine Kugel Vanilleeis mit Panier, bitte!

10 12 2007

Eis„Das muss ich probieren“, dachte ich mir, als ich gestern mit Anne und Michi am beruehmten Bondi Beach gewesen bin – Fried Ice Cream. Eine Eiskugel im Teigmantel, in Frittenfett getaucht; hoerte sich doch ganz vielversprechend an. Kulinarische Genuesse auf die australische Art eben. Doch die Enttaeuschung kam prompt beim ersten Loeffelchen. Aussen war das Eis gar nicht wirklich heiss, weil es innen unglaublich stark gefroren gewesen ist. Nun denn, der Plastikloeffel ist trotzdem nicht beim Essen zerborsten, dank der Aussentemperaturen von ca. 25 Grad schmolz das Eis dann doch ganz nett auf der Zunge. Spektakulaer war dieses Geschmackserlebnis nicht, dafuer aber sehr interessant. Als die Eiskugel so in der Friteuse herumschwamm, war ich doch sehr gespannt, was dabei herauskommen wuerde.

Mit Bondi Beach verhaelt es sich im Uebrigen so aehnlich wie mit der Fried Ice Cream. Was hoert man nicht immer, wie toll dieser Strand sein soll, was fuer schoene Leute dort herumlaufen sollen und wie schoen die Landschaft generell sein soll. Die Ernuechterung kommt dann auch relativ schnell, wenn man aus dem Bus steigt, den Strand mit einem Augenschweif ueberblicken kann und die Betonkloetze drumherum sieht. Das erinnert alles ein bisschen an Monaco. Zugegeben, nicht ganz so schlimm verbaut und von plattenbauaehnlicher Haesslichkeit gepraegt und auch der Strand an sich ist wirklich huebsch. Aber ansonsten gibt es dort wirklich nicht viel, was einen solch weltbekannten Ruf rechtfertigen wuerde. So ist es einfach ganz nett dort und es ist lustig zu beobachten, wie die Surfer mit Ihren Brettern aus dem Wasser steigen und plitschnass ueber die Strasse nach Hause laufen. Doch es gibt definitiv angenehmere Straende in Sydney.

Als Anne, Michi und ich abends entlang der Promenade schlenderten, nachdem wir vorher noch bei einem Mexikaner essen gewesen sind (bei mir gab’s einen Burrito mit Shrimps!), entdeckten wir am Rande eine kleine Chanukkafeier. Die Leute tanzten ganz ausgelassen zu etwas zu beatlastiger Klezmermusik und zelebrierten auf diese Weise ihr Lichterfest. Der Chanukkaleuchter, unter dessen Licht sich das ganze Schauspiel abspielte, war ein recht imposantes, ca. Vier Meter hohes Stahlkonstrukt, das auf einem Auto-Anhaenger stand. Junge und Alte feierten miteinander und auch die Schaulustigen hatten ihren Spass, sieht man ein solches Fest doch nicht jeden Tag. Ich zumindest habe es das erste Mal gesehen und fand es sehr interessant.

Shalom Bondi!

Heute habe ich erfahren, dass mich Hendrik, ein Freund aus Koeln, im Februar hier in Sydney besuchen kommen wird! Wahnsinn, ich kann das noch gar nicht richtig glauben. Zwar habe ich vor meiner Abreise immer gesagt, dass Ihr alle mich durchaus besuchen kommen koennt – doch wirklich geglaubt habe ich ehrlich gesagt nicht daran… Umso positiver bin ich jetzt ueberrascht und freue mich wirklich wie ein kleines Kind auf den Weihnachtsmann, dass der Hendrik hier auftauchen wird! Ich ueberlege jetzt schon, was wir dann alles unternehmen werden; hier kann man so vieles sehen und nachdem ich anfangs, als ich hier angekommen war, nicht wirklich in Reisestimmung gewesen bin, verspuere ich nun immer mehr den Drang, moeglichst vieles von hier ‚mitzunehmen‘. Es ist so etwas wie Reisefieber in mir ausgebrochen! 

Obwohl ich schon seit nunmehr dreieinhalb Monaten hier bin, bin ich dem Gefuehl nach jetzt erst richtig hier angekommen. Ich weiss jetzt richtig zu schaetzen, was fuer eine tolle Gelegenheit diese Reise fuer mich darstellt, neue Erfahrungen zu sammeln und mich von den Eindruecken berauschen zu lassen, denen ich tagtaeglich ausgesetzt bin und die noch intensiver werden, wenn ich erstmal aus Sydney herauskommen werde, um Australien fuer mich zu erobern!

 Ich werde euch auch dann natuerlich immer auf dem Laufenden halten und euch immer mitteilen, was mit mir passieren wird und wo ich gerade sein werde. In diesem Sinne: Lasst es euch schmecken!  

Ps: Deep Fried Mars-Bars kann man hier auch kaufen – die sehen aus wie Fischstaebchen und wenn man Pech hat, werden sie auch im selben Fett frittiert wie diese und schmecken dann entsprechend fischig-suess…;-)





Einstuerzende Neubauten

3 12 2007

So wechselhaft wie das Wetter in Sydney ist, so stuermisch kann das Leben eines Backpackers wie mir hier sein.

Angefangen hat alles am Freitag auf der Arbeit. Wie die meisten von euch wissen sollten, arbeite ich in einem recht teuren Restaurant als Kellner. Da ich das noch nicht allzu lange mache und noch nie zuvor im Leben gekellnert habe, bin ich natuerlich noch nicht so firm in dem was ich mache. Nun denn, ich haette es ahnen muessen, dass dieser Freitag nicht wirklich prickelnd werden sollte; denn als ich morgens aus dem Bus stieg, fing es auch schon an zu regnen. Auf der Arbeit angekommen, herrschte natuerlich (bedingt durch die Vorweihnachtszeit) schon hektische Betriebsamkeit und Unruhe lag in der Luft, hauptsaechlich von meinen Vorgesetzten verursacht. Alles musste schnell gehen und mittlerweile bin ich tatsaechlich nicht mehr der Langsamste, doch wissen kann ich noch laengst nicht alles; vor allem nicht, wie irgendwelche Cocktails heissen oder aussehen.

ArafatDa stand also dieses breite Glas mit eigenartigem Inhalt und einem Zettel unter dem Sockel. Daher nahm ich das Glas und beeilte mich zum Tisch, der auf dem besagten Zettel notiert war. Nur leider hatte an dem Tisch niemand einen Cocktail bestellt und so ging ich zurueck zur Bar. Dort wartete auch schon mein Vorgesetzter auf mich, um mich zu fragen, was das sollte. Ich habe ihm natuerlich versucht, die Situation zu schildern, aber er meinte nur, dass ich keine Widerworte geben sollte und er immer recht hat. Na ja, hat er zwar nicht, aber ich liess ihn in dem Glauben und atmete einfach tief durch. Schwamm drueber, dachte ich mir. Man muss dazu allerdings sagen, dass es in dem Laden, in dem ich arbeite, fast schon ein Verbrechen ist, einem Kunden gegenueber unwissend zu erscheinen, was seine Bestellung angeht. Meine Schuld war es jedenfalls nicht. Egal, ich also weiter herumgerannt und essen ausgetragen und bumm, wieder etwas falsches am Tisch von vorhin. Und wieder nicht meine Schuld. Okay, wieder Schwamm drueber und weiter. Und zack, wieder der Tisch, wieder falsch – und wieder nicht meine Schuld. Aber wen interessiert’s? Meinen Vorgesetzten jedenfalls nicht. Also bekam ich den ganzen Aerger ab und war innerlich mehr als unruhig. Meine Kollegen bekamen schon Mitleid mit mir, aber was hilft das schon. Im Endeffekt dachte ich mir aber nur, dass ich eh nicht wirklich auf den Job angewiesen bin, mir trotzdem alle erdenkliche Muehe gebe und vernuenftig arbeite und wenn denen das nicht reicht, dann… sollen die mich halt feuern. Ein bisschen Wuerde ist bei mir auch noch haengengeblieben und meine Nerven lasse ich mir von denen nicht kaputt machen. Fazit der Geschichte ist, dass ich es ueberlebt habe und immer noch arbeite und heute sogar einen ganz entspannten Tag hatte.

Der Freitag war aber noch nicht zu Ende. Nach der Arbeit rief ploetzlich eine Freundin an und fragte, ob sie nicht die Nacht bei mir in der Wohnung verbringen koenne, weil sie von Ihrer Gastfamilie (bei der sie Au-Pair-Maedchen ist) rausgeschmissen worden sei. Oh Mann, dachte ich mir, was ist passiert?! Im Endeffekt stellte sich heraus, dass sie, als sie in Ihrer Mittagspause schwimmen gegangen ist und die Familie nicht zu Hause war, eine von vier Shampooflaschen aus dem Bad genommen hatte, weil ihr eigenes Shampoo verbraucht war. Nichts schlimmes an sich, man muss ja auch nicht bei jemandem anrufen und fragen, ob man ein Shampoo benutzen darf, oder? Tja, falsch gedacht. Die Familie beschuldigte sie des Diebstahls, half ihr beim Packen ihrer Sachen und durchwuehlte dabei alles, was der Freundin gehoert hatte nochmals gruendlich, wahrscheinlich um zu pruefen, ob sie nicht vielleicht noch ein Stueck Seife mitgenommen hatte…?! Anna, die Freundin, war jedenfalls in diesem Moment so baff, dass sie das einfach hat mit sich machen lassen, was verstaendlich ist. Im Nachhinein koennte man sich natuerlich die Haare raufen, aber zu spaet. Was lernt man daraus? Nicht alle Australier sind Strandgemueter. Nun denn, sie uebernachtete bei mir und zog am naechsten Tag ins Hostel, um sich diese Woche nach einem neuen Job umzuschauen.

Am selben Abend kamen uebrigens noch die Eltern meines Vermieters aus Deutschland angeflogen und entsprechender Trubel herrschte dann im Hause.

Zu guter Letzt hatte ich dann am Samstag so etwas wie eine Meinungsverschiedenheit mit einem hier kennengelernten Freund, was mich innerlich sehr aufgewuehlt und bedrueckt hatte und woran ich immer noch denken muss. Aber das vergeht schon mit der Zeit.

Man sieht also, dass es auch am anderen Ende der Welt nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen gibt, sondern dass der muehsam und liebevoll aufgebaute Alltag manchmal auch einfach wie ein Kartenhaus in sich zusammenfaellt.

Paeckchen

Heute bin ich aber schon wieder gut gelaunt, weil ich einen entspannten Arbeitstag hatte und ein Paeckchen von meinen Eltern erhalten habe, in dem unter anderem Lebkuchen, Pralinen, Printen und Dominosteine enthalten waren – weihnachtlich Gaumenfreuden! Danke nochmals, ich werde es mir schmecken lassen!:-) Das Paeckchen an sich sah allerdings aberteuerlich mitgenommen aus. Nicht genug, dass das australische Seuchenschutzamt den Inhalt begutachtet (aber zum Glueck als nicht gefaehrlich befunden) hat – am Ende lag das Paeckchen vor der Haustuer im Regen, halb offen und zerbeult. Danke, staatliche australische Post!

In diesem (heute verregneten) Sinne – Frohe Weihnachten.

Ps: Falls ihr euch fragt, was das Bild vom Kassenbon dort oben zu suchen hat – schaut mal auf den unteren Abschnitt und staunt, wer mich bedient hat… („Your cashier today was…“)